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Deutschland kassierte im WM-Halbfinale 2010 und im EM-Finale 2008 gegen Spanien bittere Pleiten

München und Nürnberg - Das Prestigeduell Deutschland gegen Spanien wird seinem Ruf schon im Vorfeld nur bedingt gerecht. Es droht ein Muster ohne Wert.

Der Schein trügt bisweilen.

Deutschland gegen Spanien, das ist das Duell des Weltmeisters von 2014 gegen den Vorgänger und aktuellen Europameister, Weltstars auf beiden Seiten, für das DFB-Team die Chance zur Revanche für zwei bittere Pleiten - und doch ist schon vor dem letzten Länderspiel im WM-Jahr 2014 die Luft raus.

So wie Scheinriese Herr Turtur in der Geschichte von Jim Knopf immer kleiner wird, je näher er kommt, genauso verblasst der Glanz des Duells Deutschland gegen Spanien, je näher der Termin rückt.

Del Bosque verweist schon auf März

Spaniens Trainer Vicente del Bosque verkündete vor dem Gastspiel von Weltmeister Deutschland in Vigo bereits nüchtern: "Das Spiel im März gegen die Ukraine, das ist unsere nächste Herausforderung."

Das Prestigeduell zum Ausklang des Länderspieljahres? Für den Spanier wie auch für Bundestrainer Joachim Löw nicht mehr als ein gewöhnliches Testspiel.

"Einige Spieler werden froh sein, wenn das WM-Jahr dann auch rum ist", meinte Löw nach dem wenig glanzvollen Pflichtsieg des DFB-Teams gegen Gibraltar.

Absagen en masse

Entsprechend hagelte es vor dem vermeintlichen Kracher Absagen auf beiden Seiten.

Iker Casillas, Andres Iniesta, Cesc Fabregas, David Silva, Diego Costa? Sie alle werden nicht für "La Roja" auflaufen. Stattdessen dürfte im Tor Kiko Casilla von Espanyol Barcelona sein Debüt feiern.

Der 28-Jährige spielte zuletzt in der U 21 für Spanien, del Bosque lobte aber: "Er hat sich über die Jahre kontinuierlich verbessert und sich diese Einsatzchance verdient."

Auch Boateng und Neuer fehlen

Auf deutscher Seite fehlen neben den zurückgetretenen Weltmeistern auch die verletzten Bastian Schweinsteiger, Marco Reus, Mats Hummels, Andre Schürrle und Christoph Kramer. Nach dem Gibraltar-Spiel meldeten sich zudem noch Manuel Neuer (Knie) und Jerome Boateng (Wade) angeschlagen ab.

Von den 14 im WM-Finale gegen Argentinien (1:0 n.V.) eingesetzten Spielern gehören somit nur noch vier (Benedikt Höwedes, Toni Kroos, Thomas Müller und Torschütze Mario Götze) zum Spanien-Aufgebot.

Das Spiel, welches im Estadio Balaidos von Celta Vigo (1928 eröffnet) nicht auf der ganz großen Bühne stattfindet, verkommt somit ein Stück weit zum Muster ohne Wert.

Keine Gedanken an Revanche

In Spanien ist der DFB-Tross nach WM-Kater und holprigem Quali-Start zumindest um einen positiven Abschluss des Jahres bemüht.

"Das ist ein Spiel mit viel Prestige, das jeder gerne spielt" versicherte zwar Thomas Müller, räumte aber auch ein: "Es wird unseren Eindruck vom Jahr 2014 aber nicht trüben. Wir haben den WM-Titel geholt, daran gibt es nichts zu rütteln, auch nach den Eindrücken aus der Quali. Wenn man so einen Meilenstein erreicht, kann danach passieren was will."

Auch Bundestrainer Löw beschwichtigt vor dem Spanien-Spiel. "Das ist alles, nur keine Revanche für Spiele von 2010 und 2008", erklärte er mit Blick auf die Pleiten im WM-Halbfinale und EM-Endspiel.

Letzter deutscher Sieg im Jahr 2000

Dabei wartet Deutschland sogar schon seit 2000 auf einen Sieg gegen die Iberer.

Beim Debüt von Rudi Völler als Teamchef siegte das DFB-Team in Hannover 4:1 (1:0), Mehmet Scholl und Alexander Zickler trafen jeweils doppelt, Raul erzielte den Ehrentreffer für Spanien.

"Das Beste draus machen"

Heute gehen selbst unter den Spanien-Legionären im DFB-Team die Meinungen zum Prestigeduell auseinander.

"Auch wenn es nur ein Freundschaftsspiel ist, ist es ein superinteressantes Spiel für uns und auch für mich", versicherte Mittelfeldspieler Sami Khedira, der erstmals seit seinem Wechsel zu Real Madrid gegen Spanien spielt: " Ich freue mich unheimlich drauf, weil es zum Abschluss des Jahres auch noch mal ein Kräftemessen ist.

Obwohl Europameister Spanien nach der verkorksten WM mit Vorrunden-Aus im Umbruch ist, warnt Khedira auf SPORT1-Nachfrage: "Fußballerisch haben sie weiterhin Weltklasseformat."

Der zuletzt in Spanien gefeierte Regisseur Toni Kroos gibt dagegen zu bedenken: "Wir gehen personell ein bisschen am Stock im Moment. Wir müssen das Beste draus machen."

Khedira gelobt nach dem mäßigen Start in die EM-Quali Besserung: "Im neuen Jahr wollen wir wieder voll angreifen und auch bessere und attraktivere Leistungen abliefern."

Geht es nach den deutschen Fans, darf das DFB-Team Khediras Ankündigung aber auch schon gegen Spanien Taten folgen lassen.

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