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Leon Bailey erzielte das Siegtor für Leverkusen
Leon Bailey erzielte das Siegtor für Leverkusen © Getty Images

Mönchengladbach - Mönchengladbach dominiert Leverkusen über weite Strecken, nutzt aber die Chancen nicht. Leon Bailey bleibt dagegen eiskalt. Heiko Herrlich verblüfft mit einer Schwalbe.

Bayer Leverkusen hat dank "Reggae Boy" Leon Bailey das Viertelfinale des DFB-Pokals erreicht. Die Werkself gewann zum Abschluss eines turbulenten Jahres 1:0 (0:0) beim Rheinrivalen Borussia Mönchengladbach und machte sich vier Tage vor Heiligabend ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk.

Der Jamaikaner Bailey (70.) erzielte in einer temporeichen Partie das Goldene Tor für die Mannschaft von Trainer Heiko Herrlich an dessen alter Wirkungsstätte. Der 20-jährige Bailey hatte schon am Wochenende beim 4:4 bei Hannover 96 doppelt getroffen, in der Bundesliga-Hinserie war er an zehn Treffern direkt beteiligt gewesen.

Herrlich sorgte für Aufsehen, als er sich zu einer Schauspieleinlage hinreißen ließ. Der Bayer-Trainer von ließ sich nach einem leichten Schubser von Denis Zakaria an der Seitenauslinie theatralisch fallen und sorgte damit für eine kleine Rudelbildung.

Herrlich blamiert sich mit Einlage

Zakaria war nach einem Zweikampf mit Admir Mehmedi dem Ball hinterhergelaufen und wollte sich ihn schnappen, um einen schnellen Einwurf auszuführen. Herrlich stellte sich allerdings vor den Ball, sodass Zakaria um den Leverkusener Coach herum laufen musste. Dabei legte der Mittelfeldmann Herrlich die Hand an den Rücken.

Herrlich nutzte dies, um sich zu einer theatralischen Einlage hinreißen zu lassen. Der Trainer blickte erstaunt in Zakarias Richtung, der ob des Fallers ebenfalls verblüfft dreinblickte. Ein Fan im Stadion reagierte, indem er einen vollen Getränkebecher nach Herrlich warf.

"Das sah sicher blöd aus, und ich möchte mich dafür entschuldigen", sagte Herrlich nach dem Spiel. "Der Ball kam auf mich zu, ich lasse ihn durch die Beine, damit Gladbach nicht schnell einwerfen kann. Das hätte ich nicht machen brauchen, das war Blödsinn. Dann touchiert Zakaria mich leicht, ich rutsche weg. Das sah sicher blöd aus und ist im Affekt passiert. Da muss ich mit meinen 46 Jahren stehen bleiben, ganz klar. Ich wollte da sicher keine Rote Karte fordern", so Herrlich (Die Stimmen zum Spiel).

Zakaria nahm die Situation nach der Begegnung mit Humor. "Das ist Fußball und ist aus der Emotion heraus passiert. Auch die Trainer machen das", sagte der Gladbacher mit einem Lachen.

Völler: Hatten Glück

Bayer steht damit zum vierten Mal in fünf Jahren in der Runde der letzten Acht und baute seine Serie auf 14 Pflichtspiele ohne Niederlage aus. Zudem traf Bayer im 25. Pflichtspiel nacheinander - Vereinsrekord eingestellt.

"Es war unser großes Ziel weiterzukommen – und das haben wir geschafft. Es fühlt sich sau gut an. Wir haben uns in der zweiten Halbzeit enorm in die Zweikämpfe geworfen", sagte Stürmer Kevin Volland bei SPORT1.

Die Borussia verlor dagegen ihr viertes Pokal-Heimspiel gegen einen Erstligisten in Folge (Das Spiel im Ticker zum Nachlesen).

"Wir haben heute sicher das nötige Quäntchen Glück gehabt. Es war nicht unser bestes Spiel. Aber Kampf und Leidenschaft haben gestimmt. Am Ende bin ich total glücklich", sagte ein zufriedener Bayer-Sportchef Rudi Völler nach dem Abpfiff.

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Havertz im Glück

Allein in den spektakulären ersten zehn Minuten hätten drei Tore fallen können: Sven Bender (4.) und Julian Brandt (10.) vergaben für Leverkusen ebenso wie auf der Gegenseite Lars Stindl (7.) beste Chancen.

Obwohl bei der Borussia inklusive Spielmacher Raffael gleich acht Stammkräfte ausfielen, hielten die Hausherren das hohe Tempo der Bayer-Elf mit. Die 49.016 Zuschauer kamen in dieser Phase voll auf ihre Kosten - ähnlich wie im Liga-Spiel acht Wochen zuvor, als Leverkusen in 33 Minuten aus einem 0:1 ein 5:1 gemacht hatte. Bei der nächsten Großchance reagierte Schlussmann Bernd Leno gegen Patrick Herrmann glänzend (21.).

"Es war eine rundum gelungene Hinrunde von uns. Wenn man in Gladbach zu null spielt und einige Bälle hält, war es auch für mich ein gelungener Abend", sagte Leno bei SPORT1.

Mit zunehmender Spieldauer gewann der Kampf die Oberhand über die Kreativität. Die Folge waren viele Unterbrechungen. Glück hatte der bereits verwarnte Leverkusener Kai Havertz, als er Matthias Ginter in der Luft mit dem Ellenbogen erwischte und dennoch auf dem Platz bleiben durfte (35.). "Für mich ist das zweite Vergehen noch deutlich klarer als das erste. Bei aller Gnade vor Recht, das ist eine entscheidende Szene, die so einem Spiel eine Richtung gibt", ärgerte sich Hecking (Alles zum DFB-Pokal im Volkswagen Pokalfieber am Do. ab 19 Uhr LIVE im TV auf SPORT1).

Bailey nutzt Oxfords Patzer

Herrlich wechselte Havertz in der Pause aus, den besseren Start erwischte diesmal die Borussia. Mickael Cuisance (49.) und Thorgan Hazard nach einem Alleingang über das halbe Feld (51.) fanden jeweils im glänzend aufgelegten Leno ihren Meister, eine Direktabnahme von Confed-Cup-Sieger Stindl lenkte Sven Bender (57.) zur Ecke. Die Borussia, die nach dem Bundesliga-Wochenende zwei Tage mehr zur Erholung hatte, war nun klar überlegen.

In der Folge machte sich mehr und mehr die intensive erste Hälfte bemerkbar. Das Spiel entwickelte sich zu einem Pokalfight, die Fehler häuften sich auf beiden Seiten. Ein Patzer von Oxford bei der Ballannahme leitete auch einen Konter von Leverkusen ein, den Bailey eiskalt mit links abschloss. Wenige Minuten später blamierte sich Herrlich mit seiner Einlage.

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