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Lissabon - Nach vielen Verletzungssorgen ist Javi Martinez beim FC Bayern zurück - auf ungewohnter Position als Libero. Bei Benfica soll er seinen Ruf als Sieggarant bestätigen.

Zur Erinnerung: Javi Martinez ist noch immer der teuerste Spieler, der je zu einem deutschen Verein gewechselt ist. Die Marke von 40 Millionen Euro, die der FC Bayern München 2012 nach zähem Ringen nach Bilbao überwiesen hat, dürfte diesen Sommer zwar fallen, bis dahin darf Martinez aber noch immer das Label Rekordspieler mit sich herumtragen.

Negativ beeinflusst hat ihn das nicht. Das haben, wenn überhaupt, nur seine vielen Verletzungen.

Von den 205 Spielen, die der FC Bayern seit Martinez' Ankunft vor dem Viertelfinal-Rückspiel bei Benfica Lissabon am Mittwoch (LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) gemacht hat, konnte der Baske 101 Partien absolvieren. Zuletzt fehlte er 51 Tage wegen eines Meniskus-Schadens.

Martinez gibt den Libero

Nun ist Martinez aber wieder fit - und gleich wieder gefragt.

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Beim recht mühsamen 3:1 in Stuttgart am Samstag gab er innerhalb einer Dreierkette in der Abwehr, flankiert von David Alaba und Joshua Kimmich, den Libero. Nicht etwa einen dieser modernen, verkappten Liberos, die bei jeder Gelegenheit ins Mittelfeld vorrücken, sondern einen echten stabilisierenden letzten Mann, der die Mannschaft von hinten zusammenhält, dirigiert, auch mal das Spieltempo vorgibt, und hin und wieder weite Pässe spielt.

Der Allerschnellste war er schließlich noch nie, dafür aber das, was man rund um den FC Bayern gerne ein Mentalitätsmonster nennt.

Martinez: "Wir wollen gewinnen"

"Er hat eine große Mentalität, er kann auch mit Schmerzen spielen und nicht in Top-Verfassung. Er kann wahrscheinlich auch mit nur einem Bein spielen", sagte Trainer Pep Guardiola zuletzt über ihn. Und weil das Bild vom einbeinigen Martinez zwar reichlich schief, aber irgendwie auch herrlich ist, wiederholte es Sportvorstand Matthias Sammer am Montag gleich noch einmal.

Derzeit verfügt der Baske, wenn man genau hinguckt, aber nicht nur generell über zwei Beine, sie sind auch richtig funktionsfähig. Es gibt für Guardiola also eigentlich keinen Grund, in Lissabon auf ihn zu verzichten.

"Wir fahren nicht nach Lissabon, um irgendein Unentschieden zu spielen. Wir wollen gewinnen", diktierte der zweibeinige Martinez den Reportern vor dem Abflug nach Lissabon in sehr passablem Deutsch.

Statistik spricht für Sieggarant Martinez

Dazu passt auch eine Statistik. Mit Martinez auf dem Feld hat Bayern 83 Prozent seiner Spiele gewonnen, sieben Prozent waren Unentschieden. Ohne ihn waren es 73 Prozent gewonnene Spiele und elf Prozent endeten Remis. Javi, der Sieggarant.

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"Die Mentalität von jedem bei Bayern sollte sein, immer alles gewinnen zu wollen", sagte er. Das Wie scheint ihm dabei recht egal zu sein. "Fans und Spieler sind verrückt nach 3:0- oder 4:0-Siegen. Aber das geht nicht immer. In dieser Saisonphase ist das Wichtigste, einfach zu gewinnen."

Martinez' Rückkehr verleiht den Bayern, die in der Not die gar nicht mal so üble Zwergenverteidigung mit den gelernten Mittelfeldspielern Alaba und Kimmich fast schon perfektioniert haben, zudem mehr Stabilität. Aber eben auch: eine größere Flexibilität.

Mehr Flexibilität für Guardiola

Benfica muss im eigenen Estadio da Luz das Spiel machen, für die wackeren Portugiesen gilt es, den 0:1-Rückstand aus dem Hinspiel wettzumachen.

FC Bayern Muenchen  v  SL Benfica - UEFA Champions League Quarter Final: First Leg
Arturo Vidals Treffer im Hinspiel beschert dem FC Bayern eine gute Ausgangslage fürs Rückspiel in Lissabon © Getty Images

Bayern kann zunächst etwas zurückhaltender und abwartender spielen als sonst. Guardiola könnte somit zunächst wieder auf ein 3-4-3 setzen, in dem Philipp Lahm und Juan Bernat sich bei Bedarf zusätzlich in die Verteidigung zurückfallen lassen können.

Sollten die Münchner im Lauf des Spiels doch mehr Druck machen wollen oder gar müssen, könnte Guardiola den Dreier- oder Fünferverbund hinten mit wenigen Handgriffen zu einer Viererkette umbauen. Alaba würde nach links rücken, Lahm nach rechts. Oder Bernat nach links, Alaba und Kimmich blieben Innenverteidiger und Martinez würde als einzige Absicherung ins Mittelfeld aufrücken. 

Vom 3-4-3 zum 4-1-4-1 innerhalb weniger Sekunden.

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