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VfL Borussia Moenchengladbach v Sevilla FC - UEFA Champions League
Lars Stindl (li.) und Raffael bilden bei Gladbach mittlerweile ein kongeniales Duo. © Getty Images

Mönchengladbach - Borussia Mönchengladbach hat nach dem ersten Sieg in der Königsklasse die Europa League im Blick. Der Höhenflug unter Trainer Schubert ist auch der von Lars Stindl.

Lars Stindl war es fast ein wenig peinlich.

Es schien beinahe so, als wolle sich der 27-Jährige am liebsten dafür entschuldigen, dass er im Mittelpunkt stand. Denn Stindl ist das Rampenlicht eher unangenehm.

Nach dem 4:2-Sieg von Borussia Mönchengladbach am vorletzten Spieltag der Champions League gegen den FC Sevilla wollte er von dem Wort Matchwinner nichts hören. Für einen, auf den die Beschreibung an diesem Abend jedoch perfekt passte, blieb er betont zurückhaltend, fast schon schüchtern.

„Natürlich weiß ich, dass ich doppelt getroffen habe und freue mich darüber, dass ich meinen Beitrag dazu leisten konnte. Das ist auch für mich etwas ganz Besonderes. Trotzdem glaube ich, dass die ganze Mannschaft eine gute Leistung gezeigt hat“, sagte er.

Tatsächlich hatte Stindl zum ersten Sieg Gladbachs in der Champions League überhaupt neben seinen zwei Toren auch noch die Vorlage zu Raffaels 3:0 beigesteuert und auch sonst ein überragendes Spiel abgeliefert.

Trotzdem sagte er nur: „Naja. Wir haben ein gutes Spiel gemacht und uns den Sieg erarbeitet. Wir sind sehr froh, dass wir endlich den ersten Dreier geholt haben." Wir. Nicht ich. (SERVICE: DATENANALYSE)

Längere Anlaufzeit

Dabei ist der Aufschwung in Gladbach, die Erfolgsserie und rasante Entwicklung unter Trainer Andre Schubert auch an Stindl festzumachen. Der Ex-Hannoveraner, im Sommer für den Schnäppchenpreis von drei Millionen Euro gekommen, benötigte eine etwas längere Anlaufzeit. Er kam zunächst nicht wirklich in Tritt, verlor sich ein wenig auf der Suche nach seiner Rolle.

Unter Ex-Coach Lucien Favre musste er durch die Mannschaft rotieren, spielte mal als Sechser, mal als Stürmer, mal auf den Flügeln und mal eher wenig. Stindl verlor, so schin es,  mit jedem Positionswechsel an Selbstvertrauen, stand teilweise, wie im Übrigen der Rest der Mannschaft auch, völlig neben sich.

Ideengeber auf der Neuneinhalb

„Ich weiß, dass es zu Beginn nicht ganz einfach war für mich. Das war aber nicht der Position geschuldet, sondern einfach meiner Leistung“, gab Stindl am Mittwoch zu. Inzwischen spielt er dauerhaft in der Spitze, harmoniert als Neuneinhalber, der zwischen den Linien spielt, perfekt mit  Raffael. Dabei ist er sowohl der erste Spieler, der den  Spielaufbau des Gegners stören soll, als auch Ideengeber im Spiel nach vorne.

Stindl geht weite Wege, antizipiert die Spielsituationen, überzeugt mit Spielverständnis und ist inzwischen der erhoffte Leistungsträger. Seine Bilanz: In 19 Pflichtspielen schoss er neun Tore und legte sechs weitere Treffer auf. „Ich bin froh, dass es jetzt so gut läuft. Insgesamt läuft es in der Truppe sehr gut, wir spielen eine sehr gute Rolle in der Liga und wollen jetzt unbedingt in die Europa League.“

Europa League wieder im Blick

Denn der Einzug in die UEFA Europa League ist nach dem zeitweise berauschenden Sieg gegen Sevilla inzwischen wieder zum Greifen nah. Auch wenn die Konstellation nicht ganz ohne ist. Denn sollte Sevilla das Heimspiel gegen Juventus Turin Anfang Dezember gewinnen, benötigt die Borussia parallel bei Manchester City schon einen Sieg, um Platz drei zu verteidigen.

Dass bei zwei Punkten Vorsprung ein Remis nicht reichen wird, lag an den beiden Gegentoren, durch die der direkte Vergleich gegen die Spanier verloren wurde. Der einzige Schönheitsfehler an diesem Abend, an dem die Gladbacher „wie die Wilden“ spielten, wie Schubert meinte.

„Stehe nicht mit leeren Händen da“

Er wollte sich den Sieg dann auch nicht madig machen lassen, reagierte leicht ungehalten auf die Nachfrage, ob es weh tue, dass man nun quasi ein bisschen mit leeren Händen dastehe. "Ich weiß nicht, ob es an unserer Gesellschaft liegt, dass wir immer etwas Negatives suchen. Ich stehe nicht mit leeren Händen da", sagte er.

Und schickte dann gleich eine Kampfansage nach England. „Wir wollen bei ManCity was reißen. Wenn man die Konstellation anschaut, haben wir es in der Hand. Es ist eine schwierige Aufgabe, aber Kloppo hat's ja vorgemacht." Jürgen Klopp hatte mit dem FC Liverpool zuletzt in der Premier League 4:1 in Manchester gewonnen.

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