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Köln besiegt Hertha im Pokal
Die Unterstützung seiner Mannschaft ist Stöger gewiss: Nach dem 1:0 durch Zoller jubelt die Truppe demonstrativ mit ihrem Coach © Getty Images

Dem 1. FC Köln gelingt in der 2. Runde des DFB-Pokals gegen Hertha BSC der erhoffte Befreiungsschlag. Nach Schmadtkes Aus war es Kölns erster Sieg seit zweieinhalb Monaten.

Zwei Tage nach der Trennung von Jörg Schmadtke hat der 1. FC Köln den Bann gebrochen und das DFB-Pokal-Achtelfinale erreicht. Nach zwölf Pflichtspielen ohne Sieg gewann das Bundesliga-Schlusslicht bei Hertha BSC in der zweiten Runde verdient mit 3:1 (2:0). Es war der zweite Sieg im 14. Spiel der Saison.

"Ich freue mich sehr, dass wir den Sieg eingefahren haben. Wir haben ein gutes Spiel gemacht", so Trainer Peter Stöger nach dem Spiel auf der Pressekonferenz. "Wir hatten uns zuletzt häufig nicht für unser Spiel belohnt. Dann ist es schwierig, den Jungs die positiven Dinge wieder zu erklären. Heute war das Spiel in Ordnung. Wir haben unsere Möglichkeiten mal verwertet, sind mal in Führung gegangen. Ich freue mich so für die Spieler, aber in drei Tagen ist schon wieder ein schweres Spiel."

Simon Zoller (35.), Kapitän Dominic Maroh (43.) und Christian Clemens (64.) führten das kämpferisch starke und phasenweise rauschhaft aufspielende Sorgenkind der Bundesliga mit ihren Toren zum so wichtigen Triumph. Eine Berliner Aufholjagd blieb trotz des Treffers von U21-Europameister Niklas Stark (69.) aus. Viel Zeit zum Feiern bleibt den Kölnern aber nicht: Am Samstag (15.30 Uhr im Liveticker auf SPORT1) geht es für das Tabellenschlusslicht in der Liga zum Derby bei Bayer Leverkusen.

"Es tut gut, gezeigt zu haben, dass wir noch gewinnen können", sagte Torhüter Timo Horn, "das wird uns in den kommenden Wochen weiterhelfen." FC-Kapitän Dominic Maroh hofft auf eine "Initialzündung dafür, dass es jetzt richtig losgeht".

Herthas Valentino Lazaro hadert hingegen mit der Leistung seiner Mannschaft: "Nach den Gegentoren habe ich das Gefühl, dass man den Genickbruch einfach hinnimmt, anstatt zu sagen, Jungs, weiter geht's."

Herthas Traum platzt

Durch die Niederlage platzte wieder einmal der Traum der Berliner vom ersten Pokalfinale im eigenen Stadion. Lediglich die Hertha-Amateure waren 1993 ins Endspiel gekommen und an gleicher Stelle Bayer Leverkusen mit 0:1 unterlegen. Wettbewerbsübergreifend ist Berlin seit sieben Spielen ohne Sieg - auch in der Hauptstadt beginnt eine Krise.

 

Doch nach der Aufregung der vergangenen Tage rücken sportliche Themen am Rhein nur langsam wieder in den Vordergrund. Auch zwei Tage nach dem Entschluss des Sportdirektors Schmadtke, trotz eines bis 2023 datierten Vertrages aufzuhören, war vor dem Duell mit der Hertha wild über die Gründe des Abschieds spekuliert worden. Medienberichte, denenzufolge sein Rücktritt im Zusammenhang mit seiner Forderung nach einer Ablösung von Trainer Stöger zu sehen sei, widersprach Schmadtke vehement.

Stöger vertraut zwei Youngstern

Köln fehlte es vor 33.459 Zuschauern zu Beginn an Finesse im Offensivspiel. Stöger brachte mit Linksverteidiger Jannes Horn und dem 19 Jahre alten Startelfdebütanten Tim Handwerker zwar frisches Blut in die Anfangsformation, wirken sollte diese Maßnahme erst langsam. 

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Hertha war anfangs ballgewandter und zielstrebiger. Nationalspieler Marvin Plattenhardt per Freistoß (15./21.) und Angreifer Salomon Kalou (31.) brachten FC-Torwart Timo Horn mehrfach in Bedrängnis. Zollers Treffer nach geschickter Kopfball-Vorlage von Sehrou Guirassy kam wie aus dem Nichts, erst danach ging Köln zum Angriff über, ehe Maroh den Ball im Getümmel zum 2:0 über die Linie stocherte.

"Ich glaube, es geht weniger um das Ergebnis oder das Weiterkommen. Es geht darum zu sehen, es geht noch und dass wir uns heute mal mit Toren belohnt haben", so Kölns Abwehrspieler Dominic Maroh nach dem Schlusspfiff.

Berliner Offensive harmlos

"Wir haben eine halbe Stunde lang hinbekommen, was wir wollten, und sehr viel investiert. Aber der letzte Pass ist nicht gekommen. Wir haben versucht, die Jungs dann etwas hochzupushen", so Herthas Coach Pal Dardai: "In der zweiten Halbzeit haben wir uns vorgenommen, das 1:2 zu machen, haben dann aber das 0:3 kassiert. Wir müssen aufpassen, dass wir die Mannschaft hinbekommen. Mental und körperlich."

Im zweiten Durchgang schafften es die Gastgeber nicht, ausreichend Gefahr zu entwickeln. In Abwesenheit des verletzten Stürmers Mathew Leckie (Oberschenkel) verpufften die Anläufe der Hertha meist ohne Ertrag, Köln verdichtete die Räume . Das Tor von Clemens, der nach einem Pfostenschuss von Zoller abstaubte, brachte die Berliner Ostkurve zum Schweigen.

Starks Treffer sorgte allenfalls für ein kurzes Aufbäumen. Die schlechte Nachricht für Berlin: Leckie wird voraussichtlich auch im Ligaspiel am Samstag (ab 15.30 Uhr im LIVETICKER) gegen den HSV fehlen. Die Berliner werden es merken.

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