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Madrid - Erstmals in der Amtszeit von Zinedine Zidane bei Real Madrid muss sich die Legende als Krisenmanager beweisen - sonst droht ihm ein altbekanntes Schicksal.

Peter Bosz musste dann doch lächeln.

"Wenn Real Madrid in einer Krise ist, dann frage ich mich: In was sind dann wir?", entgegnete der Trainer von Borussia Dortmund einem spanischen Journalisten, der ihn vor dem letzten Champions-League-Gruppenspiel (20.45 Uhr im LIVETICKER) im Estadio Santiago Bernabeu auf die jüngsten Ausrutscher des Titelverteidigers angesprochen hatte.

"Nein, für mich sind sie nicht in einer Krise. Sie sind immer noch stark", betonte Bosz und erinnerte an das Hinspiel: "Da waren sie auch in einer schlechteren Phase und haben am Ende klar und verdient gegen uns gewonnen."

Mag sein. Das 3:1 im Signal Iduna Park war allerdings eine der wenigen Sternstunden des Starensembles um Cristiano Ronaldo in dieser Saison.

Und angesichts der darauffolgenden und nach wie vor anhaltenden Negativ-Serie der Borussia womöglich auch ein gutes Stück überbewertet.

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In der Liga nur Vierter

Zinedine Zidane wich den unangenehmen Fragen aus. Er sei allmählich "müde", immer wieder das Gleiche zu sagen, meinte der Real-Coach zu den Medienvertretern. "Meine Mannschaft macht auf mich einen guten Eindruck."

Diese Meinung dürfte der Franzose ziemlich exklusiv haben. Vielleicht will er seine schwächelnden Spieler auch nur in Schutz nehmen. Die Zahlen sprechen jedenfalls eine klare Sprache.

Real steht in der spanischen Liga hinter dem FC Barcelona, FC Valencia und Atletico Madrid nur auf Platz vier. Der Rückstand auf den Erzrivalen aus Katalonien beträgt bereits acht Punkte - obwohl dieser zuletzt innerhalb einer Woche zwei Mal Unentschieden gespielt hat.

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So schwach wie zuletzt 2008

Überhaupt: Reals Ausbeute von 28 Zählern nach 14 Spieltagen ist so schlecht wie seit 2008 nicht. Der Trainer hieß damals Bernd Schuster - er wurde schon im Dezember entlassen.

Zidane wird nicht das gleiche Schicksal ereilen. Zumindest noch nicht. Denn er hat das erste Saisonziel - das Achtelfinale in der Königsklasse - erreicht.

Trotzdem ist die Vereinslegende jetzt als Krisenmanager gefragt, um an seine beachtlichen Erfolge seit seinem Amtsantritt im Januar 2016 anzuknüpfen. Doch noch denkt er wie Peter Bosz. Er sieht keine Krise.

"Wir treffen das Tor nicht. Das ist unser Problem", sagte Zidane nach dem 0:0 bei Athletic Bilbao am vergangenen Wochenende.

Diese Analyse ist allein bei einem Blick auf die Ersatzbank der Königlichen unvollständig. Von Edel-Backups wie Alvaro Morata oder James Rodriguez fehlt dort jede Spur, zumal Neuzugänge wie Dani Ceballos oder Theo Hernández bislang alles andere als eingeschlagen sind und Zeit brauchen.

Real denkt über Wintertransfers nach

Zeit, die ein erfolgsbesessener Klub wie Real nicht hat. Deshalb soll Präsident Florentino Perez dem Vernehmen nach bereits mit dem Gedanken spielen, auf dem Wintertransfermarkt zuzuschlagen.

Priorität dürfte die Verpflichtung eines neuen Stürmers haben. Allerdings könnten wohl nicht einmal die Heiligen Drei Könige einen der heiß gehandelten Mauro Icardi und Timo Werner mitten in der Saison in die spanische Hauptstadt lotsen.

Zidane sagte deshalb schon nebulös: "Es kann sein, dass wir etwas machen. Es kann aber auch sein, dass alles so bleibt wie es ist."

Ist Letzteres der Fall, braucht Reals Trainer andere Lösungen, um seine erste große Krise zu bewältigen. Er kennt den Erfolgsdruck in Madrid. Und er weiß, dass kein Trainer bleiben darf, der eine Saison ohne Titel abschließt. Auch keine Legende.

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