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München - Ottmar Hitzfeld analysiert im SPORT1-Interview das Pokal-Halbfinale zwischen dem FC Bayern und Borussia Dortmund und spricht über die beiden Trainer und ihre Zukunft.

Er ist einer der erfolgreichsten Trainer in der Geschichte von Borussia Dortmund und dem FC Bayern: Ottmar Hitzfeld.

Mit beiden Klubs gewann der 68-Jährige die Champions League, dazu kommen zwei Meisterschaften mit dem BVB und deren fünf mit Bayern.

Den DFB-Pokal holte Hitzfeld insgesamt dreimal, allerdings nur mit dem Rekordmeister und -pokalsieger aus München.

Vor dem Kracher im DFB-Pokal-Halbfinale am Mittwoch (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER und in unserem Sportradio SPORT1.fm) spricht der Erfolgscoach im SPORT1-Interview über seine persönliche Taktik gegen den FC Bayern, Thomas Tuchel, Carlo Ancelotti und den anstehenden Umbruch in München.

Ottmar Hitzfeld über:

die Situation für Carlo Ancelotti und Thomas Tuchel:

"Für Ancelotti und Tuchel ist das natürlich eine große Belastung. Es ist das vorweg genommene Endspiel und derjenige, der das Halbfinale gewinnt, wird sicherlich große Chancen auf den Titel haben. Wäre das Spiel in Dortmund, würde ich sagen 50:50.  Zuhause ist Bayern für mich aber klarer Favorit. Ancelotti wird also ein bisschen mehr Druck haben, aber er hat auch größere Chancen, zu gewinnen."

den Charakter der beiden Trainer:

"Das sind zwei verschiedene Typen, die vom Temperament her nicht unterschiedlicher sein könnten. Man sieht, dass Carlo Ancelotti unglaublich viel Erfahrung hat und die Ruhe besitzt, um auch in kritischen Situationen ruhig zu bleiben. Nach innen ist jeder Trainer aufgewühlt, aber man lässt sich nichts anmerken. Tuchel ist emotionaler, er lebt mit und läuft in der Coaching Zone hin und her. Man könnte sagen, dass der junge Ottmar Hitzfeld wie Thomas Tuchel ist und der ältere Ottmar Hitzteld Ancelotti ähnelt." 

die Ausgangslage für Bayern:

"Natürlich wird Dortmund nervöser sein, weil die Bayern-Spieler wissen, dass sie zuhause eine Macht sind. Es ist ein großer Vorteil, dass man in München und nicht in Dortmund spielt. Bayern wird also mit breiter Brust auftreten."

die Ausgangslage für den BVB:

"In der Liga hat Bayern Dortmund zuhause besiegt und das Spiel dominiert. Dortmund hatte keine Chance, also wird sich Thomas Tuchel etwas anderes einfallen lassen als im letzten Spiel. Dortmund will sich rehabilitieren für das 1:4 in München, das immer noch Spuren hinterlässt."

Tuchels Taktik:

"Dortmund wird versuchen, dem Gegner das Spiel aufzudrängen, schnell umzuschalten und den Gegner vom eigenen Strafraum fernzuhalten. Das ist leichter gesagt als getan, aber das muss die Taktik sein."

die Philosophien beider Vereine:

"Bayern steht noch mehr unter Druck, weil der Verein Titel liefern muss, sonst hat es der Trainer sehr schwer in München. Bei Dortmund kann man etwas aufbauen, dort ist zurzeit ein Übergangsjahr. Hummels, Mkhitaryan und Gündogan fehlen der Mannschaft und man hat auf viele junge gesetzt. Man hat mit Dembele einen Supertransfer gemacht, auch Pulisic ist auf einem guten Weg. Aber im nächsten Jahr will man natürlich wieder um den Titel spielen."

die Konflikte zwischen Tuchel und den BVB-Bossen:

"Es ist äußerst schwierig, etwas aus der Ferne zu analysieren. Es war im Vorstand eine gewisse Unzufriedenheit da, aber ich finde, dass der Trainer einen hervorragenden Job macht. Er war im letzten Jahr sehr erfolgreich, in diesem Jahr ist er auch wieder vorne dabei. Den dritten Platz muss man schaffen, dazu kommen die erfolgreichen Saisons in Pokal und Champions League. Ich bin überzeugt, dass Thomas Tuchel auf dem richtigen Weg ist mit Borussia Dortmund."

Bayerns Zukunft:

"Für Bayern könnten die nächsten Wochen spannend werden. Robben und Ribery sind zurzeit in guter Form, aber man wird immer älter. Es ist offensichtlich, dass die beiden nicht so schnell zu ersetzen sind. Bayern wird einen Umbruch haben in den nächsten Jahren. Man muss den Altersschnitt etwas senken und Weltklasse verpflichten. Aber wenn es jemand schafft, dann Bayern. Sie haben das Know-how und die finanziellen Möglichkeiten wie kein anderer deutscher Klub."

die persönlichen Sympathien im Halbfinale:

"Das ist immer eine schwierige Frage für mich. Der FC Bayern war der letzte Verein, für den ich in der Bundesliga tätig war. Die Verantwortlichen sind alle noch da, darum ist die Beziehung zu Bayern ein bisschen intensiver. Aber ich habe auch bei Borussia Dortmund eine tolle Zeit erlebt und viele schöne Erinnerungen."

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