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Pep Guardiola bewies gegen Juventus, dass er durchaus über einen Plan B verfügt
Pep Guardiola bewies gegen Juventus, dass er durchaus über einen Plan B verfügt © Getty Images

Mit den Einwechslungen von Kingsley Coman und Thiago korrigiert Bayern-Coach Pep Guardiola gegen Juventus seine misslungene Ausrichtung. Für Erstere setzt es Kritik.

Der Drops war quasi gelutscht - die Ära Pep Guardiola beim FC Bayern schien jäh beendet:

Die Nachspielzeit lief bereits seit einer Minute. Juventus Turin war in Ballbesitz, der FC Bayern im Achtelfinale der Champions League beim Stand von 1:2  eigentlich ausgeschieden.

Dann sorgten die Joker doch noch für ein irres Happy End der Münchner.

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Weil Arturo Vidal den Italienern erfolgreich dazwischenfunkte, rechts rausspielte auf den eingewechselten Kingsley Coman. Dessen Flanke erst Thomas Müllers Kopf fand und von dort den Weg zum 2:2 ins Tor.

Guardiolas glückliches Händchen

Der Rest ist bekannt: Verlängerung, zwei weitere Treffer, Abpfiff, Jubel, Weiterkommen - eben der echte Bayern-Wahnsinn! 

Überhaupt erst möglich wurde er durch die von der Bank gebrachten Coman und Thiago. Und Guardiolas glückliches Händchen bei den Wechseln, nachdem sich der Trainer mit seiner Startformation gehörig verzockt hatte.

Rückblende: 0:2-Rückstand noch in der 73. Minute, das Aus in der Königsklasse ganz nah - und damit auch Guardiola bei seiner Triple-Mission vor seinem Abgang zum Saisonende kolossal gescheitert. 

Doch das drohende Fiasko mutierte noch zum Wunder. "Unsere Bank war wieder sensationell. Die eingewechselten Spieler haben einen überragenden Job gemacht", sagte Philipp Lahm hinterher.

Rummenigge: "Das sind Herzfrequenz-Spiele"

Nachdem Coman, nach einer Stunde für den schwachen Xabi Alonso gekommen, schon durch einen Ballgewinn vor Robert Lewandowskis 1:2 (73.) die irre Aufholjagd eingeleitet und am Ende auch noch selbst zum 4:2 getroffen hatte (110.).

Und nachdem Thiago, gerade mal sieben Minuten im Match, mit dem dritten wie sehenswerten Bayern-Treffer im Zusammenspiel mit Müller die Vorentscheidung gelungen war (108.).

"Das sind Herzfrequenz-Spiele. Die Mannschaft hat großen Charakter gezeigt. Solche Spiele schweißen eine Mannschaft zusammen", sagte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge nach dem Thriller.

Dessen Drehbuch garnierte der Doppelschlag der beiden Matchwinner Coman und Thiago.

Coman überragender Vorbereiter

War es Zufall oder zwangsläufig? Die Antwort darauf liegt wohl irgendwo dazwischen. Schon am Wochenende beim 5:0 gegen Werder Bremen hatte Coman überragend gespielt, gleich drei Tore vorbereitet.

Doch ausgerechnet im Spiel gegen die "Alte Dame" Juve, von der der 19-Jährige im Sommer zunächst auf Leihbasis für zwei Jahre zu den Bayern kam (Kaufoption über 25 Millionen Euro), saß er anstelle des schwachen Franck Ribery zunächst lange auf der Bank.

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Eine falsche Entscheidung - wie auch im Fall Thiago.

Guardiolas Lieblingsschüler, wenn gesund bislang nur in einem einzigen Champions-League-Spiel auf der Bank (3:1 bei ZSKA Moskau am 27. November 2013), hatte gegen Bremen nicht nur nach zwei Jahren mal wieder in der Bundesliga getroffen, sondern dabei zugleich seinen ersten Doppelpack geschnürt.

Kahn kritisiert Guardiolas Personalentscheidungen

Ironie des Schicksals, dass sein Lehrmeister ("Ein großes Kompliment an meine Spieler") ihn gegen Juve am Ende am Ende doch noch brachte - und damit das mitentscheidende personelle Puzzleteil zum Weiterkommen legte.

"Am Ende sind Guardiolas Wechsel spielentscheidend", schrieb Tuttosport. Doch trotz des Happy Ends: Ex-Bayern-Profi Oliver Kahn sah des Trainers Entscheidungen auch kritisch.

"Ich hab's einfach nicht verstanden. Ein Spieler wie Coman, der von Juventus Turin kommt und jetzt gegen Juventus spielt, der brennt ja auf den Einsatz. Ich verstehe nicht, warum ihn nicht von Anfang an bringt", monierte der früherer Weltklassetorhüter im ZDF.

Kahn ergänzte: "Auch bei Thiago kann man die Frage stellen: Warum sitzt der auf der Bank?“

Im Viertelfinale sollte Guardiola sein Glück vielleicht nicht überstrapazieren.  

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