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© Getty Images

Düsseldorf - Beim Comeback im DFB-Team nach mehr als einem Jahr klappt bei Mario Gomez nicht viel. An die Pfiffe hat er sich gewöhnt.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Markus Höhner und Andreas Reiners

Mario Gomez gab sich alle Mühe.

Der deutsche Nationalstürmer versuchte, die erneuten Pfiffe gegen ihn herunterzuspielen. Lächelte hin und wieder. Tat sogar ein wenig überrascht.

"Ich sehe das gar nicht so dramatisch", sagte er, nachdem er nach dem 2:4 im Testspiel der Weltmeister bei der Neuauflage des WM-Finales gegen Argentinien (Spielbericht) zum x-ten Mal darauf angesprochen wurde.

Doch die Mimik und Gestik verriet ihn.

Gomez war anzumerken, dass ihn die Pfiffe der deutschen Fans nicht kalt gelassen hatten.

Pfiffe mit Tradition

Denn Unmutsäußerungen gegen den Italien-Legionär sind inzwischen schon Tradition. Doch warum ist das so? Seine gute Quote von 25 Toren in 60 Länderspielen kann es eigentlich nicht sein.

Ein Thomas Müller ist mit seinen flapsigen Sprüchen, schlaksigen Beinen und der unkonventionellen Spielweise der Liebling der Nation, Miroslav Klose seit der WM sowieso endgültig der Held des ganzen Landes.

Und dem Ur-Kölner Lukas Podolski wird sogar in Düsseldorf zugejubelt.

Und Gomez? Bleibt weiter der Ungeliebte. Der Stürmer vom AC Florenz versuchte, das Phänomen zu erklären. Es blieb bei einem Versuch.

"Die Leute erwarten, dass ich treffe"

"Ich war bei dem großen Erfolg bei der WM nicht dabei. Und die Leute erwarten, dass ich treffe, wenn ich die Chancen dazu habe. Ich wünsche mir das auch. Es ist aber kein Wunschkonzert. Ich habe alles dafür getan, gut zu spielen", sagte er.

Sucht man nach einem Ursprung, einem Auslöser, erinnert man sich schnell an die EM 2008. Vorrundenspiel gegen Österreich. Fünf Meter vor dem Tor stolpert Gomez den Ball in bester Slapstick-Manier über das Gehäuse.

Seitdem ist irgendwie der Wurm drin im schwierigen Verhältnis zwischen den deutschen Fans und dem 29-Jährigen.

Gomez polarisiert

Sprüche wie von "ARD"-Experte Mehmet Scholl bei EM 2012 ("Hatte zwischendurch Angst, dass er sich wundliegt und mal gewendet werden muss") tun ihr Übriges zur Stimmungsmache.

Vielleicht ist es aber auch das Auftreten des Ex-Münchners. Sensibel sei er, charakterisieren ihn seine Fürsprecher. Als arrogant kritisieren ihn seine Gegner.

Fakt ist, dass er polarisiert. Warum, weiß eigentlich keiner so genau.

Aura als Angriffspunkt

Vielleicht ist es auch seine Art, Fußball zu spielen. Gomez ist kein so offensichtlicher Kämpfer wie Klose, der sich für die Mannschaft aufrieb. Man sieht ihm den Frust sofort an.

Gomez ist kein filigraner Techniker wie Marco Reus. Und eben auch kein liebenswert-chaotischer Knipser wie Müller.

Seine Ausstrahlung sorgt offenbar für Reizpunkte. Eine Aura als Angriffspunkt.

Trifft er, darf er höchstens auf Milde hoffen. Trifft er nicht, ist es vorbei mit der Zurückhaltung.

Mr. Chancentod

Nach dem Abend in Düsseldorf war wieder mal vom Chancentod die Rede. Die Ironie der Geschichte: Sein ehemaliger Konkurrent Klose bekam bei seiner offiziellen Verabschiedung vor dem Spiel Standing Ovations und frenetischen Applaus.

Eine Zuneigung, auf die Gomez wohl vergeblich warten muss.

Bei der missglückten Party nach dem WM-Titel war Gomez dann auch der einzige Spieler in einer insgesamt enttäuschenden Mannschaft, der ausgepfiffen wurde.

Trotzdem ein gutes Gefühl

Trotzdem nahm Gomez ein gutes Gefühl mit aus Düsseldorf. "Im Fußball geht es immer weiter, auch für mich. Ich werde jetzt versuchen, in den zwei nächsten Jahren möglichst viel zu spielen", sagte er.

Auch Löw weiß, dass Gomez nach seiner langen Verletzungspause noch gar nicht auf seinem früheren Leistungsstand sein kann.

"Ich weiß es einzuschätzen, dass er noch nicht in Topform sein kann. Mir war es wichtiger zu sehen, wie er sich bewegt", sagte Löw.

So viel Weitsicht besaßen an diesem Abend nicht alle.

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