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Pep Guardiola soll bei Manchester City weit mehr als nur Chefcoach sein © SPORT1-Grafik: Getty Images/Marc Tirl

London - Pep Guardiola soll bei Manchester City eine ähnliche Machtfülle bekommen wie einst in Barcelona. Die Citizens verfolgen damit einen langfristigen Plan.

Es gibt Trainer, die Mannschaften nach vorne bringen - und solche, die einen ganzen Verein um- beziehungsweise ausbauen.

Pep Guardiola, der sich in München weitestgehend auf die Arbeit mit dem Bundesligateam beschränkte, soll bei Manchester City, wie schon in Barcelona, wieder Chefcoach und Jugendförderer in Personalunion sein.

Denn Klubchef Khaldoon Al Mubarak erwartet weit mehr als Titel: Guardiola soll die erste Mannschaft so durchlässig für Youngster machen, dass bis 2021 die Hälfte des Premier-League-Kaders mit Eigengewächsen gefüllt wird.

"Pep liebt es, junge Spieler mit großem Talent zu entdecken", sagte Khaldoon im Juni der Manchester Evening News. "Er findet diese Talente, fördert sie, bis sie sich in Spieler für die erste Mannschaft entwickeln. Pep hat ein Gefühl für junge Spieler. Auch deswegen wollten wir ihn unbedingt."

Das ambitionierte Ziel ist nicht rein altruistischer Natur.

ManCitys katalanische Führungsriege, das Ex-Barcelona-Trio Txiki Begiristain (Sportdirektor), Ferran Soriano (Geschäftsführer) und Guardiola sehen die erfolgreiche Ausbildung der nächsten Generation als Schlüssel für Citys nachhaltige Dominanz in Europa.

Eine systematische Erziehung, mit engen taktischen und technischen Vorgaben sowie klar formulierten Aufstiegsmöglichkeiten, sollen Guardiolas Fußball-DNS im Verein verankern und gleichzeitig die Betriebskosten senken. Mehr eigene Spieler bedeutet mehr Geld für weniger Einkäufe; die Himmelblauen könnten sich a la Barca auf die Verpflichtung der absoluten Superstars konzentrieren.

Tosin Adarabioyo (Abwehr, 19), Pablo Maffeo (Abwehr, 19), Cameron Humphreys (18, Abwehr) Aleix Garcia (Mittelfeld, 19), Angeliño (Mittelfeld, 19) und Brahim Diaz (Mittelfeld, 17) haben Erfahrung mit der ersten Elf gesammelt, Stürmer Kelechi Iheanacho (20) schaffte bereits unter Pellegrini den Durchbruch.

Ein paar Spieler sind an den niederländischen Partnerklub FC Twente ausgeliehen, aus Citys U18, Meister in der Vorsaison, drängen sich zudem Phil Foden (Mittelfeld, 16) und Stürmer Jadon Sancho (16) auf. Beide durften im Oktober mit den Profis trainieren.

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Vor allem Letzterer wird derzeit als kommendes Wunderkind auf der Insel gehandelt. City lotste ihn vor zwei Jahren für  77 000 Euro vom FC Watford in die Eastlands, die Ablösesumme wird voraussichtlich noch auf 585 000 Euro steigen, da Bonuszahlungen fällig werden. Sancho, ungeschlagener Meister mit Citys U16, wurde bei zwei Jugendturnieren im Sommer als bester Spieler ausgezeichnet, in der UEFA Youth League (LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM) gelang ihm beim 4:1-Sieg über Borussia Mönchengladbach ein Treffer.

Citys Jugendmannschaften spielen bereits durch die Bank so erfolgreich, dass sie komplett Jahrgänge überspringen. "Die U17 spielt in dieser Saison in der U18-Liga, die U19 gegen U21-Teams", sagt Nachwuchschef Jason Wilcox. "Ich bin nicht leicht zu beeindrucken, aber ich habe noch sie so viele derart starke Jugendspieler gesehen. Einige spielen auf einem Niveau, das atemberaubend ist. Unser Ziel ist es, dass Pep vor lauter Nachwuchsspielern die Qual der Wahl haben wird."

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern Pellegrini und Roberto Mancini, die sich nicht für Jugendspiele interessierten, scoutet Guardiola die Teenager persönlich, seine fast tagtägliche Anwesenheit sorgt für gute Stimmung bei den U-Trainern und ermuntert den Nachwuchs.

City wird wohl schon bald ein komplett vertikal integrierter Verein sein, zumindest was die Kicker angeht. Interessant wird zu sehen, ob der Klub es darüberhinaus auch wie Barcelona schafft, seine eigenen Chef-Trainer auszubilden. Das hat auf der Insel bisher noch niemand versucht. 

Raphael Honigstein, geboren 1973 in München, zog 1993 nach London. Dort lebt und arbeitet er als Journalist und Autor. Für SPORT1 berichtet er ab sofort in der wöchentlichen Rubrik "London Calling" über alle Themen rund um den englischen Fußball. Honigstein arbeitet unter anderem für die "Süddeutsche Zeitung", das Fußballmagazin "11 Freunde", die englische Tageszeitung "The Guardian", den Sportsender "ESPN" und ist in England und Deutschland als TV-Experte tätig.

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