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Dortmund - Der BVB will mit einem Sieg in München den Traum vom Korso um den Borsigplatz am Leben halten. Statistisch gesehen stehen die Chancen für Klopp und sein Team gut.

Noch einmal um den Borsigplatz fahren. Gerne auch zweimal. Oder dreimal. Ruhig auch viermal. Das ist der große Traum von Jürgen Klopp

Nicht irgendwie durch den Kreisverkehr, der an der Wiege des BVB entlang führt. Das könnte Borussia Dortmunds Trainer mit seinem Opel Insignia theoretisch jeden Tag haben.

"Mit gutem Grund auf einem Lastwagen um den Borsigplatz zu fahren", das ist der letzte Traum, den der scheidende Klopp sich für seinen Abschied wünscht, durch ein jubelndes Fahnenmeer begeisterter und feiernder Fans.

"Das wäre ziemlich lässig", hatte der 47-Jährige bei seiner Rücktrittsankündigung vor anderthalb Wochen gesagt.

Umweg über München

Der (Um-)Weg zum Borsigplatz, er führt wieder einmal über München. Gut 600 Kilometer weiter südlich entscheidet sich am Dienstag in der Allianz Arena, wer am 30. Mai in Berlin um den DFB-Pokalsieg kämpfen darf. Bayern oder Dortmund - es kann nur einen geben.

"Wer Pokalsieger werden will, muss irgendwann Bayern München schlagen - egal, wo", weiß Klopp. Das war auch in den vergangenen drei Jahren so. Der letzte Sieg im Pokal gegen die Bayern gelang dem BVB am 12. Mai 2012 im Finale in Berlin mit 5:2.

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Was folgte, war eine rauschende Partynacht und tags darauf eine Riesen-Doublesause – rund um den Borsigplatz natürlich.

2013 war dagegen im Viertelfinale in München Schluss (0:1), voriges Jahr besiegten die Bayern Kopps Elf im Finale 2:0 nach Verlängerung.

Klopp keine "lame duck"

"Ich hoffe, dass man uns am Dienstag wirklich ansieht, dass wir unbedingt den Pokal gewinnen wollen", sagte Klopp am Samstag nach der gelungen Halbfinal-Generalprobe, dem 2:0 gegen Eintracht Frankfurt.

Klopp will sich nicht aus dem Pokal verabschieden. Schon gar nicht mit Blumen aus den Händen der Bayern-Bosse.

"Es ist eine sehr nette Geste, aber wir sind am Dienstag auf Krawall gebürstet und wollen uns nicht mit Blumen weichkochen lassen", sagte Klopp. 

Es passt zu dem Tatendrang, der im in diesen letzten Wochen deutlich anzumerken ist. Wer nach der Ankündigung des vorzeitigen Rücktritts eine "lame duck" befürchtete, sieht sich getäuscht.

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Auch bei Sorgenkindern wie Shinji Kagawa oder zum Teil auch Henrikh Mkhitaryan zeigt die Formkurve auf der Zielgeraden der Saison nach oben.

Die Chancen auf einen Sieg gegen die Bayern stehen gar nicht so schlecht. Statistisch gesehen zumindest. In den 16 Duellen seit der Saison 2010/2011 in Liga, Pokal, Champions League und Supercup ist die Bilanz ausgeglichen.

Durm: "Bin noch nie um den Borsigplatz gefahren"

Sieben Mal siegten die Bayern, ebenso oft die Borussen. Nur zwei Partien endeten Unentschieden. In der Allianz Arena gab es in den vergangenen vier Jahren drei Dortmunder Siege, ein Remis und drei Niederlagen.

Doch der erklärte Favorit ist in diesem Jahr der FCB, erst recht nach seinem Kantersieg gegen Porto. "Ich glaube, es wird kein 6:1 werden, weder für uns noch für die Bayern. Es werden Kleinigkeiten entscheiden", ist sich Dortmunds Matthias Ginter sicher.

Dem 21 Jahre alten Weltmeister geht es wie seinem nur zwei Jahre älteren Dortmunder Kollegen Erik Durm, der sagt: "Ich bin noch nie um den Borsigplatz gefahren." Aus BVB-Sicht höchste Zeit das zu ändern, Super-Bayern hin oder her.

Reus rückt in die Startelf

"Die Bayern kommen uns jetzt gerade gelegen. Wir können unseren Schwung aus der Bundesliga mitnehmen und genau so ins Pokal-Halbfinale gehen", sagte Shinji Kagawa, der vor drei Jahren beim 5:2 im Finale gegen München einer der herausragenden Akteure war.

Klopps letzten Traum will die Mannschaft ihrem Trainer unbedingt erfüllen. "Die Bayern haben eine große Mannschaft, aber wir wollen versuchen, diese unglückliche Saison vergessen zu machen – für den Trainer, aber auch für unsere Fans und uns selbst", sagte Innenverteidiger Sokratis.

Rechtzeitig hat sich dafür Marco Reus wieder fit gemeldet. Gegen Frankfurt schnupperte er nach auskurierten Adduktoren-Problemen 23 Minuten lang Bundesliga-Luft, am Dienstag soll er in die Startelf zurückkehren.

Aubameyang: "Müssen aggressiv stören"

Sein Angriffspartner Pierre-Emerick Aubameyang präsentiert sich schon wieder in Topform. Am Samstag überzeugte Dortmunds Topscorer als lässiger Elfmeter-Vollstrecker und pfeilschneller Vorlagengeber. (Die Highlights zum Nachhören auf SPORT1.fm)

Dass der BVB dank seines gechippten Elfers erstmals in dieser Saison per Strafstoß traf, darf als gutes Omen für ein mögliches Elfmeterschießen gedeutet werden.

"So eine Mannschaft darf man nicht spielen lassen", sagte Aubameyang über die Bayern und fügte hinzu: "Wir müssen sehr aggressiv stören und versuchen, unser Spiel zu machen. Warum sollen wir nicht gewinnen? Alles ist möglich."

Fraglich ist noch der Einsatz des strategisch wichtigen Sechsers Ilkay Gündogan, dessen eitrige Rachenentzündung mit einem Antibiotikum bekämpft wird. "Man hat mir angedeutet, es könnte reichen", sagte Klopp am Samstag.

Kehls letztes Duell mit den Bayern

Als weitere Option auf der Doppelsechs neben Sven Bender bietet sich Sebastian Kehl an. "Er will unbedingt", weiß Klopp über den Helden des Viertelfinals.

Am 7. April hatte der Routinier in der Verlängerung gegen Hoffenheim mit einem Dropkick-Hammer das Duell in München überhaupt erst möglich gemacht.

Für Kehl ist es das finale Aufeinandertreffen mit dem FC Bayern in seiner Laufbahn, die er im Sommer beenden wird. Den Borsigplatz kennt der 35-Jährige besser als jeder andere Borusse im Kader.

Mit Klopp zusammen dort noch einmal auf einem offenen Truck zu fahren, das könnte sich auch Kehl als gemeinsames Abschiedsszenario nicht schöner ausmalen.

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