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Mario Götze und Mario Gomez
Mario Götze (l., mit Mario Gomez) spielte bis 2013 bei Borussia Dortmund. © Getty Images

Dortmund - Vor dem Start der EM-Qualifikation gegen Schottland stehen die beiden Marios im Fokus. Großkreutz appelliert an die Fans.

Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch, Jochen Stutzky und Thomas Klein

Als Mario Götze den Rasen des Dortmunder Stadions betrat, war es ganz still. Auch als Mario Gomez auf den Platz lief, blieb es ruhig.

Beim Training der deutschen Nationalmannschaft war am Samstag nichts davon zu erahnen, was am Abend beim Spiel gegen Schottland (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER und auf SPORT1.fm) passieren könnte.

Schmährufe gegen "Judas" Götze

Als der ehemalige Dortmunder Götze im November 2013 zum ersten Mal mit dem FC Bayern in seiner alten Heimat spielte, schlug im Hass entgegen.

Es gab "Judas"-Rufe und böse Transparente.

Die Stimmung war so aufgeladen, dass sich Götze im Kabinentunnel aufwärmen musste. Als er ins Spiel kam, wurde er ausgepfiffen.

Götze schoss das Führungstor, jubelte aber nicht. Bayern gewann 3:0.

Auch als Götze im August mit den Münchnern zum Supercup in Dortmund antrat, wurde er bei seiner Einwechslung ausgepfiffen.

Dass er die deutsche Nationalmannschaft wenige Wochen zuvor in Brasilien zum WM-Titel geschossen hatte, spielte für die BVB-Fans keine Rolle.

Man darf gespannt sein, wie sich die Zuschauer der Nationalmannschaft heute Abend verhalten werden.

Götze wehrt sich

"Ich gehe davon aus, dass das Publikum Götze feiern wird. Mario hat das entscheidende Tor im WM-Finale geschossen. Deshalb gehe ich davon aus, dass das deutsche Publikum ihn feiern wird", sagte Bundestrainer Joachim Löw am Samstag.

Götze wehrte sich gegen den Vorwurf, wonach er angeblich unnahbar sei und wenige Emotionen zeige.

"Die Leute, die das über mich denken, kennen mich einfach nicht. Sie wissen nicht, wer ich bin. Und manchmal verbreiten sie sogar Lügen", sagte der 22-Jährige im "Express".

Er könne aber nichts dagegen tun, ergänzte Götze. Er "versuche deshalb, es ziemlich entspannt zu sehen".

Löw setzt auf Fairness der Fans

Der Bundestrainer hat die Hoffnung, dass die BVB-Anhänger sich mit Götze versöhnt haben. Dortmund stehe für Unterstützung, "das Publikum ist bekannt für seine Begeisterungsfähigkeit und Fairness, wir haben dort gute Erfahrungen gemacht", meinte Löw - auch in Bezug auf Mario Gomez.

Seine Worte klangen wie ein Appell.

Und wenige Stunden vor dem Anpfiff schickte der DFB dann noch BVB-Urgestein Kevin Großkreutz vor, der auf der Verbands-Homepage in Richtung der Fans erklärte:

"Hey, zeigt der ganzen Welt, was für geile Fans wir in Dortmund haben. Hier in unserem Tempel werden wir keinen Nationalspieler auspfeifen."

Auch Andre Schürrle möchte keine Pfiffe für seine Teamkollegen hören: "Ich glaube, dass das Dortmunder Publikum schlau genug ist, unsere Spieler zu unterstützen", sagte Schürrle, der Götzes Siegtreffer im WM-Finale vorbereitet hatte.

Pfiffe gegen Rückkehrer Gomez

Dabei beziehen sich die Aufforderungen auch auf den zweiten Mario im Kader: Mario Gomez.

Der Stürmer hatte die WM verletzungsbedingt verpasst und beim 2:4 im Test gegen Argentinien hochkarätige Torchancen vergeben. Die Zuschauer in Düsseldorf pfiffen ihn bei seiner Auswechslung gnadenlos aus.

Löw verteidigte den lange verletzten Profi des AC Florenz: "Wenn er sein Können umsetzt, ist Mario Weltklasse", betonte der Bundestrainer.

Seit der EM 2008, als er im Spiel gegen Österreich den Ball aus einem Meter über das Tor schoss, hat Gomez beim Publikum einen schweren Stand.

Vorwurf an Mehmet Scholl

Er weiß nicht, warum "die Pfiffe gegen mich schon fast Kult geworden", hat aber einen möglichen Schuldigen ausgemacht: Ex-Nationalspieler und TV-Experte Mehmet Scholl.

An seiner Rolle als Sündenbock "war der so coole Mehmet sicher nicht ganz unschuldig", meinte Gomez in einer kleinen Gesprächsrunde.

Scholl hatte nach dem 1:0-Auftaktsieg des DFB-Teams bei der EM 2012 als ARD-Experte die Sorge geäußert, "dass er sich wund liegt".

"Aus meinem Kopf ist das längst raus", meinte Gomez, der damals das Siegtor erzielt hatte:

"Nur aus vielen anderen Köpfen nicht. Er wusste auch nicht, was er da anrichtet. Es ist einfach, dort zu stehen und einen flapsigen Spruch zu machen, ohne die Auswirkungen zu kennen in der heutigen Zeit."

Doch die Zeit ist schnelllebig. Löws Äußerungen zur Mannschaftaufstellung lassen darauf schließen, dass Götze gegen Schottland beginnen wird.

Es wäre eine interessante Konstellation: Wie verhält sich das Publikum, wenn Gomez für Götze eingewechselt wird? Man darf gespannt sein.

Die voraussichtliche deutsche Aufstellung:

Neuer - Großkreutz, Höwedes, Boateng, Durm - Kramer, Kroos - Müller, Reus, Schürrle - Götze (Gomez).

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