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Sinsheim - Hoffenheim verpasst im Playoff-Hinspiel um die Champions League einen Heimsieg. Ein 18-Jähriger und ein Eigentor besiegeln die Niederlage - doch etwas Hoffnung besteht.

Der Traum der TSG Hoffenheim von der Champions League ist schon fast geplatzt. Der Europacup-Debütant verlor das Qualifikations-Hinspiel gegen Jürgen Klopps FC Liverpool trotz couragierter Leistung mit 1:2 (0:1) (TICKER zum Nachlesen).

Um doch noch die Chance auf die Gruppenphase der Königsklasse zu haben, muss das Team von Trainer Julian Nagelsmann am kommenden Mittwoch an der legendären Anfield Road als erste deutsche Mannschaft mit 2:1 oder höher gewinnen (Spielplan der Champions League).

"Ich denke, dass wir auf jeden Fall ein Tor machen und dann schauen wir mal, ob wir noch mehr Tore machen", schickte Sandro Wagner aus der Mixed Zone eine Kampfansage in Richtung des Teams von Jürgen Klopp. "Ich nehme das Positive mit nach Liverpool, dass wir auf jeden Fall die bessere Mannschaft waren", meinte der Hoffenheimer Stürmer.

"Heute hat auf jeden Fall nicht die schlechtere Mannschaft verloren, sondern vielleicht die, die nicht das größere Glück auf ihrer Seite hatte", erklärte Nagelsmann auf der Pressekonferenz.

Hoffenheim zu naiv

Der erst 18-jährige Trent Alexander-Arnold brachte den 18-maligen englischen Meister mit einem Freistoß, der im unteren rechten Eck landete, in Führung (35.). Die Hoffenheimer Mauer sprang dabei nicht geschlossen hoch. 

In der 73. Minute fälschte Havard Nordtveit einen Schuss von James Milner ins eigene Tor ab. Dem Treffer war ein Freistoß im Mittelfeld vorausgegangen, bei dem der Ball noch nicht ruhte. Schiedsrichter Björn Kuipers sah die Situation nicht. 

Auch Hoffenheims Nadiem Amiri stand unmittelbar in der Nähe des Balls, meckerte aber mit einem Mitspieler und verhinderte nicht die schnelle Ausführung des Freistoßes. Liverpool nutzte die Situation abgezockt aus. 

"Man kann ja diskutieren, aber dann muss ich den Ball in die Hand nehmen oder fünf Meter wegspielen, dass er halt nicht an dem Ort das Spiel fortsetzen kann. Auf dem Niveau wird das leider bestraft", sagte Nagelsmann bei Sky. "Das ist sehr, sehr naiv."

Bis dahin hatte die TSG, für die es um mindestens zwölf Millionen Euro geht, mitgehalten und den Ball kontrolliert.

Andrej Kramaric vergab aber auch eine Riesenchance, als er mit einem ganz schwach geschossenen Elfmeter an Liverpools Torwart Simon Mignolet scheiterte (12.). Marc Uth (87.) schenkte den 1899-Fans noch einmal Hoffnung für das Rückspiel.

Klopp setzt auf Anfield

"Wir hätten gerne gewonnen und hätten zumindest verdient gehabt, unentschieden zu spielen. Wir haben mutig gespielt. In der zweiten Halbzeit waren wir ein bisschen zu offen, haben zu viel riskiert", sagte Nagelsmann. "Der Spielverlauf war nicht ganz glücklich für uns mit dem verschossenen Elfmeter und dem zweiten Tor."

Liverpool-Trainer Klopp zeigte sich zufrieden, blickte aber schon auf das Rückspiel.

"Ich bin mit der Leistung ganz zufrieden. 2:1 als Ergebnis ist besser als 1:0. Aber wir hätten gern auch 2:0 gewonnen. Das Tor kurz vor Schluss ist nicht ganz günstig für uns. Wir hätten das eine oder andere Tor mehr machen können", sagte Klopp. "Wir brauchen Anfield im Rückspiel. Das Ding ist noch nicht entschieden."

Hoffenheim stürmt mit viel Mut

"Die Tore haben den Unterschied ausgemacht - und dass wir die Chancen nicht genutzt haben", sagte 1899-Torwart Oliver Baumann im ZDF: "Wir schaffen es nicht, die Tore zu machen. Das ist ärgerlich."

Liverpools deutscher Nationalspieler Emre Can erklärte: "Es ist ein gutes Ergebnis für uns. Aber nächste Woche dürfen wir auf keinen Fall nachlassen."

Im ersten Europapokal-Spiel der Vereinsgeschichte machte die TSG zu Beginn ordentlich Dampf. Mit viel Tempo, Mut und Entschlossenheit stürmte das Nagelsmann-Team nach vorne. Vor 25.568 Zuschauern in der ausverkauften Arena, darunter auch Bundestrainer Joachim Löw, war sie dem ersten Treffer näher.

Dann versagten Kramaric bei dem umstrittenen Strafstoß die Nerven, drei Minuten später setzte Klopps Star-Einkauf Mohamed Salah den Ball nach einem haarsträubenden Fehler von 1899-Kapitän Kevin Vogt nur ganz knapp neben das TSG-Tor. Liverpool, das defensiv auch am Beginn der dritten Klopp-Saison nicht gefestigt schien, wurde stärker.

Gnabry meistens unauffällig

Für das erste Millionen-Spiel hatte Nagelsmann seine Startformation im Vergleich zum wenig überzeugenden Erstrundensieg im DFB-Pokal auf sechs Positionen verändert.

Neuzugang Serge Gnabry sollte zusammen mit Kramaric Sandro Wagner im Sturmzentrum bedienen.

Doch bei den gefährlichen Torszenen fehlte oft die Durchschlagskraft. "Der Fußballgott war in der einen oder anderen Szene nicht auf unserer Seite, das muss man ganz klar so sagen. Vielleicht gehen nächste Woche die Dinger rein", sagte Wagner bei Sky.

In der ersten Halbzeit blieb Gnabry recht unauffällig, er holte aber immerhin den Elfmeter raus. In der 43. Minute scheiterte der Nationalspieler genauso wie Sekunden später Wagner.

Hoffenheim gibt sich nicht auf

Bei seiner Rückkehr nach Deutschland vertraute Klopp der gleichen Startelf, die zum Premier-League-Auftakt beim FC Watford nur zu einem 3:3 gekommen war. Der frühere Meistercoach von Borussia Dortmund hatte im Sommer rund 51 Millionen Euro ausgegeben - mehr als doppelt so viel wie Hoffenheim.

Liverpools 42-Millionen-Mann Salah sorgte auch in der zweiten Halbzeit weiter für Unruhe im Strafraum der Hoffenheimer, die sich aber keinesfalls aufgaben. Immer wieder peitschte Wagner die 1899-Fans an, das Team weiter zu unterstützen.

Scheitert Hoffenheim in der kommenden Woche im Rückspiel (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER), tritt der Tabellenvierte der vergangenen Saison nur in der Europa League an.

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