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Das 0:3! Fernandez köpft ein, Weidenfeller macht eine unglückliche Figur © Getty Images

Düsseldorf - Das DFB-Team wird in der Neuauflage des WM-Finals von Argentinien streckenweise vorgeführt. Die Aufholjagd kommt zu spät. Am Ende gelingt zumindest Ergebnis-Korrektur.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Markus Höhner und Andreas Reiners

Düsseldorf - Haben die Weltmeister zu lange gefeiert, hatten sie schwere Beine oder ein Motivationsproblem?

Die deutliche und peinliche Niederlage der deutschen Nationalmannschaft in der Neuauflage des WM-Endspiels gegen Argentinien hat für einen deutlichen Stimmungsdämpfer gesorgt.

Die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw kassierte gegen den zweimaligen Weltmeister eine bittere 1:4 (0:2)-Pleite und wartet seit 1988 auf einen Heimsieg gegen die Südamerikaner.

Götze trifft erneut 

Den Treffer für die ohne ihren angeschlagenen Superstar Lionel Messi angetretenen Gäste erzielten Sergio Agüero (21.), Erik Lamela (40.), Federico Fernandez (47.) und Angel di Maria (50.).

Andre Schürrle (52.) und Mario Götze (74.) sorgte für die deutschen Treffer.

Große Probleme in der Defensive

Die stark ersatzgeschwächte DFB-Auswahl war den Gästen in der Defensive hoffnungslos unterlegen, im Mittelfeld blieb Toni Kroos unter seinem Niveau, im Angriff vergab Mario Gomez zwei hochkarätige Chancen.

Insgesamt fehlten im Kader acht Weltmeister: Neben den zurückgetretenen Philipp Lahm, Miroslav Klose und Per Mertesacker fehlten verletzt der neue Kapitän Bastian Schweinsteiger, Shkodran Mustafi, Mesut Özil, Jerome Boateng und Sami Khedira. Mats Hummels saß zumindest auf der Bank.

Reus und Gomez in der Startelf 

Die Startelf bildeten neun weitere WM-Champions sowie die bei der WM verletzten Rückkehrer Marco Reus und Gomez.

Der Italien-Legionär, der erstmals seit 385 Tagen im Nationaltrikot auflief, agierte als klassische Spitze, Final-Held Götze saß zunächst nur auf der Bank.

Außenverteidiger überfordert 

In der Abwehr waren Erik Durm und Kevin Großkreutz als Links- und Rechtsverteidiger überfordert, besonders Durm erwischte einen schwarzen Tag.

Benedikt Höwedes und Matthias Ginter bildeten die Zentrale. Höwedes bügelte einige Patzer seiner Nebenleute aus, Ginter machte wie seine Dortmunder Abwehrkollegen eine unglückliche Figur.

Verabschiedungen vor dem Spiel 

Vor dem Spiel wurde Löw als Trainer des Jahres geehrt und die zurückgetreten Weltmeister von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach unter großem Beifall verabschiedet.

Hansi Flick, der vom Posten des Co-Trainers in die Position des DFB-Sportdirektors aufgestiegen ist, bekam ebenfalls einen Blumenstrauß überreicht.

Die Stimmung war weltmeisterlich, die argentinischen Spieler applaudierten brav.

Di Maria ragt heraus 

Doch mit dem Anpfiff war es bei den Vizeweltmeistern vorbei mit dem Austausch von Nettigkeiten. Sie wollten sich für die Niederlage von Rio revanchieren und gingen mit vollem Einsatz zur Sache.

Besonders Angel di Maria, der im Finale wegen einer Verletzung nicht eingesetzt worden war, schien sich und der Welt beweisen zu wollen, dass Argentinien das Endspiel mit ihm nicht verloren hätte.

Gomez scheitert an Romero 

Die deutsche Mannschaft, die mit vier Spielern aus der Startelf des Endspiels begann, fand nicht sofort ins Spiel, erspielte sich aber nach sieben Minuten die erste große Chance.

