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Berlin - Mats Hummels wird einen Stammplatz beim FC Bayern nicht geschenkt bekommen. Borussia Dortmund braucht neue Siegertypen. SPORT1 hat die Lehren des Pokalfinales.

Pep Guardiola verabschiedet sich mit dem Double vom FC Bayern - Borussia Dortmund steht im ersten Jahr unter Trainer Thomas Tuchel ohne Titel da.

Zwar rettete sich die Borussia im Pokalfinale in Berlin ins Elfmeterschießen, zog dort aber den Kürzeren.

Für Dortmunds Kapitän Mats Hummels war es ein bitterer Abschied Richtung München - zumal Tuchel noch verbal nachtrat.

SPORT1 hat die Lehren des Endspiels:

Hummels muss sich umstellen:

Seinen Abschied vom BVB hatte sich Hummels anders vorgestellt. Als es im Olympiastadion zum Elfmeterschießen kam, war der Weltmeister bereits wegen muskulärer Probleme ausgewechselt. Er saß auf der Bank und war zum Zuschauen verdammt.

In Dortmund war Hummels als Abwehrchef unumstritten, zudem als Persönlichkeit anerkannt.

In München zählen aber zurückliegende Meriten nichts mehr. Auch er wird sich dem Konkurrenzkampf stellen müssen.

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Einen Stammplatz wird Hummels bei den Bayern nicht geschenkt bekommen. Jerome Boateng ist in der Innenverteidigung gesetzt. Joshua Kimmich hat auch im Pokalfinale bewiesen, dass er höchsten Ansprüchen genügt. Allerdings ist auch denkbar, dass Kimmich zunehmend auf seine Lieblingsposition ins defensive Mittelfeld vorrücken wird.

Tendenz: Hummels wird an der Seite von Boateng in der Innenverteidigung spielen, darf sich aber keine Schwächen leisten.

Handlungsbedarf in der Bayern-Offensive:

In Berlin nahm Guardiola nur einen Wechsel vor, brachte zum Ende der Verlängerung Kingsley Coman für den völlig verausgabten Franck Ribery.

Auf der Bank saßen ansonsten ausnahmslos Defensivspezialisten - auch weil Arjen Robben und Mario Götze verletzt ausfielen.

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Götze wird die Bayern wohl verlassen. Robben und Ribery werden nicht jünger und waren zuletzt verletzungsanfällig.

Trotz der qualitativ bestens besetzten Offensive um Robert Lewandowski, Thomas Müller und Douglas Costa besteht Handlungsbedarf. Das Problem wird sein, Top-Spieler zu holen, die das Risiko der Ersatzbank in Kauf nehmen würden.

Inzwischen gibt es Gerüchte, dass die Bayern Interesse an Schalkes Juwel Leroy Sane haben sollen.

BVB braucht robuste Mentalität:

Tuchel konnte einem bei der Auswahl seiner Elfmeterschützen fast ein wenig leid tun, er bekam nur mit Mühe und Not fünf Freiwillige zusammen. Dass sich die beiden Defensiv-Recken Sven Bender und Sokratis zur Verfügung stellten und schließlich scheiterten, entbehrt nicht einer gewissen Tragik.

Das sportliche Elfmeter-Drama zeigt das Dilemma beim BVB. In entscheidenden Momenten tauchen einige Leistungsträger gerne ab.

Das galt in Berlin insbesondere für den feinfühligen Henrikh Mkhitaryan, dessen Zukunft in Dortmund ungewiss ist. Aber auch Pierre-Emerick Aubameyang und Marco Reus konnten zuletzt nicht mehr überzeugen.

In Hummels zieht nun obendrein ein Vorzeigeprofi zum Erzrivalen.

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Die BVB-Bosse um Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc sind gefordert, das Geld aus dem Hummels-Transfer und den bevorstehenden Millionen-Einnahmen in der Champions League gut zu investieren.

Nur mit jungen Spielern wird es nicht gehen. Es braucht auch den ein oder anderen gestandenen Spieler mit der notwendigen robusten Mentalität.

Lehrgeld für Tuchel:

Gegen die Bayern entschied sich der BVB-Coach für eine äußerst defensive Grundausrichtung und wich von seiner Philosophie des Ballbesitz-Fußballs ab.

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Auffällig war zudem, dass viele Dortmunder bereits früh von Krämpfen geplagt wurden - für Tuchel und seine individuelle Belastungssteuerung ein Schlag ins Gesicht. Kritik gibt es auch an der extrem kohlenhydratarmen Ernährung, die er seinen Spielern verschrieben hat.

"Eine Gewichtsreduktion mag am Anfang zwar funktionieren, aber bei hoher Leistung bringt das gar nichts", sagte Andreas Nieß, Chef der Sportmedizin am Universitätsklinikum Tübingen, der Süddeutschen Zeitung. "Es gibt viele Hinweise aus der Fachliteratur, dass es durch diese Ernährungsform zu einem Leistungsknick kommt und das Verletzungsrisiko aufgrund der geschwächten Muskulatur sogar steigt."

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Richtig ist, dass es für den BVB durch die Qualifikation zur UEFA Europa League eine äußerst lange Saison war. Allerdings hatten die Dortmunder zuletzt keine englischen Wochen mehr zu bestreiten.

Konditionell und mental hat es Tuchel nicht geschafft, seine Spieler auf den Punkt in einen Top-Zustand zu bringen.

FC Bayern Nimmersatt:

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Wer gedacht hat, die Bayern würden ihre nationalen Titel im Vorbeigehen und ohne große Begeisterung mitnehmen, der wurde in Berlin sowie am Sonntag in München eines Besseren belehrt.

Ausgelassen feierten die Bayern das Double. Was zeigt: Auf dem Platz agieren die Bayern konzentriert und bisweilen kühl. Freuen können sie sich trotzdem noch über ihre Erfolge.

Satt sind die Spieler nicht. Eine Grundvoraussetzung, dass die Bayern auch in der nächsten Saison unter Guardiolas Nachfolger Carlo Ancelotti Appetit auf Siege haben.

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