Video

Leverkusen - Mit Moral kompensiert der FC Bayern auch in Leverkusen die vielen Ausfälle. Thiago wird nach langer Leidenszeit zum Matchwinner. Dem kleinen Spanier kommt im Endspurt eine große Rolle zu.

Die Geste von Manuel Neuer war eindeutig. Mit dem Finger seiner Torwartpranke zeigte er auf der erfolgreichen Siegschützen des Elfmeterkrimis.

Thiago Alcantara war in Leverkusen neben Neuer der umjubelte Mann unter den siegreichen Akteuren des FC Bayern.

Dabei erlebte der 1,72 Meter große Spanier nach seiner Einwechslung für Philipp Lahm in den verbleibenden 53 Minuten eine Zeit zwischen Himmel und Hölle.

Himmlisch seine Ballbehandlung, das Streicheln des Spielgerätes. Höllisch seine zum Teil unpräzisen Abspiele sowie sein Kamikaze-Einlage gegen Stefan Kießling, nach der der Edeltechniker eigentlich Rot hätte sehen müssen.

Sammer: "Normalerweise nicht kompensierbar"

Trotzdem, am Ende eines Thrillers blieb die Erkenntnis: Der nach langer Leidenszeit zurückgekehrte Thiago tut dem FC Bayern trotz mangelnder Fitness und Spielpraxis schon wieder gut - und könnte im Saisonendspurt ein ganz wichtiger Faktor sein.

Trainer Pep Guardiola hatte nach dem Comeback seines Lieblingsspielers am vergangenen Samstag in Dortmund auf die Frage, was wichtiger gewesen sei, Thiagos Rückkehr oder der Sieg, gesagt: "Thiago!"

In Leverkusen wurde deutlich, warum. Spielerisch war der Mittelfeldspieler ein Lichtblick, nachdem Mario Götze als Ersatz für Bastian Schweinsteiger völlig abtauchte. Mit 83 Ballkontakten und einer Passquote von immerhin 87 Prozent stand Thiago als Ballverteiler gleich im Mittelpunkt.

Guardiola braucht den talentierten Kreativspieler mehr denn je. Arjen Robben, Franck Ribery, David Alaba – alle verletzt. Seit Mittwochabend auch noch Benatia, der eine Oberschenkelverletzung davontrug.

"Normalerweise ist das nicht kompensierbar", sagte Sportvorstand Matthias Sammer.

"Wir brauchen nicht über die zu reden, die nicht da sind. Die nützen uns jetzt nichts, außer dass wir hoffen, dass sie schnell zurückkommen, aber so richtig gut sieht es nicht aus", sagte Sammer weiter.

Thiago schweigt

Fußballerisch läuft beim Rekordmeister momentan zu wenig zusammen, wie 120 torlose Minuten in Leverkusen belegen. Auf die Torflaute angesprochen, ließ Sammer sich nach dem Halbfinal-Einzug jedoch nicht aus der Ruhe bringen.

"Jetzt Dinge negativ in den Mittelpunkt zu stellen, das gelingt selbst mir nicht", sagte der 47-Jährige.

"In der einen oder anderen Spielsituation fehlt schon ein genialer Moment von Franck oder Arjen, aber bis jetzt machen wir das mit Leidenschaft und Kampfgeist sehr gut wett", sagte Sebastian Rode bei SPORT1.

Rummenigge: "Der Trainer ist genial"

Welchen Stellenwert Thiago für Guardiola hat, unterstrich auch seine Nominierung als fünfter Elfmeterschütze. Nun soll der zweimalige U-21-Europameister auch den Rest der Saison für die Bayern (mit)entscheiden.

Die Meisterschale ist bei zehn Punkten Vorsprung nicht in Gefahr. Doch um DFB-Pokal und Champions League zu holen, müssen sich die Münchner spielerisch steigern.

Guardiolas bewegt sich damit auf einem schmalen Grat. Doch wer das Triple holen will, muss auch ein gewisses Risiko in Kauf nehmen. Die Bayern-Bosse vertrauen dabei voll und ganz auf seine Inspiration.

"Der Trainer ist genial, ihm fällt immer wieder was ein", sagte Karl-Heinz Rummenigge: "Er hat viele Pläne, nicht nur A, B oder C, sondern ich habe den Eindruck, das ganze Alphabet hoch und runter", so der Vorstandsvorsitzende.

Thiago ist in diesem Planspiel momentan der Faktor X – derjenige, der am Ende den Unterschied ausmachen kann.

Lahm als Bedenkenträger

Jeder Rückkehrer schenkt dem Trainer neue Hoffnung, seine Triple-Mission zum Erfolg zu führen. So wie Philipp Lahm, der bei seinem zweiten Startelf-Einsatz in diesem Jahr noch nach seiner Form suchte.

Der 31-Jährige weiß, dass auch der hochwertige Kader die Ausfälle nicht auf Dauer verkraften kann. "Die Frage ist doch, wie lange sowas gutgeht", sagte Lahm: "Viele Spieler haben schon viele Minuten hinter sich, ein paar Spieler wie Thiago, Holger Badstuber oder ich kommen aus der Verletzung."

Statt spielerischer Leichtigkeit beschwört er Tugenden wie Einsatz, Wille, Zusammenhalt. "Im Kopf haben wir kein Problem: Jeder will alles geben und für die Mannschaft arbeiten. Dass es fußballerisch nicht so überragend aussieht, dafür gibt es bestimmte Gründe", sagte Lahm.

Anstrengende Wochen

Das Bayern-Gen, es könnten auch diese Saison zu einer der erfolgreichsten in der Klub-Geschichte machen.

"Nach der Niederlage gegen Gladbach haben wir zwei richtige Antworten gefunden, aber wir gehen weiter und wissen, dass die nächsten Wochen anstrengend werden", sagte Sammer.

Auf die Frage, wie viele Ausfälle selbst ein Kader wie der des FC Bayern noch kompensieren könne, hatte Bayerns Sportvorstand eine klare Antwort: "Gar keine!"

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel