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Gonzalo Castro wechselte 1999 vom SV Bayer Wuppert in die Jugend von Bayer Leverkusen © Imago

München - Castro überzeugt mit starken Leistungen, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Vor Leverkusens Pokalspiel gegen den FC Bayern steht der Deutsch-Spanier doppelt im Fokus.

Hakan Calhanoglu glänzt als Vorbereiter und Freistoß-Schütze.

Karim Bellarabi? Technisch stark. Schnell. Torgefährlich.

Und da wäre in den Reihen von Bayer Leverkusen auch noch Bernd Leno, der Parade um Parade auf sich aufmerksam macht.

Doch einer ging dabei zuletzt förmlich unter: Gonzalo Castro. Dabei gehört der Deutsch-Spanier seit Jahren zum Stamm der Werkself, liefert Woche für Woche grundsolide Leistungen ab. Nur eben nicht so auffällig.

Zurückhaltend nach Top-Leistung

Dass meist nur seine Teamkollegen im Vordergrund stehen, kommt dem 27-Jährigen keineswegs ungelegen. Dass der Fokus nach dem jüngsten 4:0-Erfolg gegen den Hamburger SV auf ihn gerichtet war, war ihm beinahe schon unangenehm.

"Solche Tage hat man auch nicht immer", sagte Castro, nachdem er mit zwei Treffern und zwei Assists entscheidenden Anteil am Erfolg hatte. Es war das erste Mal in der Fußball-Eliteklasse, dass er auf diesen Wert kommt.

Doch großes Spektakel? Das ist nicht sein Ding: "Ich bin nicht der Typ, der seinen Namen in der Zeitung lesen muss." Viel mehr freute er sich über die zwei Treffer von Stefan Kießling: "Das war für seine Seele und seinen Kopf enorm wichtig."

Leverkusens bester Vorbereiter

Für Castro galt: Es war nicht sein erstes starkes Spiel im Leverkusener Dress. In dieser Saison bringt er es in 18 Einsätzen bislang auf neun Vorlagen - Bestwert in den eigenen Reihen. Kein Wunder, dass das Selbstvertrauen vor dem DFB-Pokal-Viertelfinale gegen den FC Bayern (ab 20 Uhr im LIVETICKER und auf SPORT1.fm) entsprechend groß ist.

"Wir wissen, was wir können und können mit breiter Brust aufspielen. Unser Konterspiel ist enorm schnell und gut. Aber die Bayern können ein Spiel auch dominieren und einen Gegner an die Wand spielen", sagte Castro.

Der Dauerbrenner - seit 1999 im Verein, mit 17 seinen ersten Einsatz im Bundesliga-Team - fällt zwar kaum als Führungsspieler auf, zählt jedoch seit Jahren zu den souveränen Vorbereitern. In 282 Bundesliga-Partien kommt der spielintelligente Techniker auf 63 Assists.

Castro kann auch außen spielen

Gegen Hamburg lief Castro zum ersten Mal in dieser Saison hinter den Spitzen auf, weil Calhanoglu eine Pause erhalten hatte. Mit großem Erfolg. Doch Castro weiß, dass sein Platz woanders ist: "Eigentlich bin ich der Sechser, und Hakan Calhanoglu ist der Zehner."

Was leicht untertrieben ist. Castro ist auch mit der Rolle des rechten Außenverteidigers vertraut, wo er immer wieder mal aushelfen musste, aber seine Qualitäten nicht gänzlich einbringen konnte. 

Im Zentrum dagegen läuft es. Was Castro nicht überbewerten will. "Ich spiele gut", sagt er: "Aber das ist auch immer ein Verdienst der Mannschaft. Wenn die gut spielt, spielt auch jeder einzelne Spieler gut."

Entscheidung über Zukunft naht

Jedenfalls sind seine Leistungen so gut, dass mehrere Vereine auf ihn aufmerksam geworden sind. Dem Vernehmen nach auch der FC Bayern. Dort also, wo Leverkusens ehemaliger Kader-Manager Michael Reschke nun tätig ist, der als Castros Fan gilt. Dort, wo Trainer Pep Guardiola von so vielseitigen Profis wie Castro begeistert ist.

"Sein Vertrag läuft 2016 aus, und Gonzo ist in einer hervorragenden Verfassung", äußerte sich Leverkusens Coach Roger Schmidt. "Damit müssen wir uns natürlich beschäftigen. Ob an ihm wirklich Interesse besteht bei den Bayern, kann ich nicht beurteilen."

Die Weichen werden vermutlich in den kommenden Wochen gestellt.

"Wenn ich nicht jetzt im Sommer den Verein verlasse, dann brauche ich vermutlich nicht mehr zu wechseln", sagte Castro jüngst im kicker-Interview. Gespräche mit Bayer soll es Ende April geben.

DFB-Team noch nicht abgehakt

Länger keinen Kontakt hingegen hatte Castro mit Bundestrainer Joachim Löw. Auf fünf Länderspiele kann er zurückblicken. Sein bislang letztes bestritt er im November 2007 beim 0:0 in der EM-Quali gegen Wales.

Dass es nicht mehrere Einsätze geworden sind, "daran trage in erster Linie ich die Schuld. Ich habe nicht immer meine Leistung gebracht", räumte Castro selbstkritisch ein. "Inzwischen spiele ich jedoch konstant, und deshalb habe ich die Nationalmannschaft auch noch nicht abgehakt. Ich bin mit 27 Jahren jung genug und würde mich über eine Berufung natürlich freuen."

Eine forsche Aussage für jemanden, der sonst eher zurückhaltend ist - jedoch ist diese mit einer Einschränkung versehen: "Nicht als Außenverteidiger, nur weil es so wenige gibt. Die Zeiten sind vorbei. Das Thema ist erledigt."

Seine Stärken liegen eben im Zentrum.

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