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Das Rückspiel gegen Juventus könnte bereits über die Bewertung seiner Zeit bei den Bayern entscheiden. Damit könne er umgehen, meint Guardiola - und nennt andere Sorgen.

Pep Guardiola wirkte ungewohnt entspannt. Einen Tag vor dem Spiel, das womöglich schon endgültig über die Bewertung seiner Amtszeit bei den Bayern entscheiden könnte.

Ob es ein harter Tag werden würde für ihn am Mittwoch, wurde Pep Guardiola vor dem Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Juventus Turin (ab 20.15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) gefragt.

"Ich liebe meinen Beruf, aber ich hasse diese Situation", sagte Guardiola. Was er meinte, war aber nicht die Tatsache, dass seine letzte Chance auf einen Champions-League-Titel mit den Bayern nach dem 2:2 in Turin auf der Kippe steht.

Vielmehr fürchtete sich Guardiola vor der Pflicht, einigen seiner Spieler sagen zu müssen, dass sie nicht von Anfang an spielen werden. Besonders im offensiven Mittelfeld dürfte es Härtefälle geben: Douglas Costa, Arjen Robben und Mario Götze droht die Bank. "Ich habe viel über dieses Thema nachgedacht, aber ich habe keine Lösung gefunden", sagte Guardiola.

"Ich kann mit diesem Druck leben"

Die für Außenstehende viel größer wirkende Last, den Henkelpott nach 2013 mal wieder nach München holen zu wollen, ja fast zu müssen, spielte Guardiola dagegen gekonnt herunter.

"Ich weiß, was passiert, wenn wir nicht die Champions League gewinnen", sagte Guardiola zwar, betonte aber auch: "Ich kann mit diesem Druck leben."

Guardiola auskunftsfreudig

War Guardiola in den letzten Wochen auf Pressekonferenzen des Öfteren eher genervt aufgetreten und meist knapp in seinen Antworten geblieben, so präsentierte er sich am Dienstagnachmittag im Bauch der Allianz Arena auskunftsfreudig, insbesondere auch den italienischen Medienvertretern gegenüber.

"Ein Champions-League-Spiel hat mich nie besorgt", erklärte der 45-Jährige seine Gefühlslage in bestem Italienisch. Es sei vielmehr "ein Privileg" bei einem Champions-League-Spiel dabei zu sein, ein Duell zweier so großer Mannschaften "aus nächster Nähe mitzuerleben".

Was natürlich nicht heißt, dass Guardiola mit einem lockeren Weiterkommen rechnet. Schließlich sei Juve nicht nur eine starke Mannschaft, sondern auch schwer auszurechnen. Entgegen der weit verbreiteten Meinung über italienische Teams könne der Meister der Serie A nämlich nicht nur verteidigen, sondern "auch angreifen, auf Ballbesitz spielen".

Bewunderung für Juventus

Dass es in der Münchner Arena dazu kommt, ist angesichts der Heimstärke der Bayern jedoch nicht zu erwarten: 5:0 gegen Dinamo Zagreb, 5:1 gegen den FC Arsenal, 4:0 gegen Olympiakos Piräus - so die bisherigen Heimspiel-Ergebnisse in dieser Champions-League-Saison.

Und so wird Guardiola wohl am eigenen Leibe jene Qualität erfahren, die er selbst zwar innerlich verabscheut, die ihn gleichzeitig bei den Turinern aber am meisten beeindruckt. "Ich bewundere ihre Defensivstärke", sagte der Bayern-Coach, "ich mag es zwar nicht, aber ich bewundere es".

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Klingt alles, als freue sich da einer tatsächlich auf einen besonders schönen Fußballabend - wäre da nicht die lästige Pflicht, einige seiner heißgeliebten Schützlinge auf die Bank oder gar die Tribüne setzen zu müssen.

Wunsch wurde erfüllt

Aber selbst der konnte Guardiola dann doch noch etwas Positives abgewinnen. "Wir haben alle Spieler dabei, wir stehen besser da als letztes Jahr mit den ganzen Verletzungen", betonte er.

Es war nach dem bitteren Halbfinal-Aus im Vorjahr gegen den FC Barcelona sein großer Wunsch gewesen, mit allen Spielern in die entscheidende Saisonphase gehen zu können. Dieser Wunsch wurde ihm schon einmal erfüllt. Lediglich die schon länger ausfallenden Defensiv-Asse Jerome Boateng und Javi Martinez fehlen.

Ob Guardiola vor seinem Abschied Richtung Manchester auch den Bayern-Fans ihren größten Wunsch erfüllen kann und vielleicht sogar das Triple nach München holt - darüber soll im Rückspiel gegen Juventus möglichst noch keine Entscheidung fallen.

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