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Turin und München - In München nicht gewollt, bei Juventus gefeiert. Sami Khedira reift in Turin zum Leistungsträger. Und ist gegen den FC Bayern ganz besonders motiviert.

Pep Guardiola liebt Mittelfeldspieler, Sami Khedira aber offenbar nicht.

Der Trainer des FC Bayern hätte im Sommer 2014 nur "ja" sagen müssen, als ihm die Münchner Bosse den frisch gekürten Weltmeister als Nachfolger von Toni Kroos auf dem Silbertablett servierten - doch der Spanier winkte ab.

Nun ist Khedira trotz Jungstar Paul Pogba Herzstück und Talisman bei Juventus Turin, wo die Bayern heute (ab 20.15 Uhr im LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im TICKER, ab 19.50 Uhr Thema im Bitburger Fantalk im TV auf SPORT1) zum Achtelfinal-Hinspiel der Champions League gastieren. (Die Achtelfinals im Überblick)

"Ich fühle mich in Klub und Stadt sehr, sehr wohl, ja richtig zuhause. Es ist mir sehr leicht gemacht worden, mich zu integrieren", sagt der 28-Jährige.

Aufschwung dank Khedira

Wobei: Er hat es der alten Dame ebenfalls leicht gemacht. Ohne den verletzten Khedira, der im vergangenen Sommer ablösefrei von Real Madrid zu Italiens Rekordmeister kam, tat sich Juventus zu Beginn der Saison schwer. Seit er dabei ist, läuft's.

"Das hat nicht viel mit meiner Person zu tun", sagt Khedira bescheiden und verweist auf die Abgänge der Stars Andrea Pirlo, Arturo Vidal und Carlos Tevez, die erst langsam kompensiert worden seien.

Trainer, Mitspieler und Medien sind aber sehr wohl der Meinung, dass Turins Aufschwung mit Khedira zusammenhängt.

Ritterschlag vom Trainer

"Ich halte Sami für einen ganz großen Spieler", sagt Coach Massimiliano Allegri. Khedira möge mitunter langsam wirken, aber das sei bei Pirlo früher genauso gewesen.

Wie der ehemalige Juve-Regisseur sei Khedira "umsichtig, er versteht es großartig, das Spiel zu lesen und zu animieren" - ein Vergleich wie ein Ritterschlag.

"Er macht sehr wenig Fehler, steht fast immer richtig. Wir sind froh, ihn zu haben", sagt Allegri.

Khedira hat "fünf Lungen"

Nebenmann Pogba nennt Khedira "unverzichtbar". Der Deutsche habe "fünf Lungen, er läuft für alle mit".

Die Gazzetta dello Sport sieht den 28-Jährigen als "Allegris Trumpf gegen den FC Bayern" und bezeichnet ihn als "Talisman".

In 16 Pflichtspielen mit Khedira gelangen Juve 14 Siege (zwei Remis; Punkteschnitt: 2,75), ohne ihn nur elf in 20 Begegnungen (fünf Niederlagen, vier Remis; Punkte: 1,85).

Entscheidendes Element gegen Bayern?

Der Corriere dello Sport verlieh ihm den Ehrentitel "Senator", den altgediente Haudegen wie Torhüter Gianluigi Buffon tragen, und schrieb: "Khedira giert nach Erfolgen und Trophäen. Seine Erfahrung und sein Charisma könnten gegen die Super-Bayern zum entscheidenden Element werden."

Beim 0:0 in Bologna am vergangenen Freitag wurde Khedira eigens geschont. Der ehemalige Profi des VfB Stuttgart fühlt sich geschmeichelt von all dem Lob.

"Bei Juve werden nicht nur die Stürmer und Künstler anerkannt", sagt er, das habe er "lange vermisst". Arturo Vidal, dem Khedira am Abend häufiger über den Weg laufen wird, hat sich bei SPORT1 ebenfalls voller Respekt gezeigt: "Khedira ist ein sehr guter Spieler, der mittlerweile kontinuierlich spielt und sogar Tore erzielt. Er wird auch physisch immer stärker, weshalb es im Mittelfeld schwierig werden wird, gegen ihn zu spielen."

Medizinische Unterstützung aus München

In Madrid, der Stadt von Zauberfüßchen Cristiano Ronaldo, war das anders. In Turin schätzen sie neben Khediras strategischen Fähigkeiten und seinem Vorwärtsdrang (drei Tore, drei Assists) seinen unbändigen Willen.

Muskelfaserriss, Oberschenkelprobleme, Adduktorenverletzung - er kam immer stark zurück. "Der Spieler hat ein Wunder vollbracht", schrieb die Gazzetta nach dem jüngsten Comeback.

Hilfe bekam er dabei ausgerechnet aus München, vom langjährigen FCB-Doc Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt.

Offene Rechnung mit dem FCB

"Das ist natürlich ein schönes Thema", sagt Khedira, "aber das mache ich schon seit zehn Jahren." Eine Rechnung habe er aber schon noch offen mit den Bayern. 2012, erinnert er sich, "bin ich mit Real relativ bitter im Elfmeterschießen ausgeschieden".

Die Münchner, meint er respektvoll, hätten "eine der besten Mannschaften auf diesem Planeten, das ist kein Geheimnis".

Aber Angst? "Wir sind auch eine Mannschaft, die für solche Spiele gemacht ist." Vor allem er.

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