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München - Vor dem Duell bei Real geht bei Borussia Dortmund die Angst um, nicht nur die Champions League zu verpassen. Die Spieler sind gefordert - auch um BVB-Trainer Peter Bosz zu helfen.

Als am 24. August dieses Jahres in Nyon die Auslosung zur Champions-League-Phase über die Bühne gegangen war, atmete Hans-Joachim Watzke durch und stellte fest: "In solchen Gruppen werden Helden geboren."

Mit Real Madrid und Tottenham Hotspur war Borussia Dortmund in die schwerste Gruppe gelost worden, enstprechend war die Hoffnung des Geschäftsführers, sein BVB könnte über sich hinauswachsen.

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Dreieinhalb Monate später ist von einer möglichen Heldensaga keine Rede mehr. Vor dem Spiel in Madrid (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) ist die Hoffnung, in der Königsklasse zu überwintern, der Angst gewichen, die Borussia könnte sich komplett aus dem Europapokal verabschieden. Der Gegner heißt nicht mehr Real oder Tottenham - sondern APOEL Nikosia.

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Watzke bei Tottenham skeptisch

Die Zyprer, gegen die sich die Dortmunder in beiden Gruppenspielen (1:1, 1:1) kräftig blamierten, treten im Fernduell gegen den BVB bei Tottenham an. Holen sie am Ende mehr Zähler als Dortmund, wäre die Elf von Trainer Peter Bosz komplett raus aus Europa.    

Dass dies kein unmögliches Szenario sein muss, liegt auf der Hand. In seinem derzeitigen Zustand ist den Borussen in Madrid nicht viel zuzutrauen - selbst unter der Berücksichtigung, dass Real ebenfalls nicht seine beste Phase hat.

Mit bangen Blicken dürften die Verantwortlichen auf den Zwischenstand aus London blicken und darauf hoffen, dass die Spurs zumindestens einige seiner Stars auflaufen lässt.

"Darauf haben wir sowieso keinen Einfluss", sagt Watzke. "Aber ich bin mir nicht sicher, ob Tottenham dort mit einer vernünftigen Startelf auflaufen wird. Trotzdem müssen wir unser Spiel spielen."

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Die Betonung liegt eindeutig auf "müssen". Nach elf Pflichtspielen, in denen man nur im Pokal gegen Drittligist Magdeburg gewann, ist von der Spielfreude zum Saisonbeginn nichts mehr übrig geblieben. Im Gegenteil: Das Dortmunder Selbstverständnis ist so angekratzt, dass einem Angst und Bange wird.

"Wenn sie eine Krise haben, was haben dann wir?", anwortete Bosz mit einer Portion Selbstironie auf der Pressekonferenz auf die Frage nach der Schwächephase von Real.

"Die Krise ist nicht unendlich"

Der Dortmunder Coach bleibt trotz der Treuebekenntnissen der Verantwortlichen (Watzke: "Wir wollen mit Peter Bosz den Bock umstoßen und es wäre schön, wenn wir das hinkriegen") auf der Kippe - und darf sich zumindest keinen weiteren Offenbarungseid im Bernabeu mehr leisten

Doch was kann Bosz jetzt noch tun? Nachdem der Niederländer sogar das ihm heilige 4-3-3-System über den Haufen geworfen hat und seinen Spielern mit Engelszungen deren Stärke einzureden versuchte, scheint er mit seinem Latein am Ende.

Gefordert, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, sind nun vor allem die Spieler selbst. "Wir müssen weitermachen, uns pushen und versuchen, es zu erzwingen, dass die derzeitige Phase endet. Sie ist nicht unendlich. Sie wird vorübergehend - und dann werden wir gestärkt daraus hervorgehen", glaubt Nuri Sahin.

Ziemlich genau vor einem Jahr hatte der BVB mit einem 2:2 bei Real Madrid den Gruppensieg gegen den späteren Champions-League-Sieger eingetütet. Es wäre ein günstiger Zeitpunkt, eine ähnliche Performance auf den Madrider Rasen hinzulegen - und im Notfall für schlechte Nachrichten aus London gerüstet zu sein.

"In der Europa League weiterzuspielen, sollte schon unser Anspruch sein", sagt Sahin. Nur beweisen müssen sie es noch.

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