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Horst Hrubesch (2.v.l.) wurde 2009 mit dem Trainerpreis des DFB ausgezeichnet

Essen - Die U 21 hat sich für die EM qualifiziert. Hrubesch will den Titel. Er macht Hoffnungen auf eine neue goldene Generation.

Von der U-21-Nationalmannschaft berichtet Andreas Reiners

Horst Hrubesch ließ erst gar keine Zweifel aufkommen.

"Ich fahre nicht zur EM, um nur teilzunehmen. Zwei Spiele gewonnen, 5:0 Tore - da sind nicht viele Gegner, die mich mit meiner Mannschaft haben wollen. Mit dieser Mentalität und der Qualität an Fußball die wir haben, weiß ich nicht, ob einer mithalten kann", sagte der U-21-Nationaltrainer nach dem 2:0-Sieg im Play-off-Rückspiel der DFB-Auswahl gegen die Ukraine.

Es schwang eine Mischung aus Stolz und Vorfreude mit, als Hrubesch nach der geglückten EM-Qualifikation über seine Mannschaft sprach. Die Aussichten. Die Ziele. Und das Potenzial.

Erinnerungen an 2009

Denn trotz der glanzlosen Vorstellung gegen die Ukraine wurden automatisch Erinnerungen wach an 2009. Damals holte Hrubesch mit der U 21 den EM-Titel.

Mit Spielern wie Mesut Özil, Sami Khedira, Manuel Neuer, Mats Hummels, Benedikt Höwedes und Jerome Boateng. Das Sextett wurde fünf Jahre später Weltmeister.

Die oft zitierte Goldene Generation also.

Hat die Klasse von 2014 ein ähnliches Potenzial?

"Ja, denke ich schon. Der Kader ist diesmal aber wesentlich breiter. Damals waren es 20, 22 Spieler. Jetzt habe ich 35 bis 40 Spieler, aus denen ich auswählen kann. Von der Qualität des Kaders her sind wir noch nicht am Ende", so Hrubesch.

Nicht zu vergessen die Weltmeister Matthias Ginter, Erik Durm und Shkodran Mustafi sowie der zuletzt fürs A-Team berufene Antonio Rüdiger, die Hrubesch Bundestrainer Joachim Löw zur Verfügung stellte.

Theoretisch könnten auch Mario Götze und Julian Draxler im kommenden Jahr noch bei der U-21-EM mitspielen.

Erneute Diskussionen drohen

Es ist davon auszugehen, dass 2015 wieder die Diskussion aufkommt, auf welche Spieler Hrubesch zurückgreifen darf.

Die EM findet vom 17. bis 30. Juni statt. Vier Tage vor dem Anpfiff in Tschechien spielt die A-Nationalmannschaft ihr EM-Qualifikationsspiel beim Fußball-Zwerg Gibraltar.

"Wir haben immer gesagt, dass wir froh sind, wenn wir Spieler nach oben geben können. Ob wir sie wiederbekommen, lassen wir mal dahingestellt", sagte Hrubesch SPORT1.

Und so wie sich der 63-Jährige anhörte, muss er Spieler vom Kaliber eines Mario Götze oder Julian Draxler gar nicht unbedingt haben.

Nicht die Besten, sondern die Richtigen

"Für mich ist es wichtig, dass ich eine Mannschaft habe, die funktioniert. Ich muss ja nicht immer die Besten aufstellen. Es wäre aber ganz gut, wenn ich die Richtigen aufstelle. Und manchmal sind die Besten nicht die beste Mannschaft, um alles zu gewinnen", so Hrubesch.

Es komme auf eine funktionierende Einheit an, nicht auf Individualisten. "Man muss eine gesunde Mischung haben. Und meine Mannschaft funktioniert, sie hat Leben."

Überall Verbesserungspotenzial

Auch wenn jemand wie Hrubesch immer und überall noch Verbesserungspotenzial sieht.

"In allen Mannschaftsteilen, in der Spielgeschwindigkeit, im Zweikampfverhalten, bei Flanken, beim Kopfballspiel, bei Standards. Wir können noch einiges bewirken", so Hrubesch.

Doch dass diese Mannschaft, die seit nunmehr zehn Pflichtspielen ungeschlagen ist, Leben hat und funktioniert, ist zu einem Großteil Hrubesch zu verdanken.

Der hatte es sich mit Ehefrau Angelika eigentlich schon auf seinem Pferdezuchtbetrieb in der Lüneburger Heide bequem gemacht.

Doch nach der desaströsen EM 2013 mit Trainer Rainer Adrion suchte der DFB einen neuen Coach. Und nahm der Einfachheit halber den alten.

"Mister Gnadenlos"

"Mister Gnadenlos", wie ihn seine Spieler nennen, setzt auf ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis, auf Verlässlichkeit, einen gewissen Grad an Harmonie.

Sein Erfolgsgeheimnis? Hrubesch nutzt die Stärken seiner Truppe, nimmt das, was sie ihm bieten und versucht, es in die passende Form zu bringen.

Kitzelt den Willen heraus, die Gier nach Erfolg. Ist Respektsperson, Trainer, Freund. Gradlinig. Immer ein Ohr für die neue, junge Generation.

Geprägt von seinen Lehrmeistern Ernst Happel und Branko Zebec.

Selbst aber immer noch lernwillig, gerne auch von seinen Jungs. Und Hrubesch fördert den Egoismus. Denn die U 21 ist und bleibt immer noch ein Sprungbrett auf dem Weg nach oben.

Der nächste Schritt ist die EM 2015, das Fernziel bleiben die Olympischen Spiele 2016. In Rio. Auch da werden Erinnerungen wach.

Auch wenn Platz drei und damit die ersten Olympischen Spiele für eine deutsche Mannschaft seit 1988 ("eine einmalige Geschichte") Hrubesch nicht reichen würden. Der Westfale will den Titel.

Erste Olympia-Teilnahme seit 1988?

Nur acht Teams nehmen an dem Turnier teil, die besten drei qualifizieren sich die Sommerspiele. Und einige Favoriten blieben bereits auf der Strecke.

Neben den Gastgebern und der DFB-Auswahl sind auch Italien (3:1 und 1:1 gegen die Slowakei), England (2:1 und 2:1 gegen Kroatien), Portugal (5:4 und 2:0 gegen die Niederlande), Serbien (2:1 und 0:0 gegen Spanien), Dänemark (1:1 und 0:0 gegen Island) und Schweden (4:1 und 0:2 gegen Frankreich) 2015 dabei.

Im November testet die U 21 gegen die Niederlande und in Tschechien, im Frühjahr England und Italien. Große Gegner für große Ziele.

"Es ist alles drin. Natürlich wollen wir nach Olympia, das ist auch das Ziel des Trainers. Wir haben noch viel Luft nach oben. Es ist egal, wer kommt. Wir wollen den Titel haben", sagte Torschütze Kevin Volland.

Ganz nach dem Geschmack von Horst Hrubesch.

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