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Bielefeld - Der Einzug ins Pokalfinale stärkt das Image des Werksklubs. Matchwinner Maximilian Arnold verrät das Geheimnis seiner beiden Treffer. Bielefeld gewinnt ebenfalls Sympathien.

Daniel Caligiuri wusste nicht so genau, was er da überhaupt an hatte. "Ich hab's selbst noch gar nicht gelesen. Was steht denn da?", fragte der Wolfsburger Mittelfeldspieler erstaunt und ließ den Blick an sich hinuntergleiten.

"Pokal-Finale - 30.05.2015" verkündeten die Grün-Weißen T-Shirts in dicken Lettern, darüber bildeten die Namen der Wolfsburger Spieler die Silhouette des Brandenburger Tors.

Im dritten Anlauf nacheinander ist dem VfL Wolfsburg der Sprung zum DFB-Pokalfinale in Berlin gelungen.

Arminia Bielefeld v VfL Wolfsburg  - DFB Cup Semi Final
Daniel Caligiuri (r.) glänzte gegen Arminia Bielefeld mit drei Torvorlagen © Getty Images

Ein Denkmal werden sie dem Werksklub in der VW-Stadt dafür vermutlich nicht bauen, doch die Wolfsburger Finalisten haben schon jetzt reichlich Punkte gesammelt in der Republik.

Hecking: "Der Tank ist nicht leer"

Vier Treffer innerhalb von 47 Minuten sorgten im Halbfinale bei Arminia Bielefeld für einen erneuten Image-Schub der "Wölfe". Die Gastgeber, in dieser Saison bereits der Pokal-Albtraum von Hertha BSC, Werder Bremen und Borussia Mönchengladbach, hatten dem souveränen Auftritt wenig entgegenzusetzen.

"Unsere Strategie ist aufgegangen", freute sich Wolfsburg-Coach Dieter Hecking nach dem 4:0 gegen die Arminia. "Wir sind stolz, diesen Schritt geschafft zu haben. Die Mannschaft hat eindrucksvoll bewiesen, dass der Tank nicht leer ist."

"Das Pokalfinale ist etwas ganz Besonderes. Das gibt einen Schub für den gesamten VfL Wolfsburg", sagte Wolfsburgs Geschäftsführer Klaus Allofs. "Die Mannschaft hat in diesem Jahr eine ganze Menge an Vorurteilen wegräumen können."

Der VfL habe "ganz tief in der Schublade dringesteckt", hielt Allofs fest. "Inzwischen wird die Mannschaft, so wie sie spielt, von vielen Fans anders gesehen." (SERVICE: Die Stimmen zum Spiel)

Arminia Bielefeld v VfL Wolfsburg  - DFB Cup Semi Final
Ivan Perisic widmete sein Tor gegen Bielefeld dem verstorbenen Junior Malanda © Getty Images

Gedenken an Malanda

Den emotionalsten Moment des Tages gab es unterdessen bereits nach dem 3:0 der Wolfsburger durch Ivan Perisic. 

Der Kroate widmete seinen Treffer seinem verstorbenen Teamkollegen Junior Malanda. Der 20-Jährige war im Januar bei einem Autounfall tödlich verunglückt.

Arnold feiert mit Apfelschorle

Für Matchwinner Maximilian Arnold hatte das Halbfinale einen ganz besonderen Stellenwert in seiner noch jungen Karriere. "Ich war ein bisschen aufgeregt am Anfang - ich weiß auch nicht, was da los war", gab der Doppeltorschütze hinterher zu.

"Aber ich glaube, die Aufregung war ganz gut: Dass ich zwei Tore schieße, habe ich noch nie gemacht, außer mal in der A-Jugend."

Der Mittelfeldspieler feierte den Finaleinzug mit Apfelschorle - und auch sonst hielten sich die Wolfsburger in Bielefeld mit allzu überschwänglicher Euphorie zurück. "Wir wissen, dass am Samstag Hannover 96 kommt. Das Spiel sollten wir nicht auf die leichte Schulter nehmen", warnte Arnold.

"Heute feiern wir ein bisschen, ab morgen gilt: Totale Konzentration auf den zweiten Platz", betonte Allofs bei SPORT1. Die Vize-Meisterschaft und die direkte Champions-League-Qualifikation stehen für den Verein weiterhin an erster Stelle.

Allofs sieht Wolfsburg mit Dortmund auf Augenhöhe

Auf dem Weg dorthin empfangen die Wolfsburger am 33. Spieltag zum Testlauf in der Liga ihren späteren Finalgegner. Dass es Borussia Dortmund und nicht der FC Bayern München geworden ist, stieß bei den Berlin-Fahrern einstimmig auf Zustimmung.

"Mit Bayern im Finale wäre die Rollenverteilung klarer gewesen. So stehen die Chancen 50:50", meinte Hecking. "Es werden zwei Mannschaften sein, die nach vorne spielen."

Zwei Teams "auf Augenhöhe" erwartet auch Allofs im Berliner Olympiastadion. "Das sind die besten Voraussetzungen für ein interessantes und hochklassiges Endspiel", sagte der 58-Jährige.

Klos den Tränen nah

Großen Respekt zeigten die Wolfsburger trotz des deutlichen Sieges vor dem Drittliga-Spitzenreiter. "Wenn die Bielefelder den Ausgleich oder Anschlusstreffer machen, dann bebt das Stadion", sagte der dreifache Vorbereiter Caligiuri.

Dass die Stimmung auf der "Alm" eine ganz besondere war, verschlug den Arminen hinterher fast die Sprache. Die Anhänger feierten ihr Team nach dem Spiel für eine tolle Pokal-Saison. "Unsere Fans - dafür habe ich keine Worte. Was sich nach einer 0:4-Niederlage für Szenen abgespielt haben, ist unfassbar", sagte Stürmer Fabian Klos.

"Du stehst da unten, schaust auf die Ränge, bekommst Gänsehaut und musst aufpassen, dass du nicht anfängst zu weinen", meinte der Arminen-Kapitän.

Wolfsburg hingegen hat sich die Tränen - es wären Tränen der Freude - noch für Berlin aufgehoben.

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