vergrößernverkleinern
Der FC Bayern besiegte die PSV Eindhoven klar - zerstreute aber nicht alle Sorgen
Der FC Bayern besiegte die PSV Eindhoven klar - zerstreute aber nicht alle Sorgen © Getty Images

München - Vieles besser beim FC Bayern, aber nicht alles: SPORT1 erklärt, was Carlo Ancelotti beim Sieg gegen Eindhoven verbessert hat - und welche Probleme bleiben.

Krise? Welche Krise?

Diese Wortkombination ist geflügelt, seit die Band Supertramp 1975 ein Album so nannte. Nach dem 4:1-Sieg des FC Bayern München gegen die PSV Eindhoven in der Champions League am Mittwochabend kam sie oft zur Anwendung.

Video

Der erste Dreier nach drei sieglosen Pflichtspielen und Auftritten, wie man sie in den vergangenen Jahren nicht mehr gewohnt war beim Rekordmeister.

Der klare Erfolg gegen die Niederländer war darauf eine gute Antwort - wenn auch keine ganz vollständige.

SPORT1 erklärt, woran Trainer Carlo Ancelotti erfolgreich gearbeitet hat und wo Probleme bleiben.

POSITIV:

- Die Einstellung:

"Wir müssen unsere Haltung wechseln, keine Spieler", hatte Ancelotti nach dem 2:2 in Frankfurt erklärt.

Indem er der Mannschaft in der Nacht vor der Partie gegen Eindhoven erstmals eine gemeinsame Hotel-Übernachtung verordnete, unterstrich der Coach seinen Appell an die Einstellung.

Video

Er wurde erhört: Gegen Eindhoven präsentierten sich die Bayern hungrig von der ersten Minute an, waren zweikampfstark, übten Dauerdruck auf das gegnerische Tor aus. Der FC Bayern sollte auch für Karl-Heinz Rummenigge wieder eindeutig als FC Bayern erkennbar gewesen sein.

Ancelotti, der Skeptikern als etwas zu nachsichtig mit seinen Spielern gilt, hat demonstriert, dass er ihnen sehr wohl vermitteln kann, wann es ernst wird. Wobei der Fokus nicht über die vollen 90 Minuten auf scharf blieb - siehe unten.

- Der Offensiv-Fluss:

Thomas Müller trifft wieder, Robert Lewandowski auch - zwei beruhigende Nachrichten, die damit zu tun hatten, dass das Münchener Offensivspiel gegen Eindhoven mehr Hand und Fuß hatte als in den vergangenen Spielen.

Die Bayern sorgten für viel Bewegung, Müller und der überragende Arjen Robben rückten oft in die Mitte, was wiederum David Alaba und Joshua Kimmich Raum gab, links und rechts zusätzliche Unruhe zu stiften. Deutlich variabler, deutlich besser koordiniert traten die Münchner auf, begünstigt durch eine schwache Eindhovener Abwehr, die teils paradiesisch weite Räume offen ließ.

NEGATIV:

- Die Defensive hakt weiter:

Mehr als eine halbe Stunde lang kamen die überrollten Eindhovener zu keinem einzigen Torschuss, dann aber war zu merken, dass gegen die bayerische Abwehr doch etwas zu holen war.

Die Münchner luden die PSV immer mal wieder zu unverhofften Großchancen ein. Beim Gegentor durch Luciano Narsingh etwa war der sonst verbesserte Alaba nicht schnell genug auf dem Posten, auch der Rest der Viererkette leistete sich wiederholte Konzentrationsschwächen und Abstimmungsfehler. Nicht zuletzt auch der von Eindhoven in Manndeckung genommene Philipp Lahm, der diverse Fehlpässe spielte und Zweikämpfe verlor.

Gegen einen stärkeren Gegner würde sich das alles zu einem größeren Problem summieren.

- Problemzone Zentrum:

Xabi Alonso konnte im Mittelfeld-Zentrum nichts gegen den Eindruck unternehmen, dass das fortschreitende Alter sein Niveau drückt. Als die Eindhovener offensiv zu sich fanden, war er oft zu langsam, um Einhalt zu gebieten.

Der bald 35-Jährige, der beim Champions-League-Gewinn von Real Madrid 2014 eine Schlüsselrolle im System Ancelotti spielte, scheint nicht mehr in der Lage zu sein, diese Rolle zu erfüllen.

Auch Alonsos Landsmann und Mittelfeldpartner Thiago hinterlässt weiter Fragezeichen: Sein Gesamtauftritt war zwar einer der besseren Sorte, beim Gegentor war er aber auch Teil der Fehlerkette.

Wirklich wetterfest wirkt das spanische Zentralduo nicht, eine zweikampfstärkere Alternative wie Arturo Vidal oder Javi Martinez würde mehr Sicherheit ausstrahlen, auch und gerade nach hinten auf die Viererkette.

Das Strukturproblem, dass den Bayern derzeit ein sowohl ordnender als auch allzeit verlässlicher Ruhepol in der Mitte fehlt, bleibt allerdings ungelöst.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel