Nach dem mageren 4:0 über Gibraltar zweifelt Thomas Strunz am Charakter des DFB-Teams. Für Lukas Podolski werde es eng.

Hallo Fußball-Freunde,

die deutsche Nationalmannschaft hat gegen Gibraltar erneut enttäuscht.

Es war nicht zu erkennen, dass das DFB-Team auf eine hohe Toranzahl spielen wollte. Es hat Tempo gefehlt.

Wir haben zuvor gegen Irland und Schottland nicht gut gespielt und wurden gegen Argentinien sogar vorgeführt.

Ich glaube daher, dass es an der Zeit ist, die einzelnen Positionen und vor allem die Spieler mal zu hinterfragen: Sind alle noch mit dem Herzen dabei?

Die Spanier haben uns vorgemacht, wie man weiter hungrig bleibt.

Auf diese neuen Begebenheiten müssen sich die Spieler nun einstellen. Die Ausstrahlung und die Selbstverständlichkeit, die man als Weltmeister haben müsste, vermisse ich derzeit.

Wenn wir uns nur als Gruppenzweiter oder womöglich als Gruppendritter für die EM qualifizieren würden, wäre es schon peinlich.

Ich halte es für Understatement, wenn man dann sagt, es reicht einfach, dabei zu sein.

Gegen Spanien befindet sich am Dienstag deshalb jeder Einzelne in einer Drucksituation.

Auch das neue System mit Dreierkette kann keine Ausrede für die derzeitigen Schwächen sein.

Viele südamerikanische Mannschaften haben schon bei der WM so gespielt und gegen Gibraltar lassen sich daraus auch noch keine taktischen Schlüsse ziehen.

Erst wenn man gegen Spanien auch mit einer Dreierkette spielt, dann wird es interessant. Dann wird man nämlich auch im Defensivverhalten gefordert sein.

Allerdings haben die meisten im DFB-Team dieses System im Verein noch nie gespielt und wir haben auch keine Außenverteidiger, die das von hinten anschieben können. Darin sehe ich das größte Problem.

So wird es schwer, in Überzahlsituationen zu kommen, wie man es zum Beispiel beim FC Bayern sieht.

In diesem System muss der Außenverteidiger alles können, denn man hat keinen offensiveren Partner vor sich. Es sind sehr komplexe Aufgaben, die hier erfüllt werden müssen.

Wer soll das aber aus dieser Mannschaft spielen? Dass solche Spieler von der Weltklasse eines Philipp Lahm fehlen, ist doch klar. Aber ich will das nicht als Ausrede gelten lassen.

Hinzu kommt, dass wir momentan auch keinen richtigen Stürmer haben - Max Kruse ist nominell der Einzige.

In der Offensive hat mich am Freitag auch Lukas Podolski enttäuscht. Gegen einen Gegner wie Gibraltar muss einfach mehr von ihm kommen. Da spielt fehlende Fitness keine Rolle.

Podolski müsste jetzt eigentlich zu einem Verein gehen, wo er eine Stammplatzgarantie hat. Aber wo hat er die? Zumal er auch noch ein hohes Gehalt hat.

Der Markt ist darum nicht besonders groß für ihn. Die Luft wird sehr dünn für Lukas.

Bis demnächst,

Euer Thomas Strunz

Ex-Nationalspieler Thomas Strunz wechselt sich in dieser Saison als Experte im Volkswagen Doppelpass und bei der sonntäglichen SPORT1-Kolumne mit Thomas Helmer und Mario Basler ab.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel