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Ivo Ilicevic reiste zu seiner Familie nach Aschaffenburg
Ivo Ilicevic kann das frühe Aus im Pokal nicht fassen © Getty Images

Jena - Nach dem Aus des Hamburger SV gegen Regionalligist Carl-Zeiss Jena entlädt sich der Frust der Anhänger. Die Gastgeber beweisen Moral und trotzen einer Fehlentscheidung.

Während die Anhänger des FC Carl Zeiss Jena noch ihre Pokalhelden bejubelten, entlud sich im Fanlager des HSV der Frust über eine einmal mehr enttäuschende Vorstellung ihrer Mannschaft.

Unmittelbar nach dem Abpfiff kletterten einige Hamburger "Fans" über die Zäune in den Innenraum des Ernst-Abbe-Sportfelds und mussten von der Polizei aufgehalten werden.

Außerdem wurden verschiedene Gegenstände auf die Sicherheitskräfte geworfen. Dabei wurde ein Ordner am Kopf getroffen und ging daraufhin zu Boden.

HSV blamiert sich

Zuvor hatte sich der Hamburger SV im ersten Pflichtspiel der neuen Saison bis auf die Knochen blamiert.

69 Tage nach dem knapp verhinderten Abstieg in der Relegation schied die Mannschaft von Trainer Bruno Labbadia in der ersten Runde des DFB-Pokals trotz eines späten Comebacks durch ein verdientes 2:3 (2:2, 0:1) nach Verlängerung beim aufopferungsvoll kämpfenden Viertligisten Carl Zeiss Jena aus.

"Das ist eine große Enttäuschung für uns, denn das hat sich für uns im Vorfeld nicht so abgezeichnet", sagte Labbadia: "Wir sind nicht an die Grenze gegangen und haben verdient verloren. Es schien nicht der unbedingte Wille da gewesen zu sein. Jeder hatte zu viel mit sich selbst zu tun."

Irregulärer Ausgleich

Für den bis in die Regionalliga abgestürzten dreimaligen DDR-Meister avanciert Johannes Pieles (106.) Jena zum Matchwinner. Zuvor hatte HSV-Neuzugang Michael Gregoritsch (90.+4) die Jenaer Führung durch Tore von Justin Gerlach (14.) und Velimir Jovanovic (58.) egalisiert und sein Team damit in die Verlängerung gerettet.

Ivica Olic (49.) hatte zudem den umstrittenen Treffer zum 1:1 erzielt, nachdem der Ball zuvor klar im Toraus gewesen war. Die heftigen Proteste der Gastgeber blieben allerdings erfolglos.

Der dreimalige Pokalsieger Hamburg erreichte damit erstmals seit drei Jahren nicht die zweite Runde und erhielt eine knappe Woche vor dem Bundesligastart am Freitag bei Bayern München einen herben Dämpfer.

Gerlach packt den Hammer aus

Vor 13.800 Zuschauern im ausverkauften Jenaer Ernst-Abbe-Sportfeld begann der ehemalige Europapokalfinalist aus Thüringen enorm mutig und übte überraschend schnell Druck aus.

Belohnt wurde das Bemühen der furchtlosen Gastgeber mit einem sehenswerten Freistoßtreffer Gerlachs aus 33 Metern. Die Hamburger hingegen taten sich in der Offensive äußerst schwer und traten in den ersten Hälfte erschreckend ideenlos auf.

Spahic in der Startelf

Die Stammkräfte Rafael van der Vaart, Heiko Westermann (beide Betis Sevilla) und Marcell Jansen (Karriereende) hatten in den vergangenen Wochen den Klub verlassen.

Dafür bot Labbadia von den Neuzugängen den Ex-Leverkusener Emir Spahic, den schwedischen Nationalspieler Albin Ekdal und Gotoku Sakai von Beginn an auf. Impulse gingen von ihnen jedoch kaum aus.

Jena als Pokalschreck bekannt

Bei den Jenaern von Trainer Volkan Uluc wuchsen nach dem Führungstreffer die Hoffnungen auf ein neuerliches Pokalmärchen minütlich. Als Zweitligist war der Klub in der Saison 2007/2008 sensationell bis ins Halbfinale gestürmt und schied dort nach Siegen gegen den VfB Stuttgart und den 1. FC Nürnberg erst bei Borussia Dortmund (0:3) aus. Anschließend kam der Traditionsverein nie wieder über die erste Runde hinaus.

Die Reise nach Jena war für die Hamburger, die sich in der vergangenen Spielzeit erst in letzter Minute den Klassenerhalt gegen den Karlsruher SC gesichert hatten, längst nicht neu. Vor zwei Jahren siegte der Bundesliga-Dino beim Carl-Zeiss-Stadtrivalen SV Schott mit 4:0, am Sonntag reichte es in der ersten Hälfte allerdings nicht mal zu einer klaren Torchance.

HSV rettet sich in die Verlängerung

Nach dem Seitenwechsel drückte der HSV und kam zunächst zweifelhaft zum Ausgleich. Jena ließ sich davon jedoch nicht aus der Ruhe bringen und spielte weiter clever nach vorne. Beide Mannschaften lieferten sich in der Folge einen offenen Schlagabtausch. Als Jena bereits wie der sichere Sieger aussah, schlug Hamburg noch einmal spät zu.

Nach einer Ecke gewann der aufgerückte Torhüter Rene Adler das Kopfballduell, und Gregoritsch jagte den Ball aus kurzer Distanz über die Linie.

Pieles bringt die Entscheidung

In der Verlängerung scheuten die Hamburger anfangs das absolute Risiko und wurden für ihre Passivität prompt bestraft. Nach einem weiten Einwurf von Filip Krstic köpfte Pieles zum umjubelten Siegtreffer für die Gastgeber ein.

Im Anschluss brachen am Enst-Abbe-Sportfeld alle Dämme. Die Fans feierten auf dem Rasen mit ihrer Mannschaft.

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