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München - Der Ausfall von Lionel Messi trifft Barca schwer. In der Offensive gibt es kaum Alternativen. Die, die da sind, dürfen nicht auflaufen. Auch nicht durch ein Hintertürchen.

Der Ausfall wiegt schwer. Darüber gibt es keine zwei Meinungen.

"Es war, als habe man dem Camp Nou das Herz amputiert." Bei dieser drastischen Zeile der größten katalonischen Zeitung La Vanguardia liegt es fast schon auf der Hand, dass es sich um das Drama um Lionel Messi handelt, seines Zeichens Superstar und Schlüsselfigur des FC Barcelona.

Der Schock saß tief, als der Argentinier nach einem Zusammenprall und einem kurzen Hüpfen im Liga-Duell mit UD Las Palmas (2:1) plötzlich auf dem Boden lag. Noch tiefer saß er, als die Diagnose folgte: Innenbandriss im linken Knie, sieben bis acht Wochen Pause.

"Wir werden ihn vermissen"

Stimmt diese Prognose, wird er immerhin rechtzeitig zum Clasico gegen Real Madrid am 21. November fit. (SERVICE: Spielplan des FC Barcelona)

Acht Spiele wird der 28-Jährige den Katalanen aber mindestens fehlen, beginnend mit der Partie am Dienstag in der Champions League gegen Bayer Leverkusen (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER).

Völler: "Tut mir fast ein bisschen leid"

Was selbst die Gegner etwas traurig macht: "Es tut mir fast ein bisschen leid, dass er fehlt, weil es immer wieder herrlich ist, ihm zuzusehen", versicherte Bayer-Sportchef Rudi Völler: "Er ist der weltbeste Spieler, aber die Mannschaft ist immer noch toll, mit Bayern München die beste Mannschaft in Europa. Aber wir wollen unsere Haut teuer verkaufen und glaube, wir werden eine gute Vorstellung abliefern."

"Wir hätten uns gewünscht, gegen ihn zu spielen", betonte auch Weltmeister Christoph Kramer: "Dass er ausfällt, ist sicher kein Nachteil für uns. Aber Barca hat elf Spieler, die zu den besten 50 der Welt gehören, da weiß ich nicht, ob das so ein Gewicht haben wird."

Wie wichtig Messi für die Katalanen ist, stellte er nicht nur beim bis dato letzten Aufeinandertreffen mit der Werkself unter Beweis, als er beim 7:1 mit einer Fünf-Tore-Gala glänzte.

Nicht umsonst sprach Trainer Luis Enrique nun von einer Herausforderung, die das Team nun zu meistern habe.

"Er ist der beste Spieler der Welt, wir werden ihn vermissen", sagte ein sichtlich mitgenommener Sergio Busquets.

Messi ohne Form, Barca ohne Titel

Denn der Ausfall des Weltstars könnten tatsächlich gravierend werden für Barca.

Seit Jahresbeginn 2012 verpasste der vierfache Weltfußballer des Jahres nur vier Partien in der Königsklasse, doch die Bilanz seiner Kollegen in dieser Phase ist mit zwei Siegen und zwei Niederlagen nur ausgeglichen.

In der Saison 2013/14 musste der Argentinier wegen eines Muskelrisses im linken Oberschenkel über zwei Monate pausieren. Zwar gewann Barca sechs der sieben Begegnungen ohne den Superstar, allerdings dauerte es eine Weile, bis er wieder seine gewöhnliche Form erreichte - trotz 25 Treffer in 26 Liga-Partien. Am Ende war es eine Saison ohne Titel für die Katalanen.

Nicht nur Messi fällt aus

Nun sollte eine Welt-Mannschaft wie Barcelona den Ausfall kompensieren können. Kann sie. Eigentlich. Das Problem ist nur: Der argentinische Dauerbrenner ist nicht der einzige auf der Verletztenliste der Katalanen.

Darauf tummeln sich etwa noch Rafinha mit einem Kreuzbandriss und Thomas Vermaelen mit Oberschenkelproblemen.

Keine Alternativen in der B-Elf

Ersatz für Offensive? Nominell gäbe es da noch die 20-jährigen Munir El Haddadi und Sandro Ramirez. Beide durchaus talentiert. Aber beide mit der fehlenden Erfahrung für dieses Niveau. Für das Niveau, um Messi im gefürchteten Trio mit Neymar und Luis Suarez adäquat zu ersetzen.

Weitere Stürmer sind im Kader der Katalanen nicht zu finden, die Jugend auf der drittklassigen Reserve haben selbst dort noch Schwierigkeiten, sich der Klasse anzupassen.

Zum Team gehören zwar auch die im Sommer verpflichteten Arda Turan und Aleix Vidal. Wegen der von der FIFA verhängten Transfersperre bis zum 4. Januar 2016 dürfen sie bis dahin allerdings nicht für Barca auflaufen.

FIFA verweigert Nachnominierung

Auch nicht durch ein Hintertürchen. Denn ein Passus im Artikel 124 des spanischen Reglements besagt, dass ein Klub einen Spieler nachnominieren darf, wenn sich ein anderer schwer verletzt und mindestens fünf Monate ausfällt. Was bei Rafinha der Fall wäre. Die FIFA lehnte einen Antrag des spanischen Fußballverbandes jedoch ab.

So bleibt Barca tatsächlich keine andere Wahl, als die Zeit ohne Messi so schadlos wie möglich zu überstehen.

Qualitativ ist das durchaus möglich. Aufgrund der fehlenden Möglichkeiten der Rotation in drei Wettbewerben könnte das den Katalanen aber tatsächlich zur Last fallen. Daher dürften nicht nur Enrique und Busquets hoffen, dass Messi schnell und fit zurückkommt. Um nicht eine titellose Saison wie die 2013/14 zu erleben.

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