vergrößernverkleinern
Karl-Heinz Rummenigge bekommt für seine Pläne Kontra aus dem Fanblock © SPORT1-Grafik / Getty Images

München - Setzliste, Wildcards oder Superliga – Karl-Heinz Rummenigge will den Spitzenfußball wirtschaftlich berechenbarer machen. Von den Anhängern des eigenen Vereins bekommt er nun heftigen Gegenwind.

Sollte jemand noch auf der Suche nach Argumenten gegen Setzlisten, Wildcards oder exklusive Superligen für die glänzendsten der Bling-Bling-Klubs gewesen sein, dem hätten am Dienstag beim Viertelfinalhinspiel des FC Bayern gegen Benfica Lissabon in der Champions League ein paar Blicke auf den Rasen genügt. 

Dank einer couragierten und taktisch sehr disziplinierten Mannschaftsleistung brachten die Spieler von Benfica die großen Bayern fast in die Bredouille. Das 1:0 der Münchner war sicherlich nicht unverdient, wäre aber ein Unentschieden oder gar ein knapper Auswärtssieg der Portugiesen herausgesprungen, hätte sich keiner beschweren können.

Video

Das Spiel war beste Werbung für die ehrenwerten, alten Ideen des Sports. 

Rummenigge: "Bin auch ein Fußball-Romantiker"

Die Idee hinter Setzlisten oder Wildcards für die Spitzenklubs ist ja auch, dass in der Endphase des wichtigsten Wettbewerbs nur noch die absoluten Spitzenklubs um Ruhm und die großen Geldtöpfe kämpfen. Mit Benfica wollen sich die Granden von Barcelona, Real Madrid, Bayern oder Juventus, so scheint’s, dann nicht mehr auseinandersetzen. 

"Geld spielt in dieser Fußball-Welt eine bedeutende Rolle. Ich bin auch ein Fußball-Romantiker. Aber nur Romantik finanziert keine Mannschaft", sagte Bayerns Vorstandvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge im Herbst 2015 bei der Jahreshauptversammlung des FC Bayern. 

Also möchte man mehr Geld vom Fernsehen, bei der laufenden Ausschreibung für die Bundesligarechte soll die Milliardengrenze fallen. Also denkt man über eine Superliga nach für die Spitzenklubs oberhalb der Champions League. Oder zumindest über eine Setzliste, wie sie Rummenigge nach dem nach dem Achtelfinale gegen Juventus gefordert hat. Oder über Wildcards für namhafte Klubs, die sich sportlich nicht für die Champions League qualifizieren konnten. Diese Überlegung brachte Barcelonas Präsident Josep Bartomeu ins Spiel.

Video

Bayern-Fans äußern Unmut

Es geht um Geld, klar. Es geht um noch mehr Macht, vielleicht auch Allmacht für die ohnehin schon Mächtigsten. Aber man bekommt irgendwie auch den Eindruck, dass da ein kleiner elitärer Kreis von Funktionären langsam zu vergessen scheint, dass zu einem Spiel eben auch Niederlagen gehören.

Niederlagen werden nicht mehr nur, so wie früher, als Majestätsbeleidigung empfunden. Sondern sollen quasi gesetzlich verboten werden. Zumindest, wenn die potentiellen Besieger nicht aus dem elitären Kreis stammen.

"Rummenigge will ein Halbfinale mit den Klubs, von denen er glaubt, sie würden den Fußball beherrschen. So wird es wohl auch kommen. Aber der Fußball gehört nicht den acht großen Klubs Europas. Der Fußball gehört allen und so muss es auch sein", sagte Miguel Angel Gil Marin, der Chef von Atletico Madrid, am Dienstag nach dem 1:2 gegen Barcelona. Eine Verschwörungstheorie, sicher. Aber vielleicht ja doch mit einem wahren Kern?

Ähnliches wie Gil scheinen auch die Bayernfans zu befürchten, die in der ersten Halbzeit des Spiels gegen Benfica ihre Banner enthüllten, die sich klar gegen die Pläne und vermuteten Gedankenspiele des Vorstandsvorsitzenden richteten.

Fans zitieren Vereinssatzung von 1925

"Sportlicher Geist muss alle beseelen, die sich Bayern nennen - Setzliste? Wildcard? Superliga? Hörts auf mit dem Schmarrn!“, stand da. Der erste Satz war ein Zitat aus der Vereinssatzung von 1925, als mit Fußball noch nicht wirklich Geld zu verdienen war. Als sich wahrscheinlich noch niemand vorstellen konnte, dass fast ein Jahrhundert später ein Begriff wie Fußball-Romantik überhaupt existieren würde.

Sicher stehen nicht alle Fans des FC Bayern hinter diesem schriftlichen Protest gegen die Ideen Rummenigges, noch nicht einmal die gesamte Südkurve. Doch es war nun schon das zweite Mal innerhalb weniger Tage, dass die Anhänger ihren Unmut geäußert haben. Schon am Samstag während des ebenfalls mühsamen 1:0 gegen Frankfurt hatten sie mit Bannern gegen eine weitere Verstückelung der Spieltage protestiert.

Am Dienstag wollte Rummenigge sich nicht äußern zum neuerlichen Fan-Protest, er verließ nach einem Besuch in der Kabine das Stadion kommentarlos. Auch am Mittwoch ließ er auf SPORT1-Anfrage ausrichten, dass es zu der Thematik von ihm keinen Kommentar geben werde.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel