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Mailand - Toni Kroos zeigt im Finale der Champions League für Real Madrid eine starke Leistung, wird aber ausgewechselt. Die Maßnahmen von Trainer Zidane bezeichnet er als Risiko.

Schon im Morgengrauen präsentierten die Helden von Real Madrid ihren Fans in der Heimat den begehrten Henkelpott.

Nach dem 6:4-Sieg im Elfmeter-Krimi gegen Stadtrivale Atletico war die Mannschaft noch in der Nacht zurück in die spanische Hauptstadt geflogen.

Vom Flughafen Barajas ging es über das Bernabeu-Stadion zur Plaza Cibeles. Mittendrin im Jubel und Trubel ein müder, aber überglücklicher Toni Kroos.

Kroos-Auswechslung sorgt für Bruch

Dabei hätte die Geschichte ganz anders ausgehen können. Ausgerechnet die Personalie Kroos wäre für Real an jenem denkwürdigen Final-Abend im Stadion San Siro von Mailand beinahe zum Stolperstein geworden.

Denn Trainer Zinedine Zidane hatte den bis dahin stark aufspielenden Kroos in der 72. Minute überraschend vom Feld genommen.

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Es folgte der prompte Ausgleich, Real glitt die Begegnung ohne den deutschen Weltmeister mehr und mehr aus der Hand.

"Der Trainer wollte wohl etwas Frisches bringen"

Kroos selbst zeigte später durchaus Verwunderung über seine Auswechslung.

"Ich hatte keine Probleme. Ich denke auch, dass ich ein ordentliches Spiel gemacht habe. Der Trainer wollte wohl etwas Frisches bringen, um den Vorsprung über die Zeit zu bringen", erklärte der 26-Jährige.

Ein "ordentliches Spiel", diese Einschätzung war - typisch für Kroos - untertrieben. Im linken Mittelfeld überragte er einmal mehr als ballsichere Passmaschine. Reals 1:0 durch Ramos nach einer Viertelstunde - wenn auch aus einer Abseitsposition erzielt - bereitete Kroos mit einer Freistoßhereingabe vor.

Ohne Kroos war ein Bruch in Reals Spiel deutlich zu spüren.

Zidane lässt keine Kritik zu

Zidane hatte nicht nur Kroos vom Feld genommen, sondern sein Auswechselkontingent bereits früh erschöpft.

Auf die Frage, ob das ein Risiko war, antwortete Kroos: "Das lass' ich so stehen."

Die Folge war, dass sich ein Gareth Bale mit Krämpfen durch die Verlängerung schleppte. Auch der nach Oberschenkelproblemen sichtlich nicht fitte Superstar Cristiano Ronaldo war am Ende seiner Kräfte.

Doch Zidane wollte von Kritik nichts wissen, behauptete sogar: "Wir hatten keine verletzten oder angeschlagenen Spieler auf dem Platz."

Kroos stuft Real-Triumph höher ein

Der Triumph gibt dem Franzosen Recht. Ronaldo verwandelte den entscheidenden Elfmeter.

Und Zidane schrieb nur fünf Monate nach seiner Amtsübernahme bei Real Geschichte. Er ist der Erste, der in der Champions-League-Ära den Titel als Spieler und Trainer mit ein und demselben Klub gewonnen hat.

Historisch war der Abend in Mailand auch für Kroos. Er ist der erste deutsche Fußballprofi, der mit zwei verschiedenen Klubs die Champions League gewonnen hat.

Den aktuellen Triumph stuft er höher ein als den Sieg 2013 mit Bayern München, da er damals im Endspiel gegen Borussia Dortmund verletzt zuschauen musste.

Schwung mit in die EM nehmen

Den Sieg mit Real will Kroos erstmal in vollen Zügen genießen, bevor er zum Trainingslager des DFB-Teams in Ascona dazu stößt.

"Ich brauche jetzt schon ein, zwei Tage. Joachim Löw weiß Bescheid. Ich bin ja fit, auf ein Training kann ich ruhig verzichten", sagte Kroos.

Löw darf sich auf einen selbstbewussten Kroos freuen.

"Ich bin in sehr guter Verfassung und hoffe, dass ich diese Form in die EM mit rein nehmen kann", sagte der Mittelfeldstratege: "Lust habe ich definitiv."

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