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Gareth Bale (l.) muss bei Real passen, Robert Lewandowski (M.) und Manuel Neuer wollen das mit Bayern nutzen © SPORT1-Grafik: Getty Images/Imago/iStock/Picture Alliance/Marc Tirl

München - Der FC Bayern reist mit einem Rückstand und Personalsorgen im Gepäck nach Madrid. SPORT1 erklärt, warum eine Aufholjagd dennoch möglich ist.

Zinedine Zidane war zufrieden. Nicht glücklich. Dass sein Starensemble nur das minimale Kapital aus der letzten halben Stunde in Überzahl geschlagen hatte, ärgerte den Trainer von Real Madrid

"Wir hätten mehr Tore erzielen können", sagte der Franzose nach dem 2:1-Sieg der Königlichen beim FC Bayern.

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Er weiß: Der deutsche Rekordmeister steht im Rückspiel des Champions-League-Viertelfinals in Madrid (Di., 20:45 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) zwar vor einer Mammut-Aufgabe, hat aber zumindest Außenseiterchancen auf das Weiterkommen.

SPORT1 nennt fünf Gründe, warum die Bayern trotz Rückstands und personeller Sorgen noch hoffen dürfen.

- Lewandowski/Reals Nachlässigkeit

Schulterprobleme setzten Robert Lewandowski im Hinspiel außer Gefecht. Ein herber Verlust, denn der selbst erst von einer Verletzung zurückgekehrte Thomas Müller konnte den besten Torschützen der Münchner (38 Treffer in 40 Pflichtspielen) in keiner Weise ersetzen.

Für das Duell im Estadio Santiago Bernabeu ist Lewandowski wieder mit von der Partie. Auch wenn er sich wohl nicht bei hundert Prozent befindet, steigen mit ihm die Chancen auf Tore. Zwei Mal müssen die Bayern treffen - mindestens. Gegen Reals lädierte und zuletzt häufiger unkonzentrierte Defensive sollte dafür kein Wunder nötig sein.

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"Dass Lewy wieder mitspielt, hilft uns. Er gibt uns einfach mehr Vertrauen", sagte Ancelotti auf der Pressekonferenz vor dem Spiel.

Wenn die Spanier verwundbar sind, dann hinten. Allen voran Torwart Keylor Navas ist in dieser Saison immer wieder für einen Patzer gut. Keinen einzigen seiner acht Champions-League-Einsätze in dieser Saison beendete der Costa-Ricaner mit einer weißen Weste.

"Wir müssen besser und mit mehr Spielern verteidigen", monierte Trainer Zidane erst am Samstag, als Real seine Generalprobe bei Sporting Gijon zwar bestand, aber zwei Gegentore hinnehmen musste.

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- Neuer/Reals unvollständiger Sturm

Dass die Bayern überhaupt noch an einen Verbleib in der Champions League denken dürfen, haben sie Manuel Neuer zu verdanken. Der Welttorhüter machte seinem Ruf als Krake im Hinspiel alle Ehre (SPORT1-Note 1,5) und verhinderte ein Schützenfest der Madrilenen. 

Auf seine Glanzparaden ist das Team von Carlo Ancelotti auch im Bernabeu angewiesen. Gut für Neuer: Reals Sturm-Trio "BBC" ist unvollständig - in Gareth Bale fällt eines der drei Puzzleteile verletzt aus.

Die etwas defensiveren Isco, Marco Asensio und Lucas Vazquez kommen als Ersatz für den Waliser in Frage. Gut möglich, dass Zidane auf ein 4-4-2 umstellt - mit Karim Benzema und Cristiano Ronaldo an vorderster Front.

Da Benzema in dieser Saison viele Chancen für ein Tor braucht, müssen die Münchner primär auf den doppelten Hinspiel-Torschützen Ronaldo aufpassen. Der Weltfußballer gibt von Real mit Abstand die meisten Schüsse aufs gegnerische Tor ab - im Schnitt einen alle 19 Minuten.

© iM Football

Wenn die Bayern ihn in den Griff kriegen und Neuer einen weiteren Sahnetag erwischt, ist eine Aufholjagd denkbar. 

- Rückkehr eines Weltmeisters

Neben Lewandowski ist eine Rückkehr von Jerome Boateng am wahrscheinlichsten. Beim zuletzt wegen Adduktorenproblemen verletzten Weltmeister und seinem Kollegen Mats Hummels dürfte allerdings erst kurz vor Anpfiff über einen Einsatz entschieden werden. 

Während Boateng gestern wieder, zumindest anfangs, beschwerdefrei trainierte, musste der am Sprunggelenk lädierte Hummels bereits beim Aufwärmspiel passen.

Die wahrscheinlichste Variante wäre demnach eine Viererkette bestehend aus Juan Bernat, David Alaba, Jerome Boateng und Philipp Lahm.

Bei Hummels hilft den Eindrücken nach nur noch eine Wunderheilung. Dass Ancelotti volles Risiko mit beiden Weltmeistern in der Innenverteidigung geht, klingt kaum realistisch, wenngleich beim wichtigsten Spiel der Saison bis kurz Anpfiff nichts gänzlich ausgeschlossen scheint.

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Als letzte Variante, sollten sich die Daumen sowohl bei Hummels als auch bei Boateng senken, gilt die "Vernunfts-Aufstellung". Dann würden innen wohl Alaba und Joshua Kimmich verteidigen.

- Die Historie

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Bayern zu Aufholjagden im Stande sind. In immerhin zwei von sechs europäischen K.o.-Runden setzten sie sich nach einer Heimniederlage im Hinspiel doch noch durch: 1988 gegen Inter Mailand und 1995 gegen Lokomotive Moskau.

Real behauptete sich dagegen fast immer nach einem Auswärtssieg im Hinspiel. Nur eines von 30 Duellen ging verloren: 1994 gegen Odense BK.

Die Statistik sagt also: Ein Bayern-Comeback ist ein schwieriges, aber kein unmögliches Unterfangen.

- Der Schiedsrichter

Gute Omen gehören an Abenden wie diesen ja immer irgendwie dazu. Die Schiedsrichter-Ansetzung im Rückspiel ist für die Bayern ein solches.

Der Ungar Viktor Kassai wird die Begegnung pfeifen. Unter seiner Leitung waren die Bayern vor fünf Jahren im Bernabeu ins Endspiel eingezogen. Auch auf dem Weg zum Triple im Jahr 2013 spielte Kassai eine Rolle: Er leitete die 4:0-Gala im Halbfinale gegen den FC Barcelona.

Ein 2:0 würde diesmal schon reichen.

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