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Stefan Kuntz spricht Thomas Müller in dessen Elfer-Krise Mut zu © SPORT1-Grafik: Paul Hänel/Getty Images/Imago

München - Stefan Kuntz spricht Bayern-Star Thomas Müller in dessen derzeitiger Elfmeter-Krise Mut zu. Der Europameister von 1996 verrät sein kurioses Erfolgsrezept.

Thomas Müller muss sich langsam vorkommen, als wenn ein böser Fluch auf ihm liegt. Der 27-Jährige hat Ladehemmung vom Elfmeterpunkt.

Auf den ersten Blick ist die Bilanz noch in Ordnung: 26 seiner 33 Pflichtspielelfmeter verwandelte er, zwei von drei in der Nationalmannschaft (inklusive Elfmeterschießen).

Doch 2015 begann ein Negativtrend mit unglaublichen sechs Fehlschüssen in Serie. Auch beim 3:1-Erfolg des FC Bayern im Pokalspiel gegen den FC Augsburg scheiterte Müller aus elf Metern.

Beim Stand von 2:0 jagte der Nationalspieler den Ball in die Wolken. Müller ist mit seinem Problem nicht alleine: Die Schützen vom Punkt sind so unsicher wie seit zehn Jahren nicht mehr.

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"Dem Druck gewachsen sein"

"Es gibt dafür sicherlich keine allgemeingültige Erklärung. Dem Druck sollte man gewachsen sein. Nicht überlegen wie man möglichst cool den Elfmeter verwandelt, sondern dass man ihn verwandelt", sagt Stefan Kuntz zu SPORT1.

Der U21-Coach war Nationalspieler und einer der Topstürmer in der Bundesliga. Und der 53-Jährige muss es wissen, wie man in Drucksituationen einen Elfmeter verwandelt. Kuntz traf bei der Europameisterschaft 1996 im Halbfinale gegen England im Elfmeterschießen vom Punkt.

"Wollte nicht, dass meine Kinder ausgelacht werden"

Gibt es ein Erfolgsrezept für so einen Moment?

"Jeder Schütze", so Kuntz, "hat seine eigene Art mit Druck umzugehen." Schmunzelnd verrät er sein Erfolgsrezept: "Ich wollte nicht, dass am anderen Tag meine Kinder in der Schule ausgelacht werden."

"Jeder neue Anlauf" zeige, "dass Thomas Verantwortung übernehmen möchte", sagt Kuntz, um Müller mit seiner humorigen Seite Mut zu machen: "Wahrscheinlich macht er damit jetzt ein wenig Pause."

In eine tiefer gehende Analyse seiner Elfer-Schwäche wollte Müller nach seinem erneuten Missgeschick gegen Augsburg aber nicht gehen: "Da gibt es gar nichts zu analysieren. Er war nicht drin, deswegen war er absolut schlecht. In Zukunft werde ich mich aufs Spielen konzentrieren und meine Kollegen schießen lassen."

Verzicht "auch ein Zeichen von Größe"

Ein Kollege hat allerdings schon dankend abgelehnt. "Ich werde mich da nicht anmelden, das sollen die Offensiven unter sich ausmachen", erklärte Innenverteidiger Mats Hummels.

Kuntz sieht so eine Reaktion eher positiv als negativ: "Wenn man sich richtig einschätzen kann und verzichtet, ist das auch ein Zeichen von Größe."

2016 sei nicht das Jahr des Elfmeters, meint Müller. Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. In den ersten acht Runden dieser Bundesliga-Saison wurden 24 Elfmeter gegeben, von denen 16 verwandelt wurde.

Das entspricht einem Anteil von 67 Prozent. Zuletzt war dieser vor zehn Jahren zu diesem Zeitpunkt der Saison niedriger - 2006/07 wurden nur 53 Prozent der Elfmeter verwandelt.

Bessere Bilanz im Pokal

Im Pokal sieht es anders aus, da sind die Schützen in dieser Spielzeit sicherer als in der Liga.

Im Pokal wurden in den ersten beiden Runden bis zur 120. Minute zwölf Elfmeter gepfiffen, von denen neun verwandelt wurden, das entspricht 75 Prozent.

Vergangene Saison waren es nach zwei Runden sogar 17 Strafstöße, von denen 13 verwandelt wurden, das waren 76 Prozent - einen echten Trend gibt es hier also nicht.

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