vergrößernverkleinern
Celta Vigo v FC Barcelona - La Liga
Marc-Andre Ter Stegen muss sich in Barcelona scharfe Kritik anhören © Getty Images

Barcelona - Barcelonas Torhüter sieht gegen Leverkusen zum wiederholten Mal nicht gut aus. Ihm droht die Verbannung auf die Bank - und ein Problem in der Nationalmannschaft.

Den (nächsten) sportlichen Fehler verzieh Luis Enrique seinem Torhüter Marc-Andre ter Stegen sofort, doch den Disput mit Kollege Luis Suarez prangerte er deutlich an.

"Jeder macht Fehler", sagte der Trainer des FC Barcelona nach dem 2:1 (0:1) gegen Bayer Leverkusen: "Aber wir dürfen uns nicht gegenseitig Vorwürfe machen, sondern müssen uns gegenseitig ermutigen."

Ob er damit ausdrücklich seinen deutschen Torhüter ter Stegen meinte, ließ Enrique offen. Doch war dieser direkt nach dem 0:1 wutentbrannt auf Suarez losgerannt und hatte offenbar dessen Defensivverhalten gegeißelt.

Einen eigenen Fehler wollte der gebürtige Mönchengladbacher, der nach dem Eckball von Hakan Calhanoglu im Fünfmeterraum gegen Torschütze Kyriakos Papadopoulos zu spät kam, weder zugeben noch dementieren.

"Es ist schwer, zum Ball zu kommen, weil der Eckball einfach gut getreten war", sagte er: "Ich hatte den ein oder anderen Fehler drin in den letzten Wochen. Aber manchmal wurden auch noch welche oben drauf kreiert. Aber ich bin okay. Ich weiß, wann ich Fehler gemacht habe und wann nicht."

Ter Stegen "wollte Frust loswerden"

Das in der 22. Minute am Dienstagabend war einer, da waren sich nahezu alle einig.

"Der nächste Fehler von ter Stegen", titelte die Marca. Die Mundo Deportivo sah "wieder ein vermeidbares Gegentor. Gegen Bellarabi hat er stark gehalten, aber das löscht die Schuld beim 0:1 nicht komplett aus."

Auch der frühere Bundesliga-Torwart Richard Golz ging mit ter Stegen wegen der verbalen Auseinandersetzung mit seinem Teamkollegen hart ins Gericht. Bei Sky sagte Golz: "Ich denke, ter Stegen hat das Gefühl gehabt, dass etwas nicht stimmte. Er weiß, dass er jetzt große Kritik ernten wird. Er wollte in der Situation seinen Frust loswerden. Aber Suarez war der Falsche."

Die Krise des deutschen Torhüters, es ist eines der bestimmenden Themen bei den Katalanen derzeit.

So manch einer im Barca-Umfeld munkelt, dass ter Stegen mit seinem überehrgeizigen Einstieg ins Training ein Eigentor unterlaufen sei. Statt zehn Tage früher auf dem Platz zu stehen, hätte er nach seinem erfolgreichen, aber doch schwierigen Premierenjahr in Barcelona und der U21-EM womöglich lieber zehn Tage länger Kraft getankt.

Sportlich stützte Trainer Enrique ter Stegen immerhin ausdrücklich. "Er ist auf einem sehr guten Niveau und genau der richtige Mann für unseren Verein", betonte der Coach: "Es gibt nur eine Kritik, die er ernst nehmen muss. Das ist die vom Trainer. Und da gibt es keine. "

Ablösung durch Bravo droht

Was diese Worte wert sind, wird der Deutsche in den nächsten Tagen sehen. Sein seit einem Monat verletzter Rivale Claudio Bravo ist zurück. Gegen Leverkusen gehörte er wegen mangelnder Wettkampf-Fitness noch nicht zum Kader, doch schon am Samstag gegen den FC Sevilla könnte er spielen.

Schließlich hatte Enrique angekündigt, er habe "die gleiche Idee im Kopf wie in der vergangenen Saison". Dies würde bedeuten, dass Bravo in der Liga spielt und ter Stegen nur in den Pokalwettbewerben.

Eine Entwicklung, die prekär werden könnte aus Sicht von ter Stegen - gerade was seine Ambitionen in der Nationalmannschaft anbelangt. Sollte der 23-Jährige im Verein tatsächlich wieder auf die Bank verbannt werden, läuft er Gefahr, dass im auch im DFB-Team Konkurrenten wie Bernd Leno oder Kevin Trapp den Rang ablaufen.

Bezeichnend für ter Stegens momentane Situation: Als das Spiel gegen Leverkusen abgepfiffen war, musste sich der Barca-Keeper in den Katakomben des Camp Nou kritische Fragen zu seinem Fehler gefallen lassen. Er, ter Stegen, dessen Mannschaft das Spiel gewonnen hatte. 

Nicht weit entfernt stand Bernd Leno, die Nummer eins im Bayer-Tor. Er sah zwar etwas geknickt aus, weil die Gäste das Spiel noch so spät aus der Hand gegeben hatten. Und doch hatte Leno Grund zur Freude: Egal von wem er interviewt wurde, er erhielt überschwängliches Lob für seine Paraden.  

Zumindest aus Torhüter-Sicht war Verlierer Leno an diesem Abend der eindeutige Gewinner - zum Leidwesen von ter Stegen.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel