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Manuel Neuer vom FC Bayern München bei einer Parade
Manuel Neuer parierte im Elfmeterschießen den Strafstoß von Leverkusens Josip Drmic © getty

Leverkusen - Nach dem Elfmeterkrimi der Bayern in Leverkusen erklärt Neuer sein Erfolgsrezept. Siegschütze Thiago entschuldigt sich beim Gegner und wird in Schutz genommen.

Manuel Neuer musste mal kurz wohin. Vor dem Elfmeterschießen verschwand der Welttorhüter noch schnell in den Katakomben der BayArena.

Die einen mögen die Pinkelpause als Nervosität auslegen, die anderen nach der Zusatzschicht über zweimal 15 Minuten als allzu menschliches Bedürfnis (Die Bilder zum DFB-Pokal).

Bayerns Torhüter selbst sah es als optimale Vorbereitung aufs Elfmeterschießen an. Die Erleichterung über das 5:3 gegen Bayer Leverkusen im DFB-Pokal-Viertelfinale war so oder so groß.

Dank Neuers gehaltenem Elfmeter gegen Josip Drmic zogen die Münchner ins Halbfinale ein. Um bei der Lotterie vom Punkt vorher alles auszureizen, hatte Bayerns Nummer eins auch die Kapitänsbinde abgelegt (Wählen Sie Ihren Pokalhelden – Der DFB-Pokal Walk of Fame bei SPORT1).

Torhüter unter Spannung

"Das ist ein angenehmeres Gefühl, da ist ja auch immer ein bisschen Spannung drauf und man tut halt alles, um entspannt ins Elfmeterschießen zu gehen", gewährte Neuer einen kleinen Einblick in die Details des Torhüterlebens.

Spannung war auch in den 120 Minuten zuvor drin. Leverkusen machte über weite Strecken das Spiel, konnte die aussichtsreichen Gelegenheiten aber nicht nutzen.

"Ein bittereres Ende gibt es kaum, weil wir heute auf Augenhöhe gespielt haben. Wir hätten viel mehr verdient gehabt, aber der Ball wollte einfach nicht rein", sagte Leverkusens Schlussmann Bernd Leno zu SPORT1.

In der "Lotterie des Elfmeterschießens" war der deutsche U-21-Nationaltorhüter gegen Thomas Müller und Mario Götze in der richtigen Ecke, doch es fehlten Zentimeter und das berühmte Quäntchen.

Guardiola sitzt nervös am Rand

So abgezockt, wie die Trefferquote der Bayern vom Punkt vermuten lassen könnte, ging das Nervenspiel aber längst nicht vonstatten. 

"Unsere Schützen sind ganz relaxt zum Elfmeterpunkt gegangen und haben den Ball reingehauen", sagte Philipp Lahm süffisant auf die Einschätzung eines Reporters, während seine Stimme und Augen verrieten: Das genaue Gegenteil war der Fall.

"Man muss erstmal fünf solche Schützen wie unsere finden. Die können schon sehr gut schießen", sagte Lahm. Deswegen sei er auch zuversichtlich ins Elfmeterschießen gegangen, das "im Endeffekt auch Glückssache" sei, erklärte Lahm bei SPORT1.

Trainer Pep Guardiola stand die Anspannung während der Entscheidung vom Punkt ins Gesicht geschrieben. Auf einem Klappstuhl eines Ordners am Spielfeldrand verfolgte er den Elfmeterkrimi.

"Alle Schützen haben gut geschossen, auch von Leverkusen. Es ist natürlich bitter, dass aus so einem Spiel einer als Verlierer herausgeht", zeigte Neuer auch Verständnis für die Verlierer. 

Sammer verteidigt Thiago

Dass Thiago den entscheidenden Schuss vom Punkt überhaupt noch ausführen durfte, darf aus Leverkusener Sicht als Ironie des Schicksals gewertet werden.

Während Stefan Kießling nach dem Kung-Fu-Tritt des Spaniers in der 93. Minute verletzt ausgewechselt werden musste, kam der Täter mit Gelb davon. Kießling-Ersatz Drmic verschoss später, Thiago traf.

"Für mich ist Thiago einer der fairsten Spieler, die wir haben", sagte Neuer und nannte es wie Thiago selbst "eine unglückliche Situation".

Bayer Leverkusen v FC Bayern Muenchen - DFB Cup
Thiago sorgte mit seinem Foul gegen Stefan Kießling für Aufregung © getty

Auch Sportvorstand Matthias Sammer betonte: "Ich muss ganz klar sagen, egal wie das aussah: Thiago ist nicht der Spieler, der solche Dinge mit Absicht macht und damit ist es kein Rot."

"Ich habe ihn nicht gesehen und mich tausend Mal bei ihm entschuldigt. Ich habe mit ihm gesprochen, als er am Boden lag, im Elfmeterschießen und in der Kabine", sagte der selbst lange verletzte Spanier.

"Halbfinale dahoam"

Die Leverkusener suchten die Schuld für ihr Ausscheiden auch nicht beim Schiedsrichter. "Wir haben es selbst in der Hand gehabt", meinte Mittelfeldspieler Gonzalo Castro.

Die Auslosung lag dagegen in den Händen von Deutschlands U-21-Trainer Horst Hrubesch, der den Bayern ein Heimspiel gegen Borussia Dortmund bescherte. "Wir haben am Wochenende gesehen, dass wir in Dortmund bestehen können, aber wir werden in ein paar Wochen sicher besser spielen müssen", sagte Lahm.

Von einem vorweggenommenen Endspiel wollte er dagegen nicht sprechen. "Nein, Wolfsburg ist Tabellenzweiter", meinte er mit Blick auf den dritten Halbfinalisten aus der Bundesliga.

Kein Trost für den ewigen Zweiten

An Leverkusen, dem ewigen Zweiten, ging die Verlosung dagegen wieder einmal vorbei. "Wenn du nach 120 Minuten im Elfmeterschießen rausfliegst, gibt es keinen Trost", sagte Castro, "das ist einfach bitter".

"Eigentlich hätte das Spiel keinen Verlierer verdient gehabt, weil auch Leverkusen großartig gekämpft und gespielt hat", meinte Bayerns Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge. Das Leverkusener Leid lindern konnten aber auch diese Worte nicht.

Trost fand Castro dann doch noch, ausgerechnet in der Klasse des Gegners. "Sie sind einfach sehr, sehr cool und abgebrüht in den Situationen, in denen es drauf ankommt", sagte Castro anerkennend.

Neuers Toilettengang kurz vor dem Elfmeterschießen zählte der Leverkusener nicht dazu.

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