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Berlin - Mats Hummels erklärt seine vorzeitige Auswechslung – die Thomas Tuchel anders interpretiert. Der scheidende Kapitän kündigt einen Extra-Abschied vom Team an.

Als Letzter nahm Mats Hummels die Medaille für den zweiten Platz entgegen und schlich mit hängenden Schultern am zwei Meter entfernten DFB-Pokal vorbei.

Das Spielfeld hatte er in der 78. Minute mit Krämpfen vorzeitig verlassen müssen, der Kapitän von Borussia Dortmund musste nach achteinhalb Jahren vorzeitig von Bord.

"Die Enttäuschung ist riesengroß. Über die Niederlage sowieso, aber vor allem auch darüber, dass ich es nicht hingekriegt habe über die komplette Distanz bis zum Ende mitzuwirken", sagte der Weltmeister nach der 3:4-Niederlage im Elfmeterschießen.

Hummels erlebte vor seinem Wechsel zum FC Bayern letztlich einen schmerzhaften Abgang hoch drei.

Meinungsverschiedenheit mit Tuchel

Zunächst hatte der Innenverteidiger Krämpfe im linken Bein, die er aber ausblenden konnte. "In einer Szene muss ich dann irgendeine Bewegung falsch gemacht haben, da ist es komplett in die Wade reingeschossen, also nicht nur ein kleiner Krampf. Dann war Schicht in der Wade", schilderte Hummels den entscheidenden Moment auf SPORT1-Nachfrage.

Nach dem Spiel wurde dann auch noch ein verdeckter Riss zwischen Kapitän Hummels und Trainer Thomas Tuchel offengelegt.

Es kam zum Streit darüber, von wem der Impuls für die Auswechslung kam. "Mats hat drum gebeten", sagte sein Trainer Thomas Tuchel auf der Pressekonferenz.

Auf SPORT1-Nachfrage widersprach Hummels seinem Coach: "Wenn ich raus will, dann gebe ich ein klares Zeichen und zeige das an. Ich nehme an, dass er damit meint, dass man es mir an meinen Bewegungen angesehen hat, dass es nicht mehr rund läuft", sagte der Innenverteidiger.

Tuchel gab Hummels dann auch noch einen mit. Zur Leistung seines Abwehrchefs fügte er enttäuscht an: "Er kann's besser."

Eine Dankesrede zum Abschied, so wie sie Pep Guardiola bei den Bayern genießen durfte, klingt anders. Insofern dürfte Hummels die finale Kritik seines Coaches wehgetan haben.

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Ein letztes Mal beim BVB-Anhang

Am stärksten schmerzte Hummels jedoch die Niederlage. "Natürlich hatten die Bayern auch genug Chancen, sie hätten das Spiel auch regulär gewinnen können und man hätte es nicht unverdient genannt", räumte Hummels ein.

"Trotzdem war es möglich für uns. Das tut einfach weh heute. Es hätte so ein perfekter Abschied werden können. So ist leider nicht so viel so gekommen, wie ich es mir erhofft hatte", meinte der 27-Jährige geknickt.

In der Fankurve hatte er dem BVB-Anhang noch ein letztes Mal tschüss gesagt.  "Ich wusste, dass ich zum letzten Mal vor unseren Fans gestanden habe, dass die Gelben zum letzten Mal für mich jubeln – zumindest in großen Teilen", so Hummels, der nach dem Spiel bei Sky erklärt hatte, dass er seinen Vertrag bei den Bayern noch nicht unterschrieben habe.

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Extra-Abschied von der Mannschaft

Bei der anschließenden "Schwarzgelben Nacht" in der Event-Location "Station Berlin" in Kreuzberg verabschiedete er sich nochmal von vielen seiner Mitspieler. 

Das soll es aber nicht gewesen sein mit seinem Abschied. "Jetzt gehen viele erstmal zu ihren Nationalmannschaften oder in den Urlaub. Aber ich werde mich nochmal besonders von allen verabschieden, wenn alle wieder in Dortmund sind", kündigte Hummels im Stadion an.

Einfach durch die Hintertür verschwinden – das will der langjährige Borusse nach zwei Meisterschaften und einem Pokalsieg mit dem BVB nicht.

"Es war einfach eine sehr schöne Zeit, die jetzt leider zu Ende geht", sagte er nach seiner Abschiedsvorstellung. "Aber ich habe das ja selber so entschieden und hoffe, dass ich eine gute Entscheidung getroffen habe", meinte Hummels – auch in der Hoffnung, beim nächsten Endspiel nicht wieder mit der Medaille des Verlierers am Pokal vorbeizugehen.

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