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Thomas Tuchels Vertrag beim BVB läuft noch bis 2018 © Getty Images

München - Thomas Tuchel sieht sich in der Leistung von Borussia Dortmund bestätigt und gibt seinen Spielern damit ein Alibi. Seine Worte sind auch eine Spitze gegen die Klubbosse.

Vor dem Champions-League-Spiel bei Benfica Lissabon am Dienstag (ab 20.45 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) ist die Stimmung bei Borussia Dortmund alles andere als königlich. 

Nach der peinlichen Pleite gegen Bundesliga-Schlusslicht Darmstadt 98 deutet Coach Thomas Tuchel an, dass seine Ansichten sich von denen seiner Bosse in einem ganz relevanten Punkt unterscheiden. 

Während Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke die Qualifikation für die Königsklasse zum unumstößlichen Ziel erklärt hat, bekräftigte Tuchel am Wochenende: "Es muss ein Umdenken stattfinden. Wir sind nicht nur das, was wir gegen Leipzig und Bayern zeigen, sondern auch das, was wir gegen Darmstadt zeigen. Es wäre hilfreich, wenn das mal durchsickern würde. Ich dachte, das ist intern schon angekommen."

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Worte, die auch als Spitze gegen die Klubführung verstanden werden konnten.

Tuchels Appell hatte kaum die Runde gemacht, da versuchte Sportdirektor Michael Zorc zu beschwichtigen. "Ich bin mir sicher, dass Thomas' Kritik sich ausschließlich auf die Mannschaft bezogen hat", sagte er der Bild

Wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, verließ Watzke am Samstag noch während des Spiels das Stadion - im Angesicht einer Niederlage gegen das abgeschlagene Schlusslicht.

Tuchel zeigt Anzeichen von Resignation

Als sicher gelten darf, dass Watzke alles andere als zufrieden mit dem war, was er auf dem Rasen geboten bekam. Und auch Trainer Tuchel könnten die desaströsen 90 Minuten schon bald wieder einholen. 

Tuchel weiß wohl mittlerweile selbst, dass er sich und seinem Team keinen Gefallen damit getan hat, dass er am Samstag zwei so blutjunge Spieler wie den 18-Jährigen Dzenis Burnic und den 19-Jährigen Emre Mor aufstellte. 

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Die Bild berichtet, dass die Klubführung alles andere als glücklich über die Aufstellung gegen Darmstadt gewesen sei - zumal erfahrene Kräfte wie Gonzalo Castro oder Andre Schürrle auf der Bank saßen.

Als die Punkte verloren waren, gab sich Dortmunds Trainer fast schon resigniert. "Man kann natürlich sagen, dass wir gnadenlos durchgefallen sind", resümierte Tuchel: "Es war eine Bestätigung dessen, was wir die gesamte Saison schon zeigen - wir sind einfach nicht in der Lage, an unser Leistungsoptimum zu gehen, wenn man es von uns erwartet."

Anspruch und Realität - das passt in dieser Saison beim BVB zu selten zusammen. Zumindest, wenn es um die Bundesliga geht. 15 Zähler Rückstand auf den FC Bayern, Punktverluste gegen Teams wie Darmstadt, Augsburg und Ingolstadt.

Auf der anderen Seite: nur ein Punkt Rückstand auf Platz drei, das öffentlich erklärte Saisonziel direkte Champions-League-Qualifikation also absolut in Reichweite.

Alibi für schwache Leistungen?

"Ich plädiere seit Beginn der Saison dafür, vielleicht auch einzugestehen, dass wir das sind. Vielleicht ist das dieses Jahr so", ergänzte Tuchel. Bemerkenswerte Aussagen, verschaffen sie seiner Mannschaft doch ein Alibi für Spiele wie in Darmstadt.

Auf der anderen Seite predigen die Dortmunder Verantwortlichen seit Saisonbeginn auch immer wieder, dass sich die Mannschaft in einer Art Übergangsjahr befinde. Nur: Insbesondere Perfektionist Tuchel zeigte schon mehrfach, dass er sich mit Rückschlägen schwerlich abfinden kann.

In Champions League und DFB-Pokal im Soll

"Die Unzufriedenheit der Leitung und Tuchels eigene Unzufriedenheit sind viel, viel größer als das, was nötig wäre", sagte daher auch ein verwunderter Hans Meyer im Volkswagen Doppelpass.

"Die Ursache für diese Aufstellung liegt in der Unzufriedenheit von Thomas mit der mangelnden Konstanz dieser jungen Mannschaft. Wenn ich sehe, wer im Sommer diese Mannschaft verlassen hat, wird es noch länger dauern, bis Stabilität einkehrt", erklärte der Ex-Trainer.

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Denn immerhin sieht es in zwei von drei Wettbewerben gut aus für die Dortmunder: bezeichnenderweise sind das der DFB-Pokal und die große Bühne Champions League.

Auf die kehrt der BVB am Dienstagabend in Lissabon wieder zurück.

Ausreden gibt es dann keine mehr: Von den angeschlagenen Spielern um Lukasz Piszczek und Kapitän Marcel Schmelzer dürfte der eine oder andere wieder fit sein, über fehlendes Rampenlicht kann sich sicherlich auch niemand beklagen.

Champions League als Rettungsanker

Die Champions League als Rettungsanker für die Saison? Ein merkwürdiger Gedanke. Nach den gezeigten Leistungen in der Gruppenphase scheint ein Lauf auf der europäischen Bühne aktuell jedoch fast wahrscheinlicher als eine große Aufholjagd in der Bundesliga.

Das Problem: Um auch nächste Saison in der Königsklasse dabei zu sein, müssen die Dortmunder auch in den "kleinen" Spielen im Liga-Alltag überzeugen. Sonst gibt es ab Sommer die geliebten Spiele im Rampenlicht womöglich nicht mehr. Und das klar formulierte Saisonziel wäre verpasst.

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