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Dortmund - Mit der Suspendierung von Dortmunds Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang hat Thomas Tuchel ein Zeichen gesetzt - nach außen und innen. SPORT1 analysiert die Hintergründe.

In der 83. Minute machte sich Pierre-Emerick Aubameyang auf den Weg aus dem Stadion. Borussia Dortmunds Stürmer erlebte den Schlusspfiff beim 1:0-Sieg seines BVB gegen Sporting Lissabon und den vorzeitigen Einzug ins Champions-League-Achtelfinale in seinem Sportwagen.

Trotz des goldenen Tores durch Aubameyang-Ersatz Adrian Ramos gab es ein vorherrschendes Thema: Die Disziplinarmaßnahme gegen den Gabuner, den BVB-Coach Thomas Tuchel bereits einen Tag vor dem Spiel aus dem Kader gestrichen hatte.

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"Interne Gründe", gaben die Verantwortlichen unisono für die nach außen hin überraschende Nicht-Nominierung an.

SPORT1 analysiert, was die Suspendierung bedeutet.

- Für Aubameyang selbst

Der extrovertierte Torjäger ist erwiesenermaßen einer der Spaßvögel im Team. Tuchels Suspendierung bedeutet jedoch auch für den 27-Jährigen: Es gibt keine Extrawürste, jeder wird gleich behandelt.

Gerüchtehalber soll ein Kurztrip nach Italien am Montag die Ursache für die Maßnahme des Coaches gewesen sein. Andere sagen, der gabunische Nationalspieler habe mit dem Trainer eine Diskussion zum Thema Rotation vom Zaun gebrochen. Wieder andere, Aubameyang habe in der Mannschaftssitzung das Handyverbot missachtet.

Was wirklich passiert ist, darüber schweigen sich die Beteiligten aus. Wie es auch war: Tuchel sendet die klare Botschaft, dass er keine Extravaganzen duldet - nicht nur bei Aubameyang, sondern bei keinem seiner Spieler. Der Denkzettel dürfte angekommen sein.

- Für den Trainer

Thomas Tuchel geht aus dieser Episode gestärkt hervor. Manch Außenstehender mag über den Verlauf der Geschehnisse schmunzeln, über das vom Zeugwart fälschlich aufgehängte Trikot, über den Instagram-Post von Aubameyangs Bruder aus einem Restaurant am Spieltag, über "Aubas" coolen Tribünenauftritt mit Hut.

Ernsthaft betrachtet hat der BVB-Coach damit aber nochmals unterstrichen: Ich bin hier der starke Mann - und wer bei mir nicht mitzieht, der hat ein Problem. Indem er knallhart durchgegriffen und Härte gezeigt hat, hat der 43-Jährige auch sein Profil geschärft.

Was nicht ohne Risiko war. Wäre diese vorentscheidende Partie nicht zugunsten der Borussia ausgegangen, hätte Tuchel reichlich Kritik für den Verzicht auf seinen Stürmer Nummer eins einstecken müssen. So steht er zweifelsfrei als Gewinner da. (Tabellen der Champions League)

- Für die Mannschaft

Die Verbannung auf die Tribüne war auch ein klares Signal ans Team. Niemand ist unantastbar. Nur wer sich an die Regeln hält, hat auch eine Chance auf Einsatzzeiten. Mit dieser Forderung sensibilisiert der Trainer die gesamte Mannschaft.

Keiner kann sich seiner Rolle sicher fühlen, Stammplatzgarantien gibt es nicht. So schärft Tuchel die Sinne seiner Spieler. Das kann vor dem Auswärtsspiel beim Hamburger SV (Sa., ab 15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER), der in der jüngeren Vergangenheit zum BVB-Angstgegner avancierte, noch einmal ein weiteres Zeichen gewesen sein.

Dass über die Geschehnisse auch von Teamseite nichts nach außen dringt, stärkt gleichzeitig den Zusammenhalt. Wie Tuchel, Sportdirektor Zorc, Geschäftsführer Watzke und die Spieler eine klare Linie des Nicht-Sagens bildeten, war durchaus bemerkenswert.

Der verhängte "Maulkorb" hat psychologisch den Effekt eines gemeinsamen Geheimnisses und eines verschworenen Haufens. Das mag Tuchel vordergründig nicht im Sinn gehabt haben, ist aber ein nützlicher Nebeneffekt.

- Für Aubameyang-Interessenten

Viele große Vereine aus Europa haben ein Auge auf Dortmunds besten Torschützen geworfen, von Real Madrid bis Manchester City.

Durch seine Suspendierung lässt er mögliche Interessenten aufhorchen: Ist dieser superschnelle Angreifer vielleicht gar kein so einfacher Typ? Holen wir uns mit ihm womöglich disziplinarische Probleme ins Haus? Diese und ähnliche Fragen schwingen da mit.

Der Dämpfer darf als Warnung verstanden werden. Und er kann zum Faustpfand werden, wenn es darum geht, dass der begehrte Torjäger seinen Vertrag bis 2020 nicht allzu vorzeitig auflöst, vielleicht sogar erfüllt.

- Für die nächsten Wochen

Kein Durchatmen, kein Lockerlassen, keine Ausrutscher abseits des Sportlichen, stattdessen volle Fokussierung auf das nächste Ziel: Nach dem Erreichen des Achtelfinals in der Königsklasse ist das die Aufholjagd in der Bundesliga. (Spielplan und Ergebnisse der Champions League)

Das Team hat außerdem die Erkenntnis gewonnen, von Aubameyang nicht abhängig zu sein. Das lässt den einen oder anderen die bevorstehenden Aufgaben ungezwungener angehen.

Siegtorschütze Adrian Ramos erzielte in seinem siebten Champions-League-Spiel für den BVB seinen vierten Treffer - diese Bilanz gibt nicht nur Ramos Selbstvertrauen, sondern stärkt auch den Glauben seiner Mitspieler an ihren Top-Joker.

Die vertane Chance seines Kollegen hat der Kolumbianer eiskalt genutzt.

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