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München - Wird der FC Bayern auch im Rückspiel vom genialen PSG-Dreigestirn überrollt? Zwei Faktoren werden ausschlaggebend sein. Der SPORT1-Taktikcheck.

Es war eine Demütigung, die der FC Bayern München am 27. September in Paris erlebte und die zugleich das Ende der Amtszeit Carlo Ancelottis besiegelte.

Der Italiener musste nach dem 0:3 bei Paris Saint-Germain seinen Hut nehmen.

Das Hinspiel war in mehrerlei Hinsicht eine lehrreiche Partie, die sicherlich auch Ancelotti-Nachfolger Jupp Heynckes auf einige taktische Probleme aufmerksam machte.

Seit Heynckes' Rückkehr hat sich das Blatt für die Bayern aber zum Positiven gewendet. Doch können sie heute Abend den Wundersturm von PSG stoppen?

"Wir wollen so hoch wie möglich gewinnen und zeigen, dass wir ein Titelanwärter sind", sagte Bayerns Kingsley Coman vor dem Spiel gegen seinen Ex-Klub. "Vom Gruppensieg zu sprechen wäre vermessen", gab sich Heynckes zurückhaltender. Er glaubt nicht an ein 4:0, denn er weiß die Stärke der PSG-Stars.

SPORT1 erklärt, was die Bayern im Rückspiel (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) machen müssen, um Neymar, Edinson Cavani und Kylian Mbappe in Schach zu halten.

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- Die Fehler des Hinspiels abstellen:

Beim 0:3 in Paris versuchte der deutsche Rekordmeister dominant aufzutreten. Trotz der Qualität, die in der Mannschaft von Paris steckt, scheute Bayern nicht etwa den Ballbesitz. Mal um mal wurde von hinten heraus das Spiel aufgebaut. Und mal um mal ging der Ball leichtfertig verloren, sodass Neymar und Co. zum Kontern eingeladen wurden (DATENCENTER: Tabelle der Champions League).

Insbesondere der Brasilianer, der im Sommer für 220 Millionen Euro aus Barcelona in die französische Hauptstadt wechselte, tat sich hervor. Er bewies ein Näschen für die richtige Position, wenn Bayern den Ball hergab, und startete aus dem Mittelfeld den Gegenangriff.

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Nicht nur fehlte den Münchnern zum damaligen Zeitpunkt Kreativität im Spielaufbau. Drucklose Halbfeldflanken, vorhersehbare Flügelangriffe und wenig Präsenz im Raum hinter Angreifer Robert Lewandowski bestimmten das Bild und machten die Bayern zumindest gegen einen Top-Gegner wie PSG zum zahnlosen Tiger.

- Mehr Sicherheit durch Martinez:

Zwei Monate später sieht die Welt anders aus. Die Bayern haben ihre Ball- und damit Selbstsicherheit wiedergewonnen. Neben Heynckes selbst sind einige Spieler, allen voran der von der Verteidigung ins Mittelfeld versetzte Javi Martinez, mitverantwortlich für die Verbesserungen.

"Martinez ist ein Superspieler im defensiven Mittelfeld" hielt Heynckes am Wochenende in der Süddeutschen Zeitung fest. Als Innenverteidiger sei er ihm auf internationalem Top-Niveau "nicht schnellkräftig genug", weiter vorn aber genau richtig besetzt, "damit du erst mal das Zentrum dicht bekommst".

Martinez ist für die tiefe Sechserposition bei weitem besser geeignet als der gelegentlich zum Aktionismus neigende Arturo Vidal, dessen Stärken weiter vorn zum Tragen kommen. Der Spielaufbau ist aktuell deutlich weniger anfällig für gegnerisches Angriffspressing als noch zu Beginn der Saison. Und zugleich kommen die Offensivspieler der Bayern besser zur Geltung.

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- Defensivere Außenverteidiger:

Die Bayern können allerdings noch so gefällig im Ballbesitzspiel auftreten, die Effektivität des eigenen Gegenpressings entscheidet über Wohl und Wehe – insbesondere gegen eine Mannschaft wie PSG. Ballverluste sind bei aller Ballsicherheit unvermeidlich über die Länge einer Partie. Auftritte gegen Borussia Mönchengladbach und am letzten Samstag gegen Hannover 96 sind Indikatoren, dass die Bayern konteranfällig bleiben.

Ein taktischer Ansatz, der gegen PSG von Vorteil sein kann und in abgeschwächter Form bereits in den vergangenen Partien zu sehen war, betrifft die Ausrichtung der Außenverteidiger Joshua Kimmich und David Alaba. Verhalten sich diese vorsichtiger und stoßen weniger risikoreich nach vorn, ist die defensive Absicherung naturgemäß höher. Offensiv können die Mittelfeldspieler die Passivität der Außenverteidiger auffangen, indem sie häufiger zum Flügel ziehen, wie es etwa aus einer 4-3-3-Formation heraus gegen Augsburg und Hannover zuletzt zu sehen war.

- Ständige Überzahl gegen Neymar, Cavani und Mbappe:

Ancelotti ließ in Paris Mats Hummels und Jerome Boateng draußen. Heynckes wird das im Rückspiel gewiss nicht tun.

Der von Ancelotti aufgebotene Niklas Süle wurde im Hinspiel mehrfach von Neymar oder Kylian Mbappe aus der Verteidigung herausgezogen, während beispielsweise Nebenmann Alaba nach einem misslungenen Bayern-Angriff noch nicht in Position war. Klar ist: Die Bayern-Abwehrspieler werden gegen die PSG-Angreifer nicht bestehen können, sollten sie zu oft zum Eins-gegen-Eins gezwungen werden. Mbappe ist schlichtweg zu schnell, Neymar zu agil und ballgewandt.

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Normalerweise wartet bei Paris neben Mittelstürmer Edinson Cavani stets ein weiterer Offensivspieler auf Kontersituationen. Die Bayern dürfen - anders als im Hinspiel - nicht gegen den Mann spielen, sondern sollten durchweg in Überzahl bleiben.

Auch das ist keine hundertprozentige Garantie dafür, dass die Startruppe aus der französischen Hauptstadt nie zum Torabschluss kommt. Aber statt ausschließlich auf das weiterhin verbesserungswürdige Gegenpressing zu setzen und zu hoffen, PSG unmittelbar im Mittelfeld zu stoppen, ist eine zusätzliche Absicherung gegen den Wundersturm gefragt.

Die voraussichtliche Aufstellungen:

München: Ulreich - Kimmich, Boateng (Süle), Hummels, Alaba - Martinez, Vidal - Müller, James, Coman - Lewandowski.

Paris: Areola - Dani Alves, Marquinhos, Thiago Silva, Kurzawa - Verratti, Rabiot, Draxler - Mbappe, Cavani, Neymar. 

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