Vom DFB-Team berichten Thorsten Mesch und Jochen Stutzky

Warschau - Die äußeren Bedingungen sind nahezu perfekt.

Blauer Himmel, 24 Grad bei der Landung am Freitag, 22 Grad und leichte Bewölkung sind für den Samstag angesagt.

Nach vier verregneten Tagen in Frankfurt dürfen sich die deutschen Nationalspieler in Warschau fast wie in Brasilien fühlen.

Doch die Mannschaft, die am Abend das EM-Qualifikationsspiel gegen Polen (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) bestreitet, ist eine ganz andere als das Team, das in Rio de Janeiro den WM-Titel gewann.

Aus der Startelf aus dem Finale gegen Argentinien fehlen fünf Spieler. Philipp Lahm und Miro Klose haben ihre Karrieren im DFB-Team beendet, Bastian Schweinsteiger, Mesut Özil und Benedikt Höwedes sind verletzt - genau wie Sami Khedira.

Per Mertesacker ist ebenfalls zurückgetreten, dazu verletzte sich Marco Reus Anfang September gegen Schottland.

Löw erkennt Probleme

"Wir haben einige Probleme", stellt Joachim Löw fest. Vor allem der Ausfall von Özil habe seine "Planungen über den Haufen geworfen", erklärt der Bundestrainer. 

Nur noch 15 Weltmeister sind in Warschau dabei. Doch Jammern hilft nichts.

"Das ist bitter, aber wir verfügen aber immer noch über eine gute Achse", betont Löw.

Manuel Neuer im Tor, Mats Hummels und Jerome Boateng in der Innenverteidigung, Toni Kroos, Thomas Müller und Mario Götze sind Spieler, die zu den Garanten für den WM-Titel zählten und die auch gegen Polen vorangehen sollen.

Schwächen in der Abwehr

Das wird auch nötig sein, denn beim 2:4 gegen Argentinien und beim 2:1 gegen Schottland im September lief längst nicht alles rund. Vor allem die neu formierte Abwehr zeigte zweimal deutliche Schwächen.

Gegen Polen haben wird eine Steigerung nötig sein, sonst könnte der erste Punktverlust oder sogar eine Niederlage drohen (DATENCENTER: EM-Qualifikation).

"Ich bin mir sicher, dass wir eine gute Mannschaft aufbieten und bin optimistisch, dass wir unsere Aufgabe lösen", gibt sich Löw zumindest äußerlich entspannt.

Die jungen Spieler, die während der WM nur Zuschauer waren oder erst danach zur Mannschaft gestoßen sind, hätten zwar "noch nicht die Reife. Aber sie zeigen im Training, dass sie willig sind und wir uns auf sie verlassen können", meint Löw.

Damit sind vor allem Linksverteidiger Erik Durm, der gegen Argentinien und Schottland Probleme hatte, Innenverteidiger Matthias Ginter, Antonio Rüdiger und Sebastian Rudy gemeint.

Drei Alternativen für Rechts

Der Hoffenheimer spielte gegen Schottland hinten rechts, Rüdiger wäre ebenso eine Alternative wie Shkodran Mustafi, der diese Position bei der WM dreimal bekleidete.

Der Leverkusener Karim Bellarabi könnte im offensiven Mittelfeld sein Debüt feiern, doch wahrscheinlich wird der Bundestrainer erst einmal auf Lukas Podolski setzen.

Löw weiß, dass er sich auf den Arsenal-Profi verlassen kann, selbst wenn der im Verein zuletzt nur auf der Bank saß.

Der gebürtige Pole brennt auf einen Einsatz, weiß aber, dass er "nicht den Spielrhythmus" hat, "um Ansprüche zu stellen."

Podolski erwartet ein hartes Spiel, Löw einen "hartnäckigen und aufsässigen Gegner".

Podolski warnt vor Lewandowski

Polen habe "eine sehr gute Mannschaft hat, die hervorragenden Konterfußball spielt, angeführt von ihrem Protagonisten Robert Lewandowski."

Der Bundestrainer weiß, dass der WM-Titel in der EM-Qualifikation keinen Wert hat. Spaniens Niederlage in der Slowakei ist ein warnendes Beispiel.

"Die Gegner kitzeln ein paar Prozentpunkte mehr heraus, um den Weltmeister zu stürzen. Die Zuschauer werden nicht kommen, um uns zu feiern. Polen wird keine Geschenke verteilen", sagt Löw und gibt die Parole aus: "Wir sind die Gejagten und müssen wahnsinnig viel tun, richtig dagegen halten."

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