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München - Bei einer Pleite im Pokalfinale gegen Dortmund wäre Pep Guardiola einfach so weg. Es wäre ein unwürdiger Abschied für den besten Bundesliga-Trainer der Geschichte.

Vom Berliner Sitz der Deutschen Telekom zur St. Hedwigs-Kathedrale sind es 60 Meter, das schafft man mit und ohne Siegerbier in der Leber.

Die Kathedrale ist nach Hedwig von Andechs benannt - sie gab im frühen dreizehnten Jahrhundert alles für die Völkerverständigung in Mitteleuropa und gilt den bravsten Katholiken bis heute als Patronin der Aussöhnung.

Die könnte auch der FC Bayern brauchen, sollte das Pokalfinale am Samstag (ab 19.30 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm sowie im LIVETICKER) verloren gehen.

Fürchterliches Szenario für Guardiola

Denn auch bei einer Pleite gegen Borussia Dortmund würden die Münchner zum traditionellen Bankett antreten bei ihrem Sponsor in der Französischen Straße. Ein für Trainer Pep Guardiola fürchterliches Szenario.

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Er ist zum letzten Mal in Bayerns Farben im Einsatz, danach geht es in den Urlaub, während sein Hausstand in der Nähe des Münchner Hauptbahnhofs in eine möglichst gleichwertige Unterkunft in Manchester überführt wird.

Ohne einen letzten Titel gibt es wohl nur noch eine wohlwollende Rede von Karl-Heinz Rummenigge, danach wäre Schluss. Keine Party, sondern ein verschämter Kehraus.

Guardiolas Rekorde beim FC Bayern

Und das für den Mann, der als erster Trainer in jeder seiner drei Bundesliga-Saisons Meister wurde. Der im Schnitt die mit Abstand meisten Spiele aller Bundesliga-Trainer überhaupt gewann (80,4 Prozent), unter dem die Bayern neue Rekorde für Tore (2,5) und Gegentore pro Spiel (0,8) aufstellten.

Mit Fußball kennt sich der Spanier aus, den Zugang zur bayerischen Empfindsamkeit fand er aber nie, das werfen sie ihm schon lange vor. Stattdessen baute Guardiola im spielerischen Getriebe des Vereins zwei bis drei neue Gänge ein. Nie waren Siege einer deutschen Fußballmannschaft so gewöhnlich, im besten Sinne.

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Kaum ein Bayernfan wird sich speziell danach sehnen, noch einmal Abschied zu nehmen vom Spanier. Und doch wäre ein Abgang durch die Hintertür seiner Amtszeit nicht würdig. Eher schon eine weitere Feierrunde in Münchens Innenstadt mit Schale und Pokal.

Es steht im Pokalfinale also mal wieder ein großer Teil der Wahrnehmung Guardiolas auf dem Spiel. Das kennt er.

Erbe steht ständig auf dem Spiel

Was hat er nicht schon um sein Erbe gespielt, in dieser Saison gegen Juventus, gegen Benfica und Atletico, in der Bundesliga gegen den BVB, erst recht in der vergangenen Saison gegen Barcelona. Egal, wie oft er gewann, es reichte nicht.

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Guardiolas entscheidender Rekord: An keinem Bundesliga-Trainer zuvor haben sich Fans, Experten und Journalisten derart abgearbeitet. Alle Seiten werden erleichtert sein nach dem letzten Pfiff in Berlin, nachdem der letzte goldene Konfettischnipsel herabgeregnet ist.

Es war auch ein Test für Fußballdeutschland, wie es mit jemandem von dieser Fußballstatur umgeht. Insofern wäre es beinahe passend, ginge Guardiola ohne große Verabschiedung.

Gegensatz zu Heynckes

Es wäre der größtmögliche Gegensatz zu seinem Antritt Ende Juni 2013. Und der größtmögliche Gegensatz zu Jupp Heynckes' letzten Tagen in München.

Vergleiche sind sein Problem. Mit dem Pokal am Samstag hätte er in drei Jahren bei den Bayern fünf große Titel geholt, mit der Klub-WM sechs. Aber eben nicht das Triple wie Heynckes und eben nicht zweimal die Champions League wie in seinen ersten drei Jahren bei Barca.

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Vielleicht findet Guardiola Trost im Schicksal der armen Hedwig: Nach diversen Schicksalsschlägen in ihrer von Tod und Verrat zerfurchten Familie fielen kurz vor ihrem Tod auch noch die Mongolen über ihr Schlesien her.

Hedwig ertrug all das der Überlieferung zufolge mit bewundernswertem Gleichmut. Den hat auch Guardiola trotz so mancher Demütigung schon bewiesen.

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