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London - Trainer Peter Bosz rotiert überraschend bei seinem ersten Auftritt mit Borussia Dortmund in der Champions League. Sein Risiko geht daneben - das hat Gründe.

Als am Mittwochabend um 18.44 Uhr Ortszeit im Londoner Wembleystadion die Aufstellung von Borussia Dortmund veröffentlicht wurde, staunten viele Beobachter nicht schlecht: Peter Bosz schmiss in seinem ersten Champions-League-Spiel als Trainer gleich gehörig die Rotationsmaschine an.

Fünf neue Spieler bot der Niederländer bei Tottenham Hotspur im Vergleich zum 0:0 am vergangenen Samstag beim SC Freiburg auf.

Wobei viele Experten eigentlich nur mit der Hereinnahme von Ömer Toprak für den verletzten Marc Bartra gerechnet hatten.

Neben Toprak durften aber auch noch Jeremy Toljan, Mo Dahoud, Shinji Kagawa und Andrey Yarmolenko von Beginn an ran. Die drei letztgenannten feierten sogar ihr BVB-Startelfdebüt.

Eine zwingend notwendige Maßnahme mit Blick auf eine lange Saison mit drei Wettbewerben? Auf jeden Fall ein äußerst riskanter Plan. Der am Ende daneben ging.

Rotation verunsichert den BVB

Es war offensichtlich: die Rotation lähmte und verunsicherte elf BVB-Akteure auf dem Platz - und war somit einer der Hauptfaktoren für die 1:3-Niederlage im ersten Gruppenspiel der Königsklasse.

Zwar erklärte Verteidiger Toprak, dass man es "eigentlich gut gemacht" habe, dann aber schwere Fehlentscheidungen des Schiedsrichters das Spiel extrem beeinflusst hätten. Doch die Niederlage alleine an zwei zweifelhaften Abseitspfiffen von Referee Gianluca Rocchi festzumachen, ist zu einfach.

Vor allem defensiv präsentierte sich der BVB wackelig und anfällig. Die Abstimmung zwischen dem Innenverteidiger-Duo Sokratis und Toprak stimmte nicht. Dazu erwischte der sonst so zuverlässige Lukasz Piszczek auf rechts hinten einen Tag zum Vergessen.

Auf links löste Toljan seine Aufgaben zwar durchaus gut, konnte aber wenig zur defensiven Stabilität beitragen.

Neuzugängen fehlt Bindung zum Spiel

Allerdings wurde die Viererkette in London auch von den anderen Mannschaftsteilen nicht genug unterstützt. "Wir waren heute nicht konsequent genug beim Verteidigen und beim Rausrücken auf die Männer", sagte Torwart Roman Bürki. Dabei fiel vor allem das zu zwei Drittel nerneuerte Dreiermittelfeld negativ auf.

Den "Neuen", also Dahoud und Kagawa, fehlte zeitweise die Bindung zum Spiel.

Dahoud versuchte sich in einer deutlich kreativeren Rolle als sein Pendant aus den vergangenen Spielen, Gonzalo Castro. Das führte allerdings dazu, dass der 21-Jährige weniger Löcher stopfte. Räume, die Tottenham gnadenlos ausnutzte.

Kagawa tat sich zwar durch seine schöne Vorarbeit zum zwischenzeitlichen 1:1 hervor. Im Gegensatz zu Mario Götze, der diese Position bislang bekleidete, gingen ihm aber sowohl der Spielwitz als auch die unabdingbare Positionstreue ab. Auch das führte zu den großen Abständen im BVB-Mittelfeld.

Zusätzlich dazu lieferte Nuri Sahin sein bislang schlechtestes Saisonspiel ab. Vor dem 1:2 ließ sich der so formstarke Sechser im Zweikampf zu einfach von Harry Kane abkochen.

Ballverluste in der Vorwärtsbewegung

Die direkten Duelle - sie waren ohnehin ein weiterer Grund für die BVB-Niederlage. Immer wieder verloren die Verteidiger entweder ihre Gegner in den entscheidenden Momenten aus den Augen oder gingen zu wenig kompromisslos zu Werke.

Dazu kamen extrem viele unnötige Ballverluste in der Vorwärtsbewegung. Mal von Piszczek, mal von Dahoud, mal von Yarmolenko oder Christian Pulisic.

Weil Tottenham dann über ganz wenige Stationen extrem schnell konterte, fehlten immer wieder Spieler im Defensivverbund.

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