vergrößernverkleinern
Sebastian Kehl traf aus der Distanz zum 3:2
Sebastian Kehl traf aus der Distanz zum 3:2 © Getty Images

Dortmund - Der Routinier schießt den BVB mit einem Traumtor in der Verlängerung ins Halbfinale. Gisdol und Volland ärgert der "Sonntagsschuss". Ein Dortmunder Abwehrspieler trifft und patzt.

Dank Sebastian Kehl darf Borussia Dortmund weiterhin auf einen Titel und den Sprung in die Europa League als versöhnlichen Abschluss einer verkorksten Saison hoffen.

Der deutsche Vizemeister zog durch einen schwer erkämpften 3:2 (2:2, 1:2)-Sieg nach Verlängerung über 1899 Hoffenheim ins Halbfinale des DFB-Pokals ein. Routinier Kehl (107.) gelang der entscheidende Treffer durch einen Traumschuss aus 25 Metern. 

"Das Pokalfinale in Berlin ist für mich das geilste Finale überhaupt. Dementsprechend muss man dahin", sagte Trainer Jürgen Klopp nach dem Spiel: "Ich finde, wir waren genau den Tick besser, wie es das Ergebnis ausdrückt. Es war ein super intensives Spiel. Wir haben das gut gemacht. In der zweiten Halbzeit hat meine Mannschaft eine tolle Reaktion gezeigt."

Dem Tabellenzehnten der Bundesliga und dreimaligen Pokalsieger winkt die zweite Finalteilnahme in Folge, während den Kraichgauern nach dem siebten vergeblichen Anlauf zum Sprung ins Pokal-Halbfinale in der Bundesliga noch die realistische Chance auf einen Europacup-Platz bleibt.

Sieg "tut BVB-Seele gut"

"Das war ein grandioser Schuss", lobte Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc den früheren Kapitän Kehl, der auf seiner Abschiedstour sein erstes Pokaltor für den BVB schoss, bei Sky: "Insgesamt waren wir ein Tor besser. Das tut der BVB-Seele richtig gut."

Hoffenheims Nationalstürmer Kevin Volland meinte in der ARD: "Wenn Du nach seinem einem Spiel durch einen solchen Sonntagsschuss verlierst, ist das echt bitter."

Vor 80.667 Zuschauern in der ausverkauften Dortmunder Arena hatte Neven Subotic (19.) den BVB in Führung gebracht, Kevin Volland schon zwei Minuten später für den Ausgleich gesorgt. Roberto Firmino (28.) nutzte einen kapitalen Fehler von Subotic, bevor Pierre-Emerick Aubameyang (57.) zum 2:2 traf.  

Hummels und Reus verletzt

Zunächst mussten die Borussen eine Hiobsbotschaft verkraften und auf die nach dem Heimspiel am Samstag gegen Bayern München (0:1) angeschlagenen Nationalspieler Mats Hummels (Oberschenkelprobleme) und Marco Reus (Adduktoren-Beschwerden) verzichten. Dafür kam unter anderem Weltmeister Erik Durm nach langer Verletzungspause erstmals in diesem Jahr zum Einsatz.

Dennoch übernahmen die Dortmunder sogleich das Regiment und prüften Hoffenheims Torhüter Oliver Baumann in der Anfangsphase mit zwei Warnschüssen. Im Gegensatz zu den Gästeteams der vergangenen Wochen boten die Kraichgauer dem BVB ausreichend Räume für sein schnelles Umschaltspiel.

Die Highlights zum Spiel zum Nachhören auf SPORT1.fm

Subotic trifft und patzt

Es bedurfte jedoch eines Eckballs, den Subotic mit einem Flachschuss zur Führung der Westfalen nutzte. Die Freude der BVB-Fans währte nur kurz, weil Volland ebenfalls nach einer Ecke aus 14 Metern freistehend unhaltbar traf.

Doch damit nicht genug: Nachdem Subotic wenig später eine Kopfballverlängerung von Volland nicht kontrollieren konnte, nutzte Firmino freistehend die Chance zum 2:1. Der Brasilianer überwand Mitch Langerak mit einem wundervollen Heber.

Der Treffer zeigte Wirkung, den aggressiven, aber überwiegend ideenlosen Angriffen des BVB standen zu diesem Zeitpunkt wesentlich gefährlichere Konter der Kraichgauer gegenüber, die sich nach der Führung zunächst wesentlich selbstbewusster präsentierten.

"Für neutrale Zuschauer eine tolle Partie. Es ist schade, dass wir ausgeschieden sind. Wir hatten gute Phasen, Dortmund hatte gute Phasen", meinte Hoffenheims Coach Markus Gisdol: "Der Sonntagsschuss von Kehl hat uns weh getan. Wir hatten noch ein, zwei gute Chancen, um nochmal in Führung zu gehen. Aber es sollte heute halt nicht sein."

Kampl verpasst Entscheidung

Nach dem Wechsel starteten die Westfalen wütende Angriffe und erhöhten den Druck auf die Hoffenheimer, die kaum noch die Zeit zum entlastenden Spielaufbau fanden. Nach einer Flanke von Durm köpfte Aubameyang fast folgerichtig zum 2:2 ein. Anschließend spielten sich phasenweise turbulente Szenen im Strafraum der Gäste ab, auch in der Verlängerung blieb der BVB am Drücker. Zu Beginn der zweiten Hälfte der Extrazeit schlug dann Kehl zu.

"Ich habe den Ball gar nicht mal so feste getroffen und hatte am Ende ein bisschen Glück, dass er gegen den Innenpfosten geht", sagte der Mittelfeldspieler, der im Sommer seine Karriere beenden wird: "Beide Mannschaften haben sehr viel investiert, das war ein Finale, auch wenn es noch keinen Pokal gibt."

Anschließend hätte Kevin Kampl noch erhöhen müssen. Doch der Joker brachte aus kurzer Distanz das Kunststück fertig, den Ball über das Tor zu schießen. Hoffenheim versuchte in den Schlussminuten noch einmal alles, doch Dortmund brachte den Sieg über die Zeit.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel