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München - Ausgerechnet Guardiola-Nachfolger Ancelotti hat für dessen einstigen Liebling Thiago die ideale Position beim FC Bayern gefunden. Leidtragender ist allerdings Thomas Müller.

Viele Beobachter des FC Bayern hätte es im vergangenen Sommer nicht überrascht, wenn Thiago zusammen mit Pep Guardiola zu Manchester City gewechselt wäre.

Mit dem mittlerweile in München als feste Redewendung geltenden Spruch "Thiago oder nix" hatte sein großer Förderer kurz nach der Ankunft 2013 den Wunschspieler gefordert und für 25 Millionen Euro auch bekommen.

Eine mehr als stattliche Ablöse für einen Ergänzungsspieler des FC Barcelona, die dieser seitdem mal mehr und mal weniger rechtfertigte. Es gab immer wieder große Auftritte von Thiago wie beim 4:2 im letztjährigen Champions-League-Achtelfinale gegen Juventus Turin.

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Aber es gab eben auch immer wieder uninspirierte und fahrige Vorstellungen des Mittelfeldspielers, vor allem im Liga-Alltag. So richtig angekommen beim FC Bayern wirkte Thiago nicht.

Ancelotti findet die ideale Position

Dass dies nun ausgerechnet unter "Anti-Pep" Carlo Ancelotti der Fall zu sein scheint, ist die eigentliche Pointe. Der neue FCB-Coach hat offenbar die ideale Position für Thiago gefunden: Als Dreh- und Angelpunkt auf der 10.

Erstmals setzte Ancelotti den hochbegabten, aber in der Vergangenheit auch oft verletzten Spanier dort im letzten Spiel vor der Winterpause gegen RB Leipzig ein. Und Thiago glänzte beim 3:0-Erfolg als Spielmacher und Torschütze.

Noch stärker präsentierte sich der 25-Jährige am Mittwochabend bei der 5:1-Gala in der Champions League gegen den FC Arsenal - von SPORT1 bekam der zweifache Torschütze dafür die Note 1.

"Natürlich bin ich sehr glücklich", meinte Thiago danach, lobte ansonsten aber lediglich die Vorstellung des Teams: "In der zweiten Halbzeit haben wir einfach überragend gespielt. Dass das so stark war, konnte man nicht erwarten."

In der Tat hatte kaum einer nach den eher mäßigen Vorstellungen nach der Winterpause mit dieser Leistungsexplosion gerechnet. Doch Ancelotti untermauerte seinen Ruf, dass seine Teams immer dann in Bestform sind, wenn es darauf ankommt.

Was er zu einem Großteil eben seiner neuen Nummer 10 zu verdanken hatte, der aus einem starken Bayern-Kollektiv noch einmal herausstach.

"Der beste Mann auf dem Platz"

"Thiago war für mich der beste Mann auf dem Platz. Das war überragend, was er heute gemacht hat, nicht nur wegen seiner zwei Tore", schwärmte Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.

Ancelotti sah es erwartungsgemäß genauso. "Thiagos Leistung war perfekt. Er zählt zu den besten Mittelfeldspielern der Welt", meinte der Trainer und analysierte treffend:

"Mit seiner Position zwischen den Linien haben wir Arsenal Probleme gemacht. Thiagos Positionsspiel ist sehr wichtig für uns, weil er uns durch seine Gegner-Bindung mehr Räume auf den Flügeln gibt."

Kein Platz für Müller?

Einzig ein Luxusproblem ergibt sich für Ancelotti und der derzeit Leidtragende ist Publikumsliebling. "Wenn sich keiner verletzt, dann ist in diesem System kein Platz für Thomas Müller", meinte der ehemalige Bayern-Kapitän Lothar Matthäus bei Sky. "In wichtigen Spielen muss er daher wahrscheinlich weiter auf der Bank sitzen."

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Diese Wahrscheinlichkeit ist nach der Leistung gegen Arsenal tatsächlich groß, zumal wenn man Ancelottis Vorliebe für eine Stammformation kennt. Doch die Bayern wollten sich dieser Diskussion nach dem traumhaften Abend nicht mehr stellen.

"Ich glaube, dass Thomas Müller in jeder Mannschaft einen Platz hat", widersprach Philipp Lahm auch mit Blick auf das erste Tor des kurz vor Schluss eingewechselten Nationalspielers in diesem Jahr zum 5:1-Endstand – nach Vorlage von Thiago.

"Er geht immer voran und es ist unglaublich, wie er arbeitet. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis er wieder zu seiner 100-prozentigen Form findet. Das Tor heute war auch für ihn persönlich wichtig", ergänzte Lahm.

Und Ancelotti ging sogar noch einen Schritt weiter: "Ich glaube, dass er endlich den Durchbruch geschafft hat. Das hat er sich verdient. Er wird noch wichtig für uns sein." 

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