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Berlin - Wolfsburg kehrt nach seinem Triumph im DFB-Pokal nach Hause zurück und wird ab sofort anders wahrgenommen als bisher. Nämlich als eindeutiger Bayern-Jäger.

Von Marcel Jarjour

Die großen schwarzen Sonnenbrillen ließen schon erahnen, welches Ausmaß die große Pokalsiegerparty des VfL Wolfsburg gehabt haben muss.

Die ganze Nacht feierte die Mannschaft im Nobelclub "Spindler und Klatt" in Kreuzberg. Grund dazu hatten sie allemal: Mit 3:1 hatten sie Borussia Dortmund und Jürgen Klopp in seinem letzten Spiel aus dem Olympiastadion geschossen und den Pokal das erste Mal in die Autostadt geholt.

Doch aller Müdigkeit zum Trotz machten Andre Schürrle, Bas Dost, Kevin De Bruyne und Co. einen frischen Eindruck bei ihrer Ankunft mit dem Sonderzug aus Berlin, feierten die große Party weiter und genossen beim Autokorso in Richtung Rathaus das Bad in der Menge, wo der offizielle Empfang vor 15.000 Fans auf sie wartete.

Krönung einer "überragenden Saison"

Kapitän Diego Benaglio machte es sich mit dem Pokal neben Geschäftsführer Klaus Allofs und Aufsichtsratsboss Francisco Javier Garcia Sanz bequem, während der Korso langsam durch die Massen vorankroch.

"Wir haben eine überragende Saison mit einem überragenden Spiel gekrönt", sagte Trainer Dieter Hecking vor dem Start.

Wolfsburg war für einen Tag die nationale Fußballhauptstadt und will künftig solche Feiertage öfters begehen.

Erfolg kommt früher als geplant

Denn mit dem Sieg im DFB-Pokal, dem zweiten Platz in der Bundesliga und der direkten Qualifikation für die Champions League hat der VfL in dieser Saison einen mehr als deutlichen Schritt hin zur Nummer zwei im deutschen Fußball gemacht.

Doch traute man seinen Ohren nicht, als Hecking kurz nach dem Triumph im Pokalfinale seine Sicht der Dinge zur erfolgreichsten VfL-Saison seit sechs Jahren erklärte: "Wir sind etwas vor unserer Zeit, was wir eigentlich leisten wollten", sagte der 50-Jährige.

Mit "wir" meinte er Allofs und eben sich selbst. Seit Dezember 2012 ist das Duo im Amt und die jetzigen Erfolge standen nicht unbedingt auf dem Zettel der Saisonziele für dieses Jahr. Doch sich dem Pokal verwehren wollte Hecking dann doch nicht. "Den Erfolg nimmt man natürlich gerne mit", sagte er. 

Zweite Kraft in Deutschland

Dass die Wolfsburger nach Samstag nun allen Grund haben, offen über die Meisterschaft zu sprechen, ist nicht überraschend.

"Es wird nicht einfach für den BVB, in der kommenden Saison ganz oben mitzuspielen. Wolfsburg kann vom Potenzial her die zweite Kraft hinter Bayern werden", sagte selbst Bundestrainer Joachim Löw.

Mit dem souveränen Erfolg gegen den BVB hat der VfL seinen Marktwert deutlich gesteigert und die Messlatte hoch gelegt. Das ist allen Beteiligten klar, damit können sie sich anfreunden. "Wir sind nicht mehr uninteressant", sagte Hecking. Recht hat er, nach dieser Saison mit vielen emotionalen Momenten - positiver oder negativer Natur.

Mannschaft spielt für Malanda

"Ich habe der Mannschaft in der Pause gesagt, wenn uns die Kraft ausgeht, haben wir noch einen zwölften Mann, der hilft uns heute. Und er hat uns geholfen", meinte der Coach.

Der im Januar verunglückte Junior Malanda war allgegenwärtig, auf dem extra angefertigten Trikot mit dem grünen Herzen und seiner Trikotnummer 19, in den Köpfen der Spieler, auf den zahlreichen Fahnen der Fans - und auch beim Autokorso.

"Junior Malanda war nicht nur heute präsent, er war in der gesamten Rückrunde präsent", so Hecking. "Wir haben heute für ihn gewonnen", machte Abwehrchef Naldo unmissverständlich deutlich.

Die Mischung macht's

Woher der Erfolg kommt? "Es ist der Mix der Spieler. Natürlich wissen wir, dass wir durch unsere Sponsoren vielleicht Möglichkeiten haben, die andere Vereine nicht haben", so Hecking.

Doch neben den Superstars De Bruyne, Schürrle und Gustavo gebe es ein Gerüst mit nicht so teuren Spielern, die "die Drecksarbeit machen", wie Hecking sagt.

Es gibt zum Beispiel einen Daniel Caligiuri, einen Maximilian Arnold oder einen Timm Klose. Diejenigen, die genauso wichtig sind, wie 34-Millionen-Mann Schürrle oder eben De Bruyne, den in Berlin auch eine tiefe Fleischwunde an der Innenseite des rechten Fußgelenks nicht stoppen konnte.

"Alle sind sehr wichtig für uns. Kevin und Daniel haben eine überragende Saison gespielt. Aber auch Ivan Perisic, Bas Dost und der gesamte Rest der Mannschaft sind auch bereit und gut“ unterstrich Naldo.

De Bruyne wird wohl bleiben

Jener De Bruyne dürfte durch das Finale seinen sowieso schon hohen Marktwert noch einmal gesteigert haben und den Wolfsburgern dank einer kräftigen Gehaltserhöhung auch in der kommenden Saison erhalten bleiben.

Mit rund 8,5 Millionen Euro soll ihm der Verbleib - zumindest für ein Jahr - versüßt werden. Schließlich soll das Gerüst des Teams erhalten bleiben. Besonders hervorheben wollte sich der Belgier dennoch nicht.

"Immer diese Scheiße", sagte er, als er auf den Vertragspoker angesprochen wurde. Er wolle doch einfach nur den Moment genießen, den Pokal in die Höhe stemmen und mit seinen Kollegen feiern, die genauso bedeutend seien.

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