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© SPORT1-Grafik Gabriel Fehlandt mit getty images/imago

Stuttgart - Die Boykottaktion der BVB-Anhänger in Stuttgart sorgt für Ärger. Ein Fan-Experte kritisiert bei SPORT1 den BVB und schreibt ihm eine Mitverantwortung für die Eskalation zu.

Am Dienstagabend hatten Spieler und Verantwortliche von Borussia Dortmund allen Grund zur Freude. Der BVB erreichte durch einen 3:1-Sieg beim VfB Stuttgart das Halbfinale im DFB-Pokal.

Die Offensive mit Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus schoss die Borussia auf dem Platz unter die letzten Vier, doch auf den Rängen sorgten die BVB-Fans zunächst mit einem Boykott, dann mit Tennisbällen als Wurfgeschosse für Aufregung.

SPORT1 fragte die User im Pokalblog, ob der BVB für die Ballwurf-Aktion seiner Fans bestraft werden soll. 52 Prozenz sprachen sich dafür aus, 48 Prozent fanden es eine kreative Art und Weise, Kritik zu üben.

Die Dortmunder hüllten sich jedoch anschließend zu diesem Thema in Schweigen.

Verlegener Tuchel schweigt

Trainer Thomas Tuchel wurde auf die fragwürdige Ballwurfaktion der BVB-Fans angesprochen. In der ersten Halbzeit hatten BVB-Anhänger einen Teil des Spielfelds mit Tennisbällen überflutet - aus Protest gegen überhöhte Eintrittspreise.

Gefragt nach seiner Meinung zu den Wurfgeschossen aus dem Gäste-Block hielt Tuchel inne, kratzte sich verlegen am Kopf. "Ich gebe die Frage weiter", stammelte er und blickte hilfesuchend zum VfB-Kollegen Jürgen Kramny. 

Auch Kapitän Mats Hummels fühlte sich "nicht genügend mit der Materie vertraut", um über dieses Thema zu sprechen.

Dafür redeten andere - und zwar deutlich. Fan-Experte Tim Gräsing, Redakteur beim BVB-Fanzine "schwatzgelb.de", macht seinen Klub für die Fan-Eskalation in Stuttgart mitverantwortlich.

Bei SPORT1.fm sagte Gräsing: "Es geht um die generelle Entwicklung der Ticketpreise in Deutschland. Da kann man dem BVB genauso einen Vorwurf machen."

Gräsing hält die Eintrittspreise in Bundesliga-Stadien wie viele andere Anhänger inzwischen für zu hoch. Beim Pokalkracher in Stuttgart kostete der günstigste Sitzplatz im Gästebereich 38 Euro. Für einen Stehplatz mussten Anhänger mehr als 20 Euro bezahlen. 

Die Initiative "Kein Zwanni - Fußball muss bezahlbar bleiben" hatte daraufhin eine Boykottaktion ausgerufen. Die BVB-Fans blieben den ersten 20 Minuten der Partie fern. Und in der öffentlichen Wahrnehmung hatte der VfB als Heimteam den schwarzen Peter.

"Auch BVB hat falsch gehandelt"

Zu Unrecht, wie Gräsing findet. "Auch von Seiten des BVB hat man falsch gehandelt. Dazu sollte man auch stehen", sagte er.

Worauf der Fan-Experte anspielt: Im DFB-Pokal werden die Zuschauer-Einnahmen zwischen beiden Klubs aufgeteilt. Damit Stuttgart überhaupt einen Top-Zuschlag auf die Eintrittspreise erheben konnte, bedurfte es die Zustimmung der Dortmunder. 

Ein Sachverhalt, auf den VfB-Präsident Bernd Wahler bereits vor der Partie verwiesen hatte. Im BVB-Lager sah man geflissentlich darüber hinweg. 

Redeverbot für Großkreutz

Vielleicht wollte ja Kevin Großkreutz seinen alten Kollegen auf die Sprünge helfen. Gerade als der Neu-Stuttgarter ansetzte, sich zu den Geschehnissen im BVB-Fanblock zu äußern, funkte der Pressesprecher des VfB dazwischen. Akutes Redeverbot. 

Der ehemalige Dortmunder wollte, durfte aber nicht reden.

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