Christoph Kramer spielte schön in den Lauf von Gomez, der nahm den Ball gut mit, scheiterte mit seinem halbhohen Schuss aber an Schlussmann Sergio Romero.

Hohes Tempo und viel Aggressivität 

Beide Teams schenkten sich nichts. In der 17. Minute gab es Gelb für Martin Demichelis nach einem Foul an Reus, drei Minuten später sah Julian Draxler für ein Foul an Javier Mascherano ebenfalls den Karton.

Kurz darauf nutzten die Argentinier eine Reihe von Fehlern in der deutschen Abwehr zur Führung.

Di Maria bedient Aguero 

Durm ließ sich von die Maria ausspielen, der lupfte von halbrechts in den Strafraum und Agüero nahm den Ball aus drei Metern direkt und schoss ihn unter die Latte. Neuer war ohne Chance.

Gomez zum Zweiten 

Das DFB-Team war nur kurz geschockt. Kroos schoss aus 17 Metern knapp neben das Tor (23.) und fünf Minuten später hatte Gomez seine zweite Riesenchance.

Kramer dribbelte an der Strafraumgrenze drei Argentinier aus, passte auf Reus, der spielte weiter auf Gomez, doch der Italien-Legionär fand wieder seinen Meister in Romero.

Draxler verletzt runter 

Nach 33 Minuten musste Draxler wegen Oberschenkelproblemen den Platz verlassen. Für den Schalker kam Lukas Podolski. Der Ex-Kölner wurde in Düsseldorf mit Sprechchören gefeiert.

Die deutsche Elf verpasste die nächste Chance zum Ausgleich, Schürrle schoss nach einem Freistoß von Kroos knapp vorbei (39.). Im Gegenzug folgte der nächste Treffer für die Gäste.

Traumtor von Lamela 

Wieder verlor Durm den Zweikampf gegen di Maria. Auch Höwedes zögerte und verhindert die Flanke nicht. Lamela versenkte den Ball volley aus zwölf Metern volley in den linken Winkel.

Kurz vor der Pause hatten die deutschen Fans den Torschrei auf den Lippen. Einen Schuss von Reus ließ Romero abprallen, Gomez vergab den Nachschuss, stand aber im Abseits.

Mit Pfiffen wurden die deutschen Spieler in die Pause verabschiedet.

Blitzstart der Argentinier 

Nach dem Seitenwechsel brachte Löw Roman Weidenfeller für Neuer, doch der Dortmunder wurde kalt erwischt. Nach einem Freistoß des überragenden di Maria zögerte Weidenfeller, Ginter verlor das Kopfballduell gegen Fernandez und es hieß 0:3.

Fünf Minuten später bahnte sich ein Debakel an, als di Maria seine Gals mit einem feinen Lupfer zum 0:4 krönte.

Schürrle mit dem Anschluss 

Doch das DFB-Team fand - zumindest in der Offensive- in die Spur. Schürrle stand nach einem Eckball von Kroos völlig frei und verwandelte im zweiten Versuch.

Als Löw in der 57. Thomas Müller für Schürrle und Götze für Gomez einwechselte, pfiffen die Zuschauer den ehemaligen Stuttgarter aus. SHOP: Jetzt DFB-Fanartikel kaufen

Die Argentiniern ließen es etwas ruhiger angehen und die deutsche Mannschaft kam zu weiteren Möglichkeiten.

Götze setzt den Schlusspunkt 

Reus traf mit einem feinen Schlenzer den Innenpfosten (76.), doch zwei Minuten später verkürzte Götze auf 2:4. Der Siegtorschütze von Rio de Janeiro traf nach einer Flanke von Podolski und einem Fehler von Romero.

Es blieb beim 2:4 und der Erkenntnis, dass die deutschen WM-Helden sich deutlich steigern müssen und der zweite Anzug nicht passt.

Schon am Sonntag startet die DFB-Auswahl gegen Schottland in die EM-Qualifikation.

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