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Dortmund - Mit seinem Dropkick lässt Sebastian Kehl einen Fan im Stadion besonders jubeln. Trainer Jürgen Klopp verrät, wie er seine Mannschaft in der Halbzeit angestachelt hat.

Fast 80.000 Zuschauer hatte Sebastian Kehl am späten Dienstagabend im Signal Iduna Park mit seinem Siegtreffer glücklich gemacht - und einen ganz besonders.

"Mein Sohn hat Schulferien und war im Stadion. Da kann ich mir heute Abend noch ein paar Kommentare anhören", sagte der Matchwinner nach dem dramatischen 3:2 im DFB-Pokal-Viertelfinale gegen die TSG Hoffenheim.

Mit seinem Dropkick aus 25 Metern in der 107. Minute der Verlängerung hatte der Routinier den Einzug von Borussia Dortmund ins Halbfinale perfekt gemacht.

"Ich habe gar nicht so fest drauf geschossen, sondern einfach versucht den Ball sauber zu treffen. Das ist mir ganz gut gelungen. Ich habe dann schon gesehen: Er fliegt ganz gut", sagte Kehl über seinen Sonntagsschuss.

Subotic hat einen neuen Helden

"Ein bisschen Glück gehört immer dazu. Ich habe es in der Situation einfach mal versucht. Ab und zu muss man einfach mal draufhauen. Früher habe ich wohl den Fehler gemacht, zu viel nachzudenken", stellte der der 35-Jährige trocken fest.

Sein Torjubel war dann einer der Marke "old fashion". "Ich habe mich auf die Knie fallen lassen, das macht man so in meiner Generation", sagte Kehl.

Neven Subotic wusste unterdessen, bei wem er sich bedanken durfte. "My Hero: Sebastian Kehl", twitterte der unfreiwillige Vorbereiter zum zwischenzeitlichen 1:2 und schickte ein dreifaches "THANK YOU" an seinen Helden hinterher.

Subotic' Führungstreffer in der 19. Minute und den groben Schnitzer des Dortmunder Innenverteidigers nur neun Minuten später hatte BVB-Trainer Jürgen Klopp in der Halbzeitpause zum Anlass genommen, seine Elf wieder in die Spur zu bringen.

"Ich habe den Spielern gesagt, dass sie es in der Hand haben, mit welchem Gefühl Neven heute Abend nach Hause geht", berichtete Klopp. "Für einen Mannschaftskollegen kann man ruhig eine Schippe draufpacken", so der 47-Jährige.

Erfolgreiches Flügelspiel

Das taten seine Spieler dann auch und boten, angetrieben von der Südtribüne, einen packenden Pokalfight. Die Ausfälle von Mats Hummels und Marco Reus gerieten angesichts der Vorstellung nach dem Wiederanpfiff in Vergessenheit.

Mit Leidenschaft stemmten sich Klopps Schützlinge gegen die Niederlage, erspielten sich Chancen, nicht nur durch die Mitte, sondern seit langem auch mal wieder über die Flügel.

Die Highlights zum Spiel zum Nachhören auf SPORT1.fm

So fiel auch das 2:2 von Pierre-Emerick Aubameyang nach einer Flanke von Rechtsverteidiger Erik Durm - ehe Kehl dann doch wieder knallhart durch die Mitte kam.

Wichtiger als seinen Treffer, sein erstes Pokaltor in seinen mehr als 13 Jahren im Borussen-Dress, fand Kehl den Sieg. "Die Phase ist ja nicht ganz einfach für uns. Nach den turbulenten vergangenen Wochen haben wir jetzt etwas Euphorie entfacht", sagte er. Deshalb sei es "für die Mannschaft sehr wichtig, diesen Strohhalm internationaler Wettbewerb über Berlin und vielleicht einen möglichen Titel aufrecht zu erhalten".

Kehl: "Nicht zu viel träumen"

Für Kehl könnte das Pokalfinale der krönende Abschluss seiner aktiven Laufbahn werden, deren Ende beschlossene Sache ist.

Klar würde ihm dieses Szenario gefallen, meinte Dortmunds Nummer fünf, fügte aber direkt warnend hinzu: "Zu viel träumen sollten wir nicht. Ich glaube, das haben wir uns in dieser Saison abgeschminkt."

Sven Bender, der nach gut einer Stunde mit einer Oberschenkelprellung vom Platz musste, hofft durch den Erfolg auf Rückenwind für die restlichen sieben Bundesliga-Spiele. Am Samstag geht es zunächst zum Tabellendritten Mönchengladbach

"Du bist in Rückstand, kommst zurück, zeigst eine sehr engagierte zweite Halbzeit, wo jeder merkt, wir sind da, wir sind griffig, machen Dampf und wollen unbedingt, musst dann in die Verlängerung, aber steckst nie auf und kommst dann mit so einem Treffer weiter - ich hoffe, dass uns das einen Schub gibt", sagte der gut aufgelegte Sechser. 

"Wir haben eine Marke gesetzt: Wir sind noch da", sagte Klopp. "Jetzt werden Wunden geleckt, davon haben wir genug, das Spiel war intensiv", so der BVB-Coach, der heute Abend gespannt die Auslosung des Halbfinales verfolgen wird.

Für die Dortmunder gibt es zwar keinen Wunschgegner, aber einen Wunschort: "Hoffentlich wieder ein Heimspiel", sagte Kehl.

Hoffenheimer hadern

Borussia Dortmund v 1899 Hoffenheim - DFB Cup
Hoffenheim verpasst auch im siebten Anlauf den Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals © Getty Images

Für Hoffenheim endeten die Pokalträume dagegen wieder einmal im Viertelfinale. "Es war haarscharf", sagte Hoffenheims Coach Markus Gisdol.

120 Minuten hatten die Kraichgauer eine gute Leistung geboten, waren auch in der zweiten Halbzeit jederzeit durch Konter gefährlich.

"Es war von beiden Mannschaften ein absoluter Fight, Dortmund hat viel investiert. Am Ende kann man nur gratulieren", sagte TSG-Kapitän Andreas Beck enttäuscht.

Kevin Volland kam nicht umhin, die Niederlage am Matchwinner festzumachen: "Wenn du nach 120 Minuten durch so einen Sonntagsschuss verlierst, ist das bitter."

Bald mehr Zeit für den Sohn

Ein gewisser Kehl junior sah das auf der Tribüne ganz anders.

In Zukunft wird er übrigens zwar keine Tore seines Vaters bejubeln, dafür aber mehr Zeit mit ihm verbringen können.

Auf das bevorstehende Karriereende nach der Saison angesprochen, entgegnete Sebastian Kehl: "Es sieht so aus, ja."

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