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Der Bundestrainer lächelt die Probleme des DFB-Teams einfach weg. Doch die EM-Qualifikation wird keineswegs ein Selbstläufer.

"Im nächsten Jahr sind wir wieder da", sagte Joachim Löw - und grinste.

Es war vielleicht eine Übersprungshandlung des Bundestrainers nach dem bitteren 1:1 gegen Irland.

Doch der Eindruck bei vielen Zuschauern war: Da hat einer den Ernst der Lage nicht erkannt - oder er verdrängt ihn.

Es mag viele Gründe geben für die unerwartete Krise des Weltmeisters, die den Rausch des Sommers sehr schnell hat vergessen lassen.

Löw kann man weder die Rücktritte von Phillip Lahm und Miroslav Klose vorwerfen, die offenbar doch eine weit größere Lücke hinterlassen haben als gedacht.

Noch die zahlreichen Ausfälle von Schlüsselspielern, die dazu führten, dass die deutsche Mannschaft nach dem Rückstand gegen Polen und in der Schlussphase gegen Irland kopf- und führungslos wirkte.

Und auch die vor allem WM-bedingte massive Formkrise von Leistungsträgern wie Thomas Müller, der als einzige Spitze einem Totalausfall glich, oder Mats Hummels, der wesentlich am späten Ausgleich der Iren beteiligt war, kann man Löw nicht wirklich vorwerfen.

Gleichzeitig kann der Bundestrainer aber auch nicht mit einem nonchalanten Lächeln über die offensichtlichen Defizite in den letzten Spielen hinwegsehen.

Angefangen mit der Tatsache, dass trotz haushoher Überlegenheit gegen den Weltranglisten-70. Polen und den Weltranglisten-62. Irland kaum zwingende Torchancen herausgespielt wurden. Ein Armutszeugnis für einen Weltmeister.

Kein Tempo, fehlende Ideen, wenig Bewegung, kaum Spiel über Außen, schlechte Chancenverwertung, viele defensive Lücken und individuelle Patzer - dafür ist letztlich der Trainer verantwortlich.

Und es bleibt unerklärlich, wieso Löw angesichts der Verletztenmisere am Ende lieber mit gerade mal drei Auswechelspielern in die wichtige Partie gegen Irland ging und sich so zusätzlicher Optionen beraubte, statt nachdrängenden Spielern eine Chance zu geben.

So schlecht ist ein DFB-Team noch nie in eine Qualifikation gegangen - trotzdem sind sich angesichts der aufgeblasenen EM-Teilnehmerzahl auf 24 Mannschaften (bei insgesamt 51 Startern) auch jetzt noch fast alle sicher, dass der Sprung zur Endrunde 2016 in Frankreich ein Selbstläufer ist.

Doch Vorsicht: Bis jetzt sind die vor der deutschen Nationalmannschaft platzierten Polen, Schotten und Iren keineswegs schwächer und gegen zwei dieser Gegner muss man noch auswärts ran.

Und selbst als Gruppendritter warten ja die Playoffs - da drohen nach jetzigem Stand die Niederlande, Belgien, Spanien, die Schweiz, Schweden oder Portugal. Ein Selbstläufer?

Ungeachtet des Fehlstarts in die EM-Qualifikation wird das Jahr 2014 vom WM-Titel überstrahlt. Doch nun fängt Löw wieder bei null an. Er muss den Ernst der Lage erkennen und zur Aufholjagd blasen. Sonst droht ein ernüchterndes Jahr 2015.

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