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Die deutsche U 21 peilt die Olympischen Spiele 2016 in Rio an

Ingolstadt - Die deutsche U 21 startet stark in die EM-Vorbereitung. Doch schon jetzt geht der Blick über das Turnier 2015 hinaus nach Rio.

Wer ein Spiel der deutschen U 21 nur wenige Reihen hinter der Trainerbank von Horst Hrubesch verfolgt, braucht keinen Kommentator mehr.

Fast pausenlos treibt der Coach seine Jungs von der Seitenlinie an, lobt - und schimpft lautstark. Fast so, als würden die deutschen Junioren vom Gegner vorgeführt.

Zur Pause stand es am Donnerstag übrigens 3:0 für Deutschland. Und das war für den Gegner aus den Niederlanden noch schmeichelhaft.

Hrubesch nimmt Titel ins Visier

Sieben Monate vor Beginn der EM in Tschechien verfestigt sich die Erkenntnis, dass diese U 21 wieder einer dieser ganz besonderen Jahrgänge sein könnte.

So besonders, dass sich sowohl Spieler als auch Trainer schon jetzt ganz große Ziele setzen.

"Ich will zur Europameisterschaft fahren, um auf den Titel zu spielen, und nicht, um dabei zu sein", sagte Hrubesch nach dem überzeugend gewonnenen Test gegen die Nachbarn.

Den EM-Titel hat er schon einmal gewonnen, 2009. Es war der bisher einzige für deutsche Junioren in der höchsten Altersklasse. Sechs Spieler aus dem Kader von damals wurden in diesem Sommer in Rio Weltmeister.

Rio als übergeordnetes Ziel

Und Rio ist auch für die neue U 21 ein wichtiger Ort. Denn so schön ein weiterer Titelgewinn in Europa wäre - die aktuelle Generation hat die Chance, etwas noch Außergewöhnlicheres zu schaffen.

Erreicht sie kommenden Sommer in Tschechien das Halbfinale, qualifiziert sich die Mannschaft als erstes deutsches Team seit 1988 für Olympische Sommerspiele. Die finden 2016 statt. In Rio de Janeiro.

Wenn Horst Hrubesch auf das Thema Olympia angesprochen wird, tut er gar nicht erst so, als würde es ihn noch nicht interessieren. Vielmehr strahlt der leidenschaftliche Angler übers ganze Gesicht, als hätte er einen ganz dicken Fisch aus dem Wasser gezogen.

Natürlich wäre es für ihn etwas Besonderes, könnte er die Mannschaft zu Olympia führen, versichert er. Das Ziel dürfte dann aber auch nur eines sein: gewinnen.

Max Meyer träumt vom Gold

Das unerschütterliche Selbstvertrauen, das sich die zuvor notorisch erfolglosen deutschen Juniorenauswahlen in den letzten Jahren angeeignet haben, trägt auch Hrubeschs Mannschaft in sich.

"Natürlich ist es ein Ziel, sich für Olympia zu qualifizieren und 2016 auch mitzuspielen", sagte der gegen die Niederländer überragende Schalker Max Meyer: "Deutschland hat noch nie Gold gewonnen. Das ist ein Ansporn für jeden Einzelnen, das zu erreichen."

Offensivfeuerwerk vor Niersbachs Augen

Für den Optimismus im DFB-Kader gibt es gute Gründe.

Vor allem in der ersten Halbzeit brannte die ersatzgeschwächte DFB-Elf vor den Augen von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach und Sportdirektor Hansi Flick ein wahres Feuerwerk gegen die völlig überforderten Gäste ab. Die hätten sich nicht beklagen können, wenn sich mit einem 0:5 in die Kabinen gegangen wären.

"So wie wir es in der ersten Halbzeit gespielt haben, war es streckenweise schon richtig gut. Das macht dann Spaß, auch draußen auf der Bank zum Zuschauen", schwärmte Hrubesch. Da Deutschland mit den Gegnern Tschechien, Dänemark und Serbien auch noch die vermeintlich leichtere EM-Vorrundengruppe erwischt hat, sollte das Minimalziel Halbfinale allemal in Reichweite sein.

Hrubesch bleibt kritisch

Die Schwächen seiner Edeltechniker in der Chancenverwertung und in der Rückwärtsbewegung sind Hrubesch aber nicht entgangen.

"Die müssen dann eben auch wissen, dass sie bestimmte Pässe nicht spielen sollen, oder den Ball annehmen und nicht versuchen, ihn mit der Hacke weiterzuspielen", erklärte der DFB-Trainer auf SPORT1-Nachfrage seine Wutausbrüche auf der Bank.

Hrubesch, der nach Abpfiff wie eine Mischung aus Vertrauenslehrer und Vaterfigur rüberkommt, tadelt vor allem deshalb, weil er weiß, was möglich ist.

Tiefe des Kaders beeindruckend

Zeit genug ist bis zur EM - und bestenfalls bis Olympia - noch genug. Und die Tiefe des Kaders ist beeindruckend. In Ingolstadt nicht mit dabei waren Stammkräfte wie Jonas Hofmann, Emre Can und Kevin Volland.

Und obwohl Hrubesch auf ebenfalls spielberechtigte A-Nationalspieler wie Erik Durm oder Mario Götze wohl kaum zurückgreifen kann, ist klar:

Der Traum von Rio ist mit Sicherheit kein Luftschloss.

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