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Jonas Hector feierte im August 2012 sein Profi-Debüt beim 1. FC Köln

München - Jonas Hector wird erstmals für das DFB-Team nominiert. In Köln ist er Dauerbrenner und Leistungsträger, sein Weg dorthin bemerkenswert.

Zweikampfstark, passsicher, offensiv gefährlich, dazu Laufwunder und Dauerbrenner: Egal aus welchem Blickwinkel man Jonas Hector betrachtet, man findet keine Schwächen.

Es ist fast wie bei Hektor, dem heldenhaften trojanischen Krieger aus der griechischen Mythologie. So einer ist unverzichtbar.

Dauerbrenner in Köln

Beim 1. FC Köln wissen sie das schon seit geraumer Zeit: In 32 von 34 Zweitligaspielen stand der Linksverteidiger in der Vorsaison über 90 Minuten auf dem Platz. In der aktuellen Saison verpasste der 24-Jährige noch keine einzige Pflichtspielminute.

Inzwischen haben sich Hectors Qualitäten auch bis zu Joachim Löw herumgesprochen - am Donnerstag holte der Bundestrainer den Kölner für die Länderspiele gegen Gibraltar am 14. November und in Spanien am 18. November erstmals ins DFB-Team.

"Ich kann es noch gar nicht richtig fassen, dass ich jetzt zum ersten Mal für die Nationalmannschaft nominiert bin", ließ der Senkrechtstarter via Vereinshomepage wissen: "Es wurde zwar schon länger darüber spekuliert, aber für mich war das nie ein Thema, da ich mich vornehmlich auf die Aufgabe beim FC konzentriert habe."

Erfolgreich, muss man sagen.

Top-Werte in Defensive und Offensive

Hector gewinnt in seinem ersten Bundesliga-Jahr bislang 64 Prozent seiner Zweikampfquote und kommt dabei nach zehn Spielen mit gerade einmal drei Fouls aus.

Der einstige Mittelfeldspieler bringt aber auch als Außenverteidiger weiterhin seine Offensivqualitäten ein: 15 Torschussbeteiligungen, im Schnitt 68 Ballkontakte und 78 Prozent angekommene Pässe sind allesamt Top-Werte.

Bei der 2:3-Niederlage bei Eintracht Frankfurt glänzte Hector am siebten Spieltag fast schon folgerichtig erstmals als Bundesliga-Torschütze.

Ascheplätze beim SV Auersmacher

Der Weg dorthin verlief allerdings alles andere als gewöhnlich.

Von kleinauf spielte der gebürtige Saarländer beim SV Auersmacher - auch dann noch, als er schon längst bei hochklassigen Vereinen auf dem Wunschzettel stand.

"Ich wollte damals einfach nicht weg. Ich spielte seit der F-Jugend in Auersmacher und wollte zumindest eine Oberligasaison spielen", erklärte Hector einmal, warum er sein Seniorendebüt noch auf Ascheplätzen statt vor Tausenden von Zuschauern gab.

Profi-Debüt unter Stanislawski

Erst als 20-Jähriger ließ er sich von einem Wechsel zum 1. FC Köln überzeugen - und legte bei den "Geißböcken" einen bilderbuchmäßigen Aufstieg hin.

Nach zwei Spielzeiten in der Regionalliga-Reserve verhalf ihm der damalige Trainer Holger Stanislawski im August 2012 zu seinem Profi-Debüt.

"Jonas läuft in jeder Einheit, bis er auf seine Zunge tritt", charakterisierte Stanislawski seinen Schützling einmal, "da macht die Arbeit Spaß."

Als sein Förderer im Sommer 2013 entschied, nach dem verpassten Bundesliga-Aufstieg seinen Hut zu nehmen, hatte sich Hector längst in der Mannschaft festgespielt.

Nominierung "logische Konsequenz"

Erfolgstrainer Peter Stöger formte ihn in der Aufstiegssaison endgültig zum Leistungsträger - und angesichts des Mangels an talentierten Außenverteidigern zu einem künftigen Nationalspieler.

Für Kölns Geschäftsführer Jörg Schmadtke ist die Nominierung durch Löw "fast schon logische Konsequenz", zumal Hector "schon seit langer Zeit auf einem konstant hohen Niveau spielt".

Mit seinen Qualitäten an beiden Enden des Spielfelds will sich Hector bald auch in der Nationalmannschaft unverzichtbar machen.

Ganz wie der trojanische Held eben. Und nicht wie Jonas. Der gilt unter Seefahrern als böser Geist, der für alles Unheil an Bord verantwortlich ist.

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