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Borussia Dortmund v AS Monaco - UEFA Champions League Quarter Final: First Leg
Bereits einen Tag nach dem Anschlag wird das Viertelfinal-Hinspiel zwischen Dortmund und Monaco nachgeholt © Getty Images

Eine Sportpsychologin sieht die schnelle Neuansetzung der Partie BVB - Monaco kritisch. Ein Kollege sieht genau die Geschwindigkeit als richtige Maßnahme.

Für die einen ist es nach dem Anschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund unverantwortlich, für die anderen der beste Weg aus dem Trauma:

Die Neuansetzung des Champions-League-Spiels zwischen dem BVB und dem AS Monaco auf Mittwochabend (18.45 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) spaltet das Lager der sportpsychologischen Experten.

"Überhaupt nicht machbar"

"Die Spieler haben einen Angriff auf ihr eigenes Leben erlebt und sollen jetzt wieder in den Alltag zurückkehren. Das ist aus meiner Sicht überhaupt nicht machbar vom Kopf her, weil sie wirklich ein Trauma erlebt haben", sagte Sportpsychologin Jeannine Ohlert von der Deutschen Sporthochschule Köln.

Dieser Ansicht widersprach Mentaltrainer Steffen Kirchner ebenso eindeutig.

"Man muss wieder ins Tun kommen. Traumatisierung wird nicht dadurch besser, dass ich in eine Schockstarre verfalle, sondern darüber spreche und das tue, was ich am liebsten tue: Fußball spielen", betonte Kirchner, der auch für zahlreiche Fußballer tätig ist.

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Begegnung "nicht auf Augenhöhe"

Einig sind sich die Experten darin: Von Normalität kann angesichts der Ereignisse am Dienstagabend kurz nach der Abfahrt des BVB-Busses Richtung Stadion keine Rede sein.

Drei Sprengsätze waren detoniert, Dortmunds Innenverteidiger Marc Bartra wurde dabei an der Hand verletzt und später noch operiert. Das Spiel wurde abgesagt und auf den kommenden Tag verschoben.

"Es ist kein reguläres Spiel", sagte Jeannine Ohlert mit Blick auf die neu angesetzte Partie und sprach von einer "Wettbewerbsverzerrung. Die Begegnung findet nicht auf Augenhöhe statt. Dortmund ist klar stärker belastet".

Für Kirchner ist das nicht so eindeutig, auch die Spieler von Monaco seien schließlich betroffen, und nicht nur die.

"Das betrifft alle. Das hat übrigens auch eine Auswirkung auf die Bundesliga und die anderen Ligen. Es ist jetzt in gewisser Weise auch ein Kollektiverlebnis. Es hat Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl von allen", sagte der 35-Jährige.

"Spieler mit Trauma können nicht spielen"

Die entscheidende Frage lautet: Wie betroffen sind die BVB-Stars nach dem Anschlag?

Für Mentalcoach Matthias Herzog steht fest: "Spieler mit Trauma können nicht spielen." Wenn aber ein Akteur, so Herzog, nur leicht verängstigt sei, "dürfte es ihm helfen, ihn spielen zu lassen. Das gibt ihm selbst sofort das Gefühl zurück: Der Anschlag hat nichts verändert."

Die Busfahrt am Mittwoch zum Stadion werde bei den Spielern eine besondere Anspannung auslösen, glaubt Steffen Kirchner, "das ist die emotional stärkste Belastungszeit".

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Chance auf schnelle Erholung durchaus gegeben

Aber auch generell kosteten die Gedanken an das Geschehene "die ganze Zeit latent Energie. Das gilt auch für die Zeit im Stadion". Beide Mannschaften könnten daher kaum ihr volles Leistungsvermögen abrufen.

Eine Chance, sich schnell von den negativen Gedanken zu lösen, sieht Kirchner durchaus: "Wenn man den Fokus der Spieler verändert und sich darauf konzentriert, wofür man jetzt auch dankbar sein kann: Wir haben unsere Familien noch, unsere Gesundheit, es ist im Endeffekt alles gut gegangen. Das gibt einem ja auch eine positive Energie."

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