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Bielefeld feiert den Einzug ins Pokal-Halbfinale, nur Trainer Meier bremst. Gegner Gladbach zollt dem Außenseiter Respekt. Die Auslosung bringt nicht das erhoffte Ergebnis.

Wir befinden uns am Abend des 8. April 2014. Ganz Bielefeld feiert den Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals... Ganz Bielefeld? Nein! Ein einsamer Käsebrötchen-Liebhaber hört nicht auf, der Euphorie Widerstand zu leisten.

"Ich für meinen Teil werde nach Hause fahren und mich auf das Spiel am Samstag vorbereiten", kündigte Trainer Norbert Meier nach dem erfolgreichen Elfmeter-Krimi gegen Borussia Mönchengladbach an.

Den Aufstieg fest im Blick

Dann wartet auf Tabellenführer Bielefeld mit dem Auswärtsspiel bei Dynamo Dresden wieder der Alltag in der Dritten Liga, bei sechs Punkten Vorsprung vor den letzten sieben Saisonspielen ist die Rückkehr in die Zweite Liga greifbar nahe. Da sollen nicht ausgerechnet die magischen Pokalnächte zum Stolperstein werden.

Zumindest am Abend nach dem Spiel durfte dann aber doch gejubelt werden. "Wir sind außer uns vor Freude. Wir können das noch gar nicht richtig begreifen", sagte ein überglücklicher Sebastian Schuppan.

Kein Wunder, schließlich schreibt die Arminia derzeit an einem modernen Märchen. Vor der Saison lag der Verein am Boden. Durch ein Last-Minute-Gegentor in der Relegation gegen Darmstadt war Bielefeld aus der Zweiten Liga abgestiegen, riesige Finanzprobleme brachten den ehemaligen Bundesligisten an den Rande der Insolvenz.

Träume von der Europa League

Auch aus diesem Grund tut jede weitere Runde im DFB-Pokal den Ostwestfalen besonders gut. Im Idealfall winkt sogar der Einzug in die Europa League - dafür müsste die Arminia nach einer Änderung der UEFA-Regularien aber nicht nur ins Finale kommen, sondern den Rasen des Berliner Olympiastadions am 30. Mai auch als Sieger verlassen.

Ausschließen sollte man das nach der bisherigen Pokalsaison der Bielefelder nicht mehr. Nur in der ersten Runde wurde mit Sandhausen ein Zweitligist ausgeschaltet, es folgten mit Hertha BSC, Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach drei Erstligisten.

"Der Buchstabe B liegt uns wohl", sagte Elfmeterkiller Alexander Schwolow mit Blick auf die Siege gegen Berlin, Bremen und die Borussia.

Alexander Schwolow wird wieder zum Held

Der Torwart hatte zuvor den entscheidenden Elfmeter von Ibrahima Traore pariert und war damit wie schon beim Zweitrundensieg gegen die Hertha zum Bielefelder Held geworden.

"Ich tänzle auf der Linie und versuche den Schützen zu verunsichern", erklärte Schwolow sein Erfolgsgeheimnis, gestand aber auch: "Dass es dann klappt, ist Glück. Ich habe mir halt die richtige Ecke ausgesucht."

Allein mit Glück lässt sich der Durchmarsch der Arminia aber nicht erklären. Schon vor dem Elfmeterschießen hatte der krasse Außenseiter an der Sensation geschnuppert, war durch ein Traumtor von Manuel Junglas (26.) sogar in Führung gegangen.

Max Kruse gelang zwar nur sechs Minuten später per Strafstoß der Ausgleich, insgesamt aber tat sich die Borussia schwer, klare Torchancen herauszuspielen.

Tony Jantschke: "Eine Gurkentruppe ist das nicht"

"Es war nicht einfach heute", musste auch Tony Jantschke gestehen: "Alle tun so, als ob die keinen Fußball spielen könnten. Die haben einen Zweitligakader. Eine Gurkentruppe ist das nicht."

Davon darf sich im Halbfinale jetzt der VfL Wolfsburg überzeugen. Ein weiteres "B" in Form der Bayern oder der anderen Borussia aus Dortmund blieb der Arminia also verwehrt, angst und bange ist in Bielefeld deshalb aber niemandem.

"Auch im Halbfinale ist es wieder nur ein Spiel. Und es gibt nur eine Mannschaft in Fußball-Deutschland, gegen die man nicht gewinnen kann", sagte Fabian Klos, "von daher ist vieles möglich".

Norbert Meier feiert mit Käsebrötchen

Das dachte sich nach dem Sieg gegen Gladbach offenbar auch Norbert Meier, dessen Leidenschaft für Käsebrötchen seit Anfang der Woche sogar roter Faden einer eigenen Smartphone-App ist.

"Eigentlich habe ich überlegt, Mettwurst zu essen", gab Bielefelds Trainer im Siegestaumel überraschend zu Protokoll: "Die war aber nicht da. Schinken mag ich nicht. Deswegen bleibe ich bei Käse."

Und fügte glücklich hinzu: "Dafür haben wir nicht Käse gespielt heute."

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