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Marco Reus (Mitte) fehlte bei der WM verletzt © Getty Images

Düsseldorf - Das 2:4 des DFB-Teams gegen Argentinien zeigt vergessen geglaubte Abwehrprobleme auf. Die Pfiffe gegen Mario Gomez nerven.

Das erste Spiel des Weltmeisters nach der WM in Brasilien hatten sich die Deutschen und auch die Fans anders vorgestellt. Die 2:4-Niederlage gegen Argentinien hat die Stimmung nach der WM-Euphorie gedämpft.

Die Pfiffe in Düsseldorf gegen den nach drei vergebenen Großchancen ausgewechselten Mario Gomez zeigen die Enttäuschung der Zuschauer. Sie waren aber völlig unangebracht.

Einen Spieler, der die WM wegen einer Verletzung verpasst hat und der sich zurück in die Mannschaft gekämpft hat, darf man so nicht behandeln.

Gomez' Beispiel zeigt aber, dass die deutsche Mannschaft nach dem WM-Triumph von Rio de Janeiro schneller auf dem Boden der Tatsachen angekommen ist als erwartet. Und dass die EM-Qualifikation kein Selbstläufer wird.

Dennoch darf man die Niederlage nicht überbewerten. In Testspielen tut sich das DFB-Team seit Jahren regelmäßig schwer, gegen Argentinien kassierte es seit 2010 die dritte Heimniederlage in Folge.

In Düsseldorf fehlten nicht nur die zurückgetretenen Philipp Lahm, Miroslav Klose und Per Mertesacker. Bastian Schweinsteiger, Sami Khedira, Jerome Boateng, Mats Hummels und Mesut Özil konnten allesamt verletzungsbedingt nicht spielen.

Bundestrainer Joachim Löw musste die Mannschaft neu formieren, besonders in der Abwehr.

Benedikt Höwedes, während der WM als Linksverteidiger eingesetzt, durfte zwar endlich auf seiner Wunschposition im Zentrum spielen, doch der Rest der Viererkette bestand aus Spielern, die bei der WM nur Zuschauer waren.

Matthias Ginter, Erik Durm und Kevin Großkreutz gaben gegen Argentiniens Offensive um den überragenden Angel Di Maria keine gute Figur ab. Deutschland kassierte in 52 Minuten so viele Gegentore wie während der gesamten WM.

Ginter, Durm oder Großkreutz haben nicht die Klasse eines Lahm oder Boateng und sind auch mit ihrem Verein nicht optimal in die Bundesliga gestartet. Aber am Sonntag werden die BVB-Profis doppelt motiviert sein, es besser zu machen. Es gibt keinen Grund zur Panik.

Das Spiel gegen Schottland findet vor heimischer Kulisse in Dortmund statt, und es ist der Auftakt der EM-Qualifikation. Nach dem Testspiel geht es wieder um etwas. Und wenn es darauf ankam, war auf die DFB-Auswahl seit dem Halbfinal-Aus bei der EM 2012 fast immer Verlass.

Einzige Ausnahme: Das 4:4 gegen Schweden im Oktober 2012. Doch Schottland hat keinen Zlatan Ibrahimovic, und Boateng wird am Sonntag wahrscheinlich in die Abwehr zurückkehren.

Gegen Argentinien hat Deutschland sicherlich nicht gut gespielt. Aber vielleicht war die Pleite, wie es Per Mertesacker formulierte, ein "Wachmacher" zur richtigen Zeit.

